Fluglinien planen wegen neuen US-Reiseregeln um

Die neuen Reiseregeln von US-Präsident Donald Trump wirbeln den weitweiten Flugverkehr durcheinander. Airlines wie die Lufthansa, Emirates oder Etihad schicken wegen des Einreiseverbots für Bürger einiger muslimischer Staaten Teile ihres fliegenden Personals nicht mehr in die Vereinigten Staaten.

„Wir haben Crew-Mitglieder, die von der Änderung betroffen sind“, zitiert Reuters einen Lufthansa-Sprecher. Die Mitarbeiter würden nun auf anderen Strecken abseits der USA fliegen. Zur Zahl der Betroffenen könne er derzeit nichts sagen.

Die US-Regierung verbietet seit Freitag Bürgern von sieben Staaten aus dem Nahen Osten und Afrika die Einreise. Betroffen sind der Irak, der Iran, Jemen, Libyen, Somalia, der Sudan und Syrien. Der Schritt wurde mit dem Kampf gegen den Terrorismus begründet. Wegen der Neuregelung hat auch Emirates aus dem Ölemirat Dubai Konsequenzen gezogen. „Wir haben unsere Crew-Planung angesichts der neue Anforderungen angepasst“, sagte ein Sprecher der arabischen Airline. Die Flüge zu den insgesamt elf Zielen in Amerika starteten aber wie geplant. Auch Etihad aus dem Nachbar-Emirat Abu Dhabi erklärte, dass alle Maßnahmen ergriffen worden seien, um einen reibungslosen Flugbetrieb für die nächsten Wochen zu gewährleisten. Die großen Airlines vom Persischen Golf haben im Nahen Osten und Nordafrika ein dichtes Netz von Flugverbindungen und sind deshalb von dem US-Verbot stärker betroffen als andere Fluggesellschaften. In Dubai ist nach Aussagen des Flughafens bereits eine Handvoll Passagiere am Flug in die USA gehindert worden.

Nach Aussagen der Lufthansa sind auch Fluggäste der deutschen Gesellschaft betroffen. Ihre Anzahl sei aber sehr gering, sagte der Sprecher. Etwa sei es einer Hilfsorganisation nicht mehr möglich gewesen, Flüchtlinge über Frankfurt in die USA zu bringen. Passagiere, die die Vereinigten Staaten nicht mehr betreten dürften, könnten den Flug kostenfrei umbuchen. Die Auswirkungen auf die hiesigen Flughäfen halten sich nach Angaben der Bundespolizei in Grenzen. „Betroffene Passagiere werden in der Regel bereits im Herkunftsstaat von den Airlines zurückgewiesen oder in das Ausgangs- oder Transitland zurückgeflogen“, sagte eine Sprecherin. Gestrandete Gäste würden von ihrer Fluggesellschaft betreut und zurückgeflogen. Die Bundespolizei selbst müsse also nicht eingreifen.

Andere deutsche Branchen warnen vor den negativen Folgen des Einreiseverbots. „Mit der Umsetzung seiner Wahlkampfversprechen verunsichert der US-Präsident auch viele deutsche Unternehmen“, sagte Martin Wansleben, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. „Noch ist unklar, wie groß die Auswirkungen sein werden.“ Bill McDermott, Chef des Software-Riesen SAP, distanzierte sich von dem Gesetz. Als Amerikaner sei er stolz auf die Vielfalt, zu der Einwanderer beigetragen haben, schrieb er in einer Nachricht an die Mitarbeiter, die dem „Handelsblatt“ vorliegt. „Amerika wird seine ursprüngliche Identität wiederfinden – jener Traum, der allen die gleichen Chancen bietet.“ Vor einer Woche hatte McDermott noch betont, dass er der Amtszeit von Trump wegen der sich ergebenden Geschäftsmöglichkeiten positives abgewinnen könne. Ganz anders bewerten die Geschäftschancen mittlerweile hingegen die Anleger. Die Titel von Apple, Facebook, Microsoft und der Google-Mutter Alphabet verloren zur US-Börseneröffnung am Montag bis zu 2,5 Prozent. Die Technologiefirmen haben traditionell viele hoch qualifizierte ausländische Mitarbeiter in ihren Reihen.

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