Wiener Ölkonzern OMV investiert in Gazprom

Österreichs größter Ölkonzern OMV tauscht Lizenzen mit dem russischen Konzern Gazprom. OMV will in Sibirien aktiv werden.

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV und der Energieriese Gazprom haben sich grundsätzlich auf ihr angekündigtes Tauschgeschäft geeinigt. Die OMV biete den Russen eine 38,5-prozentige Beteiligung an ihrer norwegischen Tochtergesellschaft OMV Norge an und erhalte im Gegenzug einen 25-Prozent-Anteil an Teilen des sibirischen Gasfeldes Urgengoy, teilte das Unternehmen mit Sitz in Wien mit.

Vom Einstieg in den russischen Markt verspricht sich OMV-Chef Rainer Seele vor allem deutlich niedrige Produktionskosten als etwa in der Nordsee. Der Konzern leidet derzeit unter dem niedrigen Ölpreis und einem schwächelnden Raffineriegeschäft.

Die Vereinbarung sei in der heutigen Sitzung des OMV-Aufsichtsrates genehmigt worden. Die Unterzeichnung mit Gazprom stehe noch aus, werde aber im Laufe des Tages erwartet, teilte die OMV mit. Die beiden Firmen hatten sich bereits im Vorjahr grob auf das Geschäft geeinigt. In einer Absichtserklärung wurde festgehalten, dass die OMV knapp 25 Prozent an einem Teil des sibirischen Öl- und Gasfelds Urengoy erhalten soll. Welche Vermögensteile die Österreicher im Gegenzug der Gazprom anboten, war bislang offen. Im Frühjahr gab die OMV nur bekannt, dass sie den Russen einen Anteil an ihrer Nordsee-Ölförderung anbietet. Vom politischen Umfeld wollte sich der OMV-Chef, der schon bei der BASF-Tochter Wintershall Geschäfte mit Gazprom machte, nicht beeinflussen lassen. Zwischen Russland und dem Westen herrschen aufgrund der Krisen in der Ukraine und in Syrien Spannungen, wodurch die russische Wirtschaft zu leiden hat.

Zuletzt hatte die Teil-Privatisierung von Rosneft für Aufsehen gesorgt. Der Schweizer Rohstoffhändler Glencore und Katars Staatsfond halten jetzt zusammen 19,5 Prozent an dem russischen Ölkonzern. Mit den dafür zur Verfügung gestellten 11 Milliarden Dollar will die russische Regierung das Haushaltsloch stopfen.

Konkret sieht der Anteilstausch vor, dass sich OMV an den Blöcken IV und V der sogenannten Achimov-Formation des Urengoy-Gasfeldes beteiligen werde. Bei dem sibirischen Feld handelt es sich um eines größten Gasvorkommen der Welt. Geplant sei, dass die OMV bis 2039 insgesamt rund 900 Millionen Euro in die Ausbeutung des Felds investieren werde. Mit der Produktion soll 2019 gestartet werden. 2025 sollen in der Spitze dort mehr als 80.000 Barrel Öl pro Tag gefördert werden. Die Reserven der OMV würden sich damit bis zum Vertragsende 2039 um etwa 560 Millionen Barrel Öläquivalent erhöhen. Für 2016 wurde von der OMV eine Gesamtproduktion von Öl- und Gas von etwas über 300.000 Barrel pro Tag angekündigt. Die für das Tauschgeschäft angebotene norwegische Tochter besitze insgesamt 32 Lizenzen für die Förderung von Öl und Gas. Bei 5 Lizenzen ist OMV Betriebsführer. Die Produktion liege dort in den ersten neun Monaten bei 67.000 Barrel pro Tag.

Die beiden Konzerne liegen bei ihrem Deal im Zeitplan. Sie hatten angekündigt, bis Jahresende eine Basisvereinbarung zu fixieren. Der Abschluss des Geschäftes stehe unter dem Vorbehalt einer finalen Einigung, aufsichtsrechtlicher Genehmigungen sowie weiterer Organbeschlüsse. Mit der finalen Unterzeichnung rechnet die OMV bis Mitte 2017. Wirksam werden soll das Geschäft mit Januar 2017.

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