Überregionaler Leerstand: Tourismus kämpft mit freien Jobs

Die Arbeitslosenzahl Österreichs sinkt, die Stellenangebote steigen - dennoch wird insbesondere überregional nicht genug für den Aufschwung getan.

„Es ist erfreulich, dass die Zahl der arbeitslosen oder in AMS-Schulung befindlichen Personen erstmals seit fünf Jahren leicht gesunken ist. Trotz nur moderatem Wachstum haben die Unternehmen ihren Personalstand kräftig aufgestockt. Das bedeutet aber noch keine Entwarnung, zumal das Arbeitskräfteangebot auch infolge der Asylzuwanderung noch kräftig steigen wird“, kommentiert Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer (WKÖ), die aktuellen Arbeitsmarktzahlen.

Angesichts der im internationalen Vergleich weit überdurchschnittlichen Lohnnebenkosten in Österreich fordern alle Experten hier dringend eine weitere Entlastung. Die Senkung der Lohnnebenkosten um 0,4 Prozent mit 01.01.2017 ist ein erster wichtiger Schritt. Wir brauchen aber dringend weitere Senkungen, weil wir noch immer weit über dem deutschen Niveau und auch internationalem Niveau liegen, wie eine aktuelle OECD-Statistik gerade wieder bestätigt hat“, fordert Gleitsmann.

Es gibt derzeit um 8.876 gemeldete offene Stellen mehr als vor einem Jahr. „Das ist erfreulich, zeigt aber auch das wachsende strukturelle Problem auf dem Arbeitsmarkt“, betont Gleitsmann. Besonders schwierig ist die Situation im Tourismus: So stehen im Bezirk Pongau 398 offenen Stellen nur sechs vermittelbare Köche gegenüber, in Wien hingegen ist das Verhältnis 226 offene Stellen zu 1.019 vermittelbaren Köchen, die offenbar allesamt nicht bereit sind, in anderen Bundesländern Jobs anzunehmen.

„Die Kluft zwischen den Bundesländern wird immer größer. Hier braucht es dringend ein Umdenken. Die vielen Jobchancen gibt es nicht mehr in der Großstadt, sondern am Land,“ so Martin Gleitsmann. Das AMS sollte stärker überregional vermitteln, auch brauche man für die Arbeitslosen mehr effektive, aber auch pushende Anreize. Allein an den Arbeitsbedingungen könne es, so Gleitsmann, jedenfalls nicht liegen, sonst würden nicht so viele Arbeitnehmer aus Deutschland hierzulande Jobs annehmen. Ein effektives Instrument gegen den Fachkräftemangel sind Weiterbildungen, die in den Betrieben ansetzen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.