Syngenta und ChemChina wollen Übernahme mit Zugeständnissen retten

Der Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta und sein chinesischer Wettbewerber kämpfen um die geplante Fusion. Zugeständnisse könnten den Deal noch retten.

Der chinesische Staatskonzern ChemChina ist zu Opfern bereit, um die größte verbleibende Hürde auf dem Weg zur Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta auszuräumen. Die beiden Unternehmen hätten der EU-Wettbewerbsbehörde Zugeständnisse angeboten, um Bedenken der Kartellwächter gegen die 43-Milliarden-Dollar-Transaktion zu zerstreuen, wie aus einer Mitteilung auf der Internetseite der EU-Kommission hervorgeht. Ein ChemChina-Sprecher erklärte, die Einzelheiten seien vertraulich. Syngenta bestätigte jedoch, dass die Unternehmen der EU entgegenkommen wollten, aber weiterhin an den Deal glaubten. „ChemChina und Syngenta sind der Transaktion weiterhin voll verpflichtet und zuversichtlich, dass es zu einem Abschluss kommt.“

Die EU-Kartellwärter kündigten Ende Oktober an, den bislang größten Auslandszukauf eines chinesischen Unternehmens genauer unter die Lupe zu nehmen. Nun verlängerte die Behörde die Prüffrist erneut um zehn Arbeitstage bis zum 12. April. Die Behörde hat Bedenken, dass der Zusammenschluss zu unfairen Wettbewerbsvorteilen führen könnte. Auch die EU machte keine Angaben, welche Zugeständnisse die Parteien angeboten haben. Üblicherweise handelt es sich aber um Bereichsverkäufe oder Anpassungen der Produktpreise.

Früheren Angaben zufolge machte die EU Überlappungen zwischen der ChemChina-Tochter Adama und Syngenta im europäischen Markt für Mittel zur Bekämpfung von Unkräutern oder Insekten aus, die zu einer Einschränkung des Wettbewerbs führen könnten. Adama sei der größte Anbieter von Pflanzenschutz-Nachahmerprodukten in Europa. Der Verkauf von Adama wäre der einfachste und sauberste Weg, um die Wettbewerbsbedenken zu zerstreuen, sagte Ioannis Kokkoris von der Queen Mary University in London.

Für die Kartellbehörden weltweit zählt aber nicht nur die Übernahme von Syngenta. In der Branche findet zur Zeit eine Art Endspiel unter den großen Anbietern statt, bei dem bisher einzig BASF außen vor blieb. So will Bayer den US-Saatgutriesen Monsanto schlucken. Bereits vor der 66-Milliarden-Dollar-Transaktion, mit der die Leverkusener zum weltgrößten Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln aufsteigen, wurde der Zusammenschluss der US-Konzerne Dow Chemical und Dupont auf den Weg gebracht. Experten zufolge dürften diese beiden Transaktionen wesentlich größere Auswirkungen auf den Wettbewerb in der Branche haben als der Syngenta-Deal.

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