Diesel-Politik suggeriert falsches Bewusstsein für die Umwelt

Obwohl Benziner weniger Schadstoffe ausstoßen als die neuesten Diesel-Modelle, werden sie von der Bundesregierung höher besteuert. Das ist absurd.

Die Folgen der deutlich überhöhten Stickoxid-Emissionen selbst bei neusten Euro 6 Diesel-PKW-Modellen, Diskussionen um „blaue Umweltplaketten“ und bundesweite Gerichtsprozesse um Durchfahrtsverbote in Innenstädten für Diesel-PKWs haben zu einer tiefgreifenden Verunsicherung der Neuwagenkäufer beim Diesel geführt haben. So sackte der Dieselmarktanteil in Deutschland im Dezember mit 43,3 Prozent auf seinen tiefsten Wert seit 76 Monaten ab. Nur im September 2010 lag der Dieselanteil in deutschen Neuwagenmarkt mit 41,4 Prozent niedriger.

Diesel-Neuwagen verlieren ihre Kunden im Eiltempo. Neuwagenkäufer gehen immer stärker auf Distanz zum Diesel. Bereits im Herbst dieses Jahres wird der Dieselanteil bei Neuwagen nach der CAR-Trendprognose die 40 Prozent-Grenze unterschreiten. Dabei sind die neusten Negativmeldungen, dass nagelneue EURO 6 Diesel-PKW mehr giftige Stickoxide in die Luft blasen als dicke LKWs, noch gar nicht berücksichtigt. Da mutet der am 06.01.2017 in der ARD abgegebene Kommentar von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt fast sarkastisch an: „Wir sehen ja gerade im Bereich der LKW, was moderne Diesel-Technologie in der Lage sind auch an sauberer Technik zu generieren. Das muss auch bei den PKW Einzug halten“. Immerhin ist das Bundesverkehrsministerium mit seiner angeschlossenen Behörde für die Straßenzulassung von Fahrzeugen zuständig. Damit kennen der Minister und sein Ministerium die Testbedingungen, die vor mehr als 20 Jahren von der EU-Kommission verabschiedeten wurden, doch ganz genau.

Heutiges Dieselsteuerprivileg unverantwortlich

Wie weit die heutigen Neuwagen im normalen Fahrbetrieb über dem vorgeschriebenen Stickoxid-Ausstoß liegen zeigt eine Reihe von Tests. Etwa von der Zeitschrift „auto, motor und sport“ die mittlerweile bei 38 unterschiedlichen Fahrzeugmodellen in Tests zum Teil erhebliche Abweichungen festgestellt hat. Im Durchschnitt stoßen die bisher getesteten 38 Fahrzeugmodelle 4,8-mal so viele Stickoxide aus, wie erlaubt. Nur zwei Modelle unter den 38 getesteten EURO 6 Diesel-Modellen hatten die Grenzwerte im normalen Fahrbetrieb eingehalten. Knapp 95 Prozent der getesteten Diesel-Modelle sind damit Umweltsünder. Gleichgültig ob Premiummarken wie Audi, BMW, Mercedes, Mini, Porsche, Volvo oder Volumenmarken wie Citroen, Ford, Fiat, Hyundai, Kia, Opel, Renault, Seat, VW – fast 95 Prozent der getesteten Neuwagen verfehlen im normalen Fahrbetrieb ganz erheblich die Grenzwerte. Das Risiko, mit einem neuen EURO 6 Diesel Umweltsünder zu sein, ist sehr groß. Ähnliche Ergebnisse hatte übrigens schon die Überprüfung des Kraftfahrbundesamtes im Frühjahr letzten Jahres ergeben. Käufer von Diesel-Neuwagen sind damit einem besonderen Risiko ausgesetzt.

Man muss davon ausgehen, dass nach der Bundestagswahl die Steuerbegünstigen von Dieselkraftstoff von 18 Cent pro Liter gegenüber Benzin nicht mehr aufrechtzuhalten sind. Es ist unverantwortlich, eine Technologie mit Steuerprivilegien auszustatten, die nachweisbar in Ballungsräumen zu gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung führt. Der politische Druck steigt, die Steuersubvention des Diesels nach der Bundestagswahl zu beenden. Der Benzin-PKW hat diese Nachteile nicht und Benzin wird höher besteuert. Das ist aberwitzig. Soweit darf Industriepolitik nicht gehen.

Höchste Dieselanteile bei Premiumanbieter

Die rasante Talfahrt des Diesel-PKW setzt die Autobauer von Premiumautos besonders unter Druck. Die meisten Diesel-PKW werden von den Premiumherstellern in den Markt gebracht. Kurioserweise scheitern die Diesel-Neuwagen der Premiumbauer im normalen Fahrbetrieb fast ausnahmslos an den Stickoxidvorgaben.

Nicht die Japaner oder Koreaner stehen damit an der Spitze der Stickoxid-Emissionen, sondern Landrover, Volvo, Jaguar, Audi, BMW oder Mercedes. Wenig verständlich, dass die Premiumautobauer bisher wenig dafür getan haben, dass ihre Neuwagen nicht zu den hohen Stickoxid-Werten in den Städten beigetragen haben. Gerade Käufer von Premium-Produkten sind bereit, höhere Preise zu bezahlen. Das ist umso unverständlicher, da es bei LKW möglich ist, aber man offensichtlich gerade im Premiumbereich die Kosten scheut.

Porsche hat in Richtung „weg vom Diesel“ geschaltet

Obwohl Porsche mittlerweile deutlich mehr SUV und Limousinen verkauft als Sportwagen, haben die Zuffenhausener ihren Dieselanteil von 39 Prozent im Jahre 2015 auf 35 Prozent im Jahre 2016 zurückgefahren.

Die Negativ-Meldungen zum Diesel sind keineswegs zu Ende. Die Politiker stehen unter Druck, zu agieren. In mehreren deutschen Großstädten sind Verwaltungsgerichtsverfahren wegen zu hoher Stickoxid-Belastungen anhängig. Die Ursache sind Diesel-PKW. So hatte das Düsseldorfer Verwaltungsgericht bereits im letzten Jahr die Stadt Düsseldorf verurteilt, bis zum Oktober 2017 einen neuen Luftreinhalteplan für die Stadt vorzulegen, der auch Diesel-Fahrverbote mit sich bringen kann.

Diesel-Steuer an Besteuerung von Otto-Kraftstoff anpassen

Unter den vorliegenden Fakten ist es nicht akzeptierbar, dass Diesel-Kraftstoff geringer besteuert wird als Ottokraftstoff. Der Gesetzgeber trägt damit dazu bei, die Gesundheit der Menschen in Ballungszentren zu gefährden, verzerrt den Kraftstoffmarkt und lässt Konsumenten in eine Falle laufen. Man muss mit Fahrverboten nach den Gerichtsverfahren in Großstädten rechnen. Damit setzen die Politiker der Regierungskoalition die Konsumenten zusätzlich mit einem wirtschaftlichen Risiko – der Abwertung ihrer Diesel-PKW – aus.

Es wäre ein Einfaches, die Dieselkraftstoff-Besteuerung zügig an die Otto-Kraftstoff-Besteuerung anzupassen und gleichzeitig die Kfz-Steuer von Diesel-PKWs an die Kfz-Steuer von Benzinern anzupassen. Das Besteuerungssystem würde einfacher, gerechter und würde die Umweltverzerrungen durch den Diesel mildern. Diesel-PKW-Besitzer, die nur wenige Kilometer pro Jahr fahren, würden eher profitieren und die Vielfahrer, die unsere Ballungsräume und deren Bewohner mit besonders viel Stickoxid belasten, hätten gegenüber dem Benzin-PKW nicht noch einen zusätzlichen Steuervorteil durch die Gefährdung der Gesundheit von Menschen.

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Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Kommentare

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  1. Jürgen Forbriger sagt:

    Also doch, es geht um Steuererhöhung! Als die KFZ-Steuer eingeführt wurde, sprach man von „Straßen in Ordnung halten“. Heute spricht man nur noch von Erhöhung, zumal der Stickstoffausstoß des Menschen nur im 0,004 % Bereich liegt.Keiner spricht von den 400 Kratern auf der Erde, die uns bisher auch nicht umgebracht haben.Wie blöd muß man sein um überhaupt über den CO2-Ausstoß durch Menschen zu reden. Fangt endlich an die Panzer einzusparen! Da mißt komischerweise keiner nach.