Premiumkrone: Daimler schnappt BMW den Titel weg

Nach zwölf Jahren an der Spitze muss BMW den Titel des größten Oberklasse-Autobauers der Welt an Mercedes abgeben. Geschuldet sei das einem zweistelligem Wachstum in China und Europa.

Daimler-Chef Dieter Zetsche. (Foto: Daniel Naupold/dpa)

Daimler-Chef Dieter Zetsche. (Foto: Daniel Naupold/dpa)

Die Premiummarke aus dem Hause Daimler verkaufte laut Reuters 2016 dank zahlreicher neuer Modelle gut 2,08 Millionen Pkw. Das sind nicht nur 11,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor, sondern auch etwa 80.500 Fahrzeuge mehr, als die Münchner von ihrer Kernmarke BMW absetzten. Rund 2,0 Millionen Wagen mit weiß-blauem Emblem lieferten die Bayern an Kunden weltweit aus (plus 5,2 Prozent). Die VW -Tochter Audi, Dritte im Bunde der Dauerrivalen, lag mit 1,87 Millionen verkauften Fahrzeugen auf Platz 3. Angesichts des Diesel-Abgasskandals im VW-Konzern freuten sich die Ingolstädter dennoch über den Zuwachs von 3,8 Prozent und ein weiteres Rekordjahr, wie es auch die Rivalen verbuchten.

Daimler-Chef Zetsche sagte kurz vor Beginn der Automesse in Detroit, Mercedes habe sich mit zweistelligem Wachstum in China und Europa an die Segmentspitze gesetzt. „Und wir machen weiter Tempo – mit neuen Technologien, Produkten und Dienstleistungen.“ BMW verwies darauf, mit allen drei Marken – den Münchnern gehören auch Mini und Rolls-Royce – der weltweit führende Premium-Hersteller zu bleiben. Insgesamt verkaufte der Konzern 2016 knapp 2,4 Millionen Fahrzeuge weltweit, Daimler kam mit Mercedes und Smart insgesamt auf gut 2,2 Millionen. Die Marke mit dem Stern hatte 2005 den lange wie selbstverständlich gehaltenen Spitzenplatz im Oberklasse-Segment an BMW verloren. 2011 fielen die Stuttgarter gar hinter Audi auf Platz drei der weltweit größten Premiumanbieter zurück. Daimler-Chef Zetsche wollte die Premiumkrone bis 2020 zurückerobern. Nun feiert er den Absatzrekord in einer Zeit, in der nach Expertenmeinung für den Erfolg bald nicht mehr bloße Absatzzahlen zählen, sondern der Verkauf von digitalen Dienstleistungen.

Die Wende für Mercedes-Benz begann mit der Erneuerung der gesamten Produktpalette ab 2012. Den entscheidenden Schub brachte das Wachstum in China, wo die Schwaben vor allem durch die Neuausrichtung des Vertriebs den großen Abstand zu den viel erfolgreicheren Rivalen Audi und BMW stark verkürzten. In China, dem größten Pkw-Markt der Welt, sind traditionell die Ingolstädter im Oberklassesegment vorn. Auch in den USA, wo der Dieselskandal 2015 aufgedeckt worden war, steigerte die Marke mit den vier Ringen 2016 den Absatz.

Wie Matthias Wissmann vom Herstellerverband VDA am Montag in Detroit sagte, setzt die Autobranche darauf, dass ihr der künftige US-Präsident Donald Trump keine Handelshemmnisse aufbürdet. Zusammenarbeit und offene Märkte, freier Handel und Direktinvestitionen seien zwei Seiten einer Medaille. Er hob die Bedeutung der deutschen Autobauer und ihrer Zulieferer für die amerikanische Wirtschaft hervor. Deutsche Hersteller hätten in den vergangenen sieben Jahren die Produktion in den USA auf 850.000 Einheiten vervierfacht. Jedes zweite deutsche Auto aus US-Produktion werde exportiert.

In der Automobilindustrie ist die Produktion zwischen Ländern und Regionen eng verzahnt. Handelshemmnisse würden dies behindern. „Und es wäre sicher auch klug, die Zollfreiheit des Nafta-Raums nicht infrage zu stellen“, betonte Wissmann. Er vermied damit eine direkte Kritik an Trumps Androhung von Strafzöllen bei Fahrzeug-Importen aus Mexiko in die USA. Der Republikaner hat mehrfach Unternehmen dafür angegriffen, dass sie Fabriken in Mexiko betreiben, vor allem die heimischen Autobauer General Motors und Ford. Letzterer knickte ein und investiert jetzt in einen US-Standort statt in ein neues Werk in Mexiko. Der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler kündigte Milliardeninvestitionen in Ohio und Michigan an. Zuletzt attackierte Trump auch den japanischen Hersteller Toyota und drohte diesem ebenso mit hohen Strafzöllen. Deutsche Autobauer hat er bisher nicht im Visier.

Für die weitere Entwicklung der US-Nachfrage zeigte sich der VDA verhalten optimistisch. Der Absatz an Pkw und Light Trucks werde 2017 wohl auf einem ähnlich hohen Niveau liegen wie 2016: Rund 17,5 Millionen Fahrzeugen kam zuletzt neu auf die Straßen. Autoexperte Wolfgang Bernhart von der Beratungsfirma Roland Berger sagte mit Blick auf Trumps angekündigte Infrastrukturprogramme: „In den USA werden wir sicherlich einen kurzfristigen Nachfrageeffekt haben. Ob das langfristig anhält, sei dahin gestellt.“

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