Fachkräftemangel kostet deutschen Mittelstand Milliarden

Die Integration von Flüchtlingen bietet sich besonders in kleineren Unternehmen an. Die Sprachbarriere kann aber dennoch den deutlichen Mangel an Fachkräften nicht mildern.

Dem deutschen Mittelstand entgeht den Wirtschaftsberatern von Ernst & Young zufolge jährlich 49 Milliarden Euro Umsatz durch Fachkräftemangel. Rund jedes zweite Unternehmen beklage, wegen fehlender Fachleute Aufträge nicht annehmen zu können, erklärte E&Y zu einer Befragung von 3.000 Mittelständlern. Der Anteil sei binnen Jahresfrist von 49 auf 53 Prozent gestiegen. Jede neunte Firma spricht von Umsatzausfällen von mehr als fünf Prozent. Vier von fünf Firmen falle es schwer, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Vor allem der Kraftfahrzeugbau und die Elektrotechnik seien betroffen.

Grundsätzlich gehe es den Firmen aber gut. „Der deutsche Mittelstand macht beste Geschäfte – trotz der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Großwetterlage“, erklärte E&Y. 59 Prozent der befragten Manager seien derzeit uneingeschränkt zufrieden mit der Geschäftslage. Dies sei der beste Wert seit Beginn der Umfrage 2004. Rund 38 Prozent erwarteten zudem eine Verbesserung der eigenen Geschäftslage binnen eines halben Jahres. Nur sieben Prozent rechneten mit sinkenden Umsätzen.

Eine kurzfristige Lösung sind die registrierten Flüchtlinge. Mittelständlern fällt die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften unter ihnen in Deutschland leichter als noch vor einem Jahr. Inzwischen beschäftigt jeder sechste Mittelständler schon Flüchtlinge. 59 Prozent wären grundsätzlich dazu bereit. Nur etwa ein Viertel will hingegen mit hoher Wahrscheinlichkeit oder ziemlich sicher keine Flüchtlinge beschäftigen.

Dennoch glauben nur noch 45 Prozent der befragten Firmen, dass Flüchtlinge dazu beitragen können, den Fachkräftemangel zu mildern. Im Vorjahr waren es 55 Prozent. Vier von fünf Mittelständlern nennen mangelnde Deutschkenntnisse, fast jeder zweite (46 Prozent) fehlende Qualifikation als Einstellungshindernis.

Dabei könnten gerade mittelständische Firmen einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen leisten, sagte Ernst-&-Young-Chef Hubert Barth – „zumal viele als Ausbildungsbetriebe über entsprechende Erfahrungen verfügen und gerade jungen Flüchtlingen eine Perspektive geben können“.

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