Wegen Brexit: HSBC will Geschäft nach Paris verlegen

Rückschlag für das deutsche Finanzzentrum Frankfurt: Europas größte Bank HSBC will nach einem EU-Abschied Großbritanniens einen Teil ihrer Aktivitäten nach Paris verlagern.

Etwa 20 Prozent der Handelsumsätze würden nach dem Brexit in die französische Hauptstadt gehen, berichtet Reuters unter Berufung auf Konzernchef Stuart Gulliver. Dieser kündigte den Schritt am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos an.

„Wir gehen nicht dieses Jahr und vielleicht auch nicht nächstes Jahr“, sagte Gulliver. „Wir gehen in etwa zwei Jahren, wenn der Brexit wirksam ist.“ HSBC habe alle notwendigen Lizenzen für solch einen Schritt. Nach dem Brexit-Entscheid im Juni 2016 hatte die Bank von etwa 1000 Jobs gesprochen, die aus London abwandern könnten.

Wie Paris, Dublin und Luxemburg hofft auch Frankfurt auf einen Zuwachs an Arbeitsplätzen durch den Brexit. Mit dem „harten Brexit“, wie ihn Premierministerin Theresa May angekündigt hatte, verlören die britischen Banken auf jeden Fall den sogenannten EU-Pass, mit dem sie ihre Produkte auch in der Union verkaufen können, sagte der Präsident des Bankenverbandes BdB, Hans-Walter Peters. „Dies wird zu Anpassungen bei den Geschäftstätigkeiten der Institute führen und mit Verlagerungen an andere Finanzstandorte einhergehen.“

Die US-Investment-Bank Goldman Sachs erwägt einem Zeitungsbericht zufolge, wegen des Brexit bis zu 1000 Arbeitsplätze von London nach Frankfurt zu verlagern. Insgesamt plane die Bank eine Halbierung ihrer Mitarbeiterzahl in London auf 3000, berichtete das Handelsblatt Berufung auf Finanzkreise. Die Bank erklärte, noch sei keine Entscheidung gefallen. Bereits im November hatte es in Finanzkreisen geheißen, Goldman erwäge Geschäfte nach Frankfurt zu verlegen und sich von der EZB beaufsichtigen zu lassen.

Auch die Bankengruppe Lloyds denkt Insidern zufolge über eine Verlagerung von Geschäften nach Frankfurt nach. Es werde an die Gründung einer Tochtergesellschaft gedacht, sagte eine Person mit Kenntnis der Pläne. Die Schweizer Bank UBS teilte mit, rund 1000 Londoner Mitarbeiter könnten vom Austritt Großbritanniens aus der EU betroffen sein.

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