Mittelstand verliert an Innovationskraft

Deutsche Mittelständler sind immer weniger innovativ. Das könnte zu einer handfesten Krise werden.

Der Großteil der deutschen KMU ist seit vielen Jahren und Jahrzehnten erfolgreich im Besetzen von Nischen. Zahlreiche Zulieferer profitieren bei Großkunden aufgrund ihrer bemerkenswerten Spezialisierung. Der zunehmende Wettbewerb durch Digitalisierung und Globalisierung erfordert jedoch immer schnellere Wandlungsfähigkeiten vom deutschen Mittelstand. Gleichzeitig geht jedoch die Innovationskraft der KMU zurück, wie aus der Studie „Innovativer Mittelstand 2025 – Herausforderungen, Trends und Handlungs-empfehlungen für Wirtschaft und Politik„ hervorgeht.

Besonders stark kann der Rückgang an der sogenannten Innovatorenquote abgelesen werden, die den Anteil der kleinen und mittelständischen Unternehmen beschreibe, die innerhalb eines Dreijahreszeitraums Produkt- und Prozessinnovationen eingeführt hätten. Im Jahr 1999 waren 56 Prozent der Unternehmen so innovativ. Nach aktuellen Zahlen besitzen nur noch 37 Prozent ausreichend Innovationskraft. Eine Befragung von mehr als 100 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zeigt zudem, dass Mittelständler strategische Innovationsaktivitäten zugunsten kurzfristiger Projekte vernachlässigten.

Die Gründe für den Rückgang der Innovationskraft sind vielfältig. So spielt beispielsweise die schlechte Finanzierungssituation der KMU eine wichtige Rolle. Trotz sehr niedriger Zinsen hat die Risikobereitschaft der Banken auch aufgrund der Basel III-Regelungen deutlich abgenommen. Für risikoträchtige innovative Vorhaben steht so kaum Fremdkapital zur Verfügung. „Die Innenfinanzierungskraft der KMU hat mit der Finanz- und Wirtschaftskrise allerdings abgenommen und nicht wieder das Vorkrisenniveau erreicht“, heißt es in der Studie.

Zusätzlich dazu haben viele deutsche Mittelständler in den vergangenen Jahren auf den Druck wachsender Konkurrenz nicht mit innovativen Ideen reagiert, sondern vielmehr mit einer neuen Orientierung hin zu den Schwellenländern. Die Ereignisse der vergangenen 14 Monate haben jedoch genau diese Märkte geschwächt, sodass sich etliche KMU neuen Schwierigkeiten gegenüber sehen, während sie für alte Probleme noch keine Lösung gefunden haben.

Als weiteren Grund für die sinkende Innovationskraft nennt die Studie den fehlenden „Technologieimpuls“. Demnach ist zwar Industrie 4.0 und deren Notwendigkeit seit einigen Jahren gegenwärtig, aber „diese Entwicklung hat bisher nicht die Mehrheit der KMU erfasst und geht auch an den meisten Dienstleistungsbranchen, in der sich die Mehrzahl der innovierenden mittelständischen Unternehmen befindet, weitgehend vorbei.“

Wirtschaftsstaatsekretär Matthias Machnig kündigte deshalb an, mit einer steuerlichen Förderung gegensteuern zu wollen. Geplant sei eine Zulage von zehn Prozent auf die Personalkosten im Bereich Forschung und Entwicklung. Darüber werde in der Bundesregierung schon gesprochen.

Kommentare

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  1. Kulleraugen sagt:

    der Billige Euro hat den Brain Drain vorschub geleistet wenn eien Wirtschaft nur mit Subs angehalten wird um Inovationen zu Fördern ist das sehr Arm

  2. Volker K. sagt:

    Das von Industrie und Politik ständig immer weiter abgesenkte Lohn-und Gehaltseinkommen der Beschäftigten – auch z.B. bei Ingenieuren, hat die Unternehmen in großem Maßstab dazu verführt, die internen Rationalisierungsprozesse auf die lange Bank zu schieben, weil man schließlich
    mit niedrigeren Löhnen wieder wettbewerbsfähiger war.
    Rationalisierungen sind im Vorfeld häufig Kostenintensiv und die betrieblichen Abläufe neu zu
    durchdenken kostet Mühe. Prima, wenn man nur einfach weniger zahlen muß.

    Weniger Geld, weniger Kaufkraft, Warenüberangebot – weshalb sollte in solch einer Situation
    die Firma modernisiert werden? Kredite sind teuer, Basel 2 & 3 lassen grüßen.

    In diesem Zusammenhang wurde (und wird) versucht ,sich älterer, erfahrener und entsprechend teurer Mitarbeiter zu entledigen.
    Für bestimmte Vorhaben werden häufig nur befristete, möglichst junge Mitarbeiter eingestellt , vergessend, daß der Dipl.Ing. aus alten Zeiten eben doch etwas Anderes ist als Bachelor und
    Magister.

    Eine Subventionierung der Personalkosten wird hier nichts bringen und ich vermute, der
    einzelne Angestellte wird von derartiger Förderung nichts merken.
    Wenn den Firmen heute schon nichts mehr einfällt, werden es 10% im Personaletat nicht
    mehr reissen.

    Wie kommt der studierte Soziologe und Erziehungswissenschaftler im Rang eines Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium auf eine Förderhöhe von 10%? Weshalb denn nicht 50, 80 oder nur 5%? Es macht sich ja immer gut, etwas Geld zu verteilen – und am leichtesten auf Kosten des Steuerzahlers.

    Der große Knall wird kommen, wenn diejenigen, welche in den Firmen das Rad noch am
    laufen halten – die Fünfziger bis Sechziger – in den nächsten Jahren in Rente gehen.
    Entsprechend eingearbeiteter Nachwuchs wird nicht vorhanden sein. Was hier von den Schulen
    kommt, wird nicht das Rüstzeug besitzen, den kommenden Aufgaben in der Breite gewachsen zu sein.

    Wie hat doch mal jemand so schön sarkastisch bemerkt:
    „Lernt schon mal Russisch und Chinesisch, denn Chefs mögen es, wenn man Ihre Sprache spricht!“