Strafe für Credit Suisse könnte deutlich höher ausfallen

Die in den USA zu zahlende Strafe der Credit Suisse könnte höher ausfallen, als von Beobachtern erwartet wurde

Der Credit Suisse droht im Streit um Betrügereien am US-amerikanischen Hypothekenmarkt eine höhere Strafe als bislang erwartet. Das US-Justizministerium habe eine Zahlung von fünf bis sieben Milliarden Dollar verlangt, erklärte eine Person mit Kenntnis der Lage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Dies liegt deutlich über der von Analysten bislang geschätzten Summe und könnte die Bilanz der Schweizer Großbank schwächen. Ein zweiter Insider erklärte, die Credit Suisse sei auf das Angebot nicht eingegangen und strebe in der schon mehrere Monate dauernden Auseinandersetzung eine geringere Strafe an. „Die Bank ist zuversichtlich, eine bessere Lösung finden zu können“, erklärte er.

US-Justizministerin Loretta Lynch habe Credit-Suisse-Konzernchef Tidjane Thiam getroffen, sagte eine dritte mit der Situation vertraute Person. Dies sei ein Zeichen, dass sich die Gespräche in einem fortgeschrittenen Stadium befänden. Eine Lösung sei noch vor Weihnachten möglich. Komme es nicht zu einer Einigung, könnten die US-Behörden ein zivilrechtlichen Verfahren eröffnen und die Unsicherheit für die Bank damit verlängern. Zeitdruck besteht darüber hinaus, weil Experten nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Donald Trump am 20. Januar personelle Änderungen im US-Justizministerium erwarten. Wenn bis dahin keine Einigung erzielt ist und sich das Ministerium erst neu sortieren muss, könnte sich ein Vergleich noch mehrere Monate lang hinziehen.

Die Credit Suisse und das Ministerium wollten sich nicht äußern. Der Hypothekenstreit ist der größte offene Rechtsfall für die Credit Suisse. Die Rückstellungen für sämtliche Rechtsstreitigkeiten beliefen sich Ende 2015 auf 1,6 Milliarden Franken. Im November hatte die Bank weitere 357 Millionen Franken beiseitegelegt, ein großer Teil davon in Zusammenhang mit Hypothekenfällen. An der Börse legten Papiere von Credit Suisse leicht zu.

Der Hypothekenstreit geht auf die Zeit vor der Finanzkrise zurück und betrifft nicht nur die Credit Suisse. Unter anderem sind auch der Erzrivale UBS, Barclays aus Großbritannien sowie die Deutsche Bank im Visier der US-Justiz. Die Frankfurter stehen einem Insider zufolge ebenfalls kurz vor einem Vergleich mit den Amerikanern. Die Strafe werde deutlich unter den 14 Milliarden Dollar liegen, die das Justizministerium im September von Deutschlands größtem Geldhaus gefordert hatte.

Viele Großbanken haben sich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt über Jahre viel Geld verdient. Sie vergaben Hypotheken an mittellose Familien und blähten damit ihr Kreditgeschäft auf. Die Risiken wurden anschließend an Investoren weitergereicht – in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken ebenfalls hohe Gebühren in die Kasse spülten. Der Kollaps dieses Marktes im Jahr 2007 war ein Auslöser der Finanzkrise.

US-Präsident Barack Obama wollte die Bank dafür zur Verantwortung ziehen, dass sie die Anleger über die Risiken dieser Investitionen in die Irre geführt hatten. US-Institute wie Bank of America oder JP Morgan musste insgesamt 46 Milliarden Dollar auf den Tisch legen, um die Verfahren vom Tisch zu bekommen. Nun sind die europäischen Banken an der Reihe, von denen viele bei einer möglichen neuen Krise immer noch anfällig sind. Für die Credit Suisse rechnet Mirabaud-Analyst Andreas Brun vor, dass eine Zahlung von vier Milliarden Dollar die Kernkapitalquote auf rund elf Prozent von zwölf Prozent drücken würde. Das sei machbar, werfe aber die Frage auf, ob die Bank in der Lage ist, die in Aussicht gestellte Dividende von 0,7 Franken je Aktie zu bezahlen.

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