Familienunternehmen sind für Investitionen besonders attraktiv

Investoren sind an Mittelstandsunternehmen interessiert. Bis auf wenige Ausnahmen droht hier kaum eine Blasenbildung durch überzogene Bewertungen.

Die Preise am deutschen Private-Equity-Markt sind derzeit „teuer“, insgesamt aber noch nicht „gefährlich überzogen“. Das ist die Einschätzung von Investmentmanagern aus mehr als 50 in Deutschland tätigen Private-Equity-Häusern, die alle sechs Monate im Auftrag der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) vom Fachmagazin FINANCE über Trends im deutschen Mittelstandssegment befragt werden. In einigen Bereichen sehen die befragten Experten allerdings durchaus das Risiko übertriebener Bewertungen. Insbesondere die Preise für Medizintechnik- und Technologieunternehmen seien inzwischen so hoch, dass in diesen Sektoren eine Blasenbildung drohe. Als am wenigsten überbewertet gelten dagegen Handelsunternehmen sowie Automobilzulieferer und Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. In der am Jahresende 2016 durchgeführten Erhebung äußerten lediglich fünf Prozent der befragten Investmentmanager, das Bewertungsniveau insgesamt sei „im langfristigen Vergleich normal“; 86 Prozent nannten die Preise „teuer“. Acht Prozent der Befragten finden die Preise sogar „gefährlich überzogen“.

Ungeachtet dieser Einschätzung haben Finanzinvestoren 2016 im deutschen Mittelstand so viele Buy-outs strukturiert wie seit dem Rekordjahr 2007 nicht mehr. Die Hälfte der Transaktionen – 17 von insgesamt 34 – entfällt dabei auf Sektoren, in denen die Preisentwicklung zuletzt weniger dynamisch verlaufen war. Jede fünfte Transaktion (sieben von 34) betraf einen Automobilzulieferer. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Industrieunternehmen unter den Buy-outs im Mittelstand zurückgegangen: 2015 stellten sie rund die Hälfte der 30 Transaktionen, im vergangenen Jahr lediglich noch rund ein Drittel.

Private-Equity-Gesellschaften finanzierten im vergangenen Jahr Buy-outs im deutschen Mittelstand im Wert von rund 3,6 Milliarden Euro – im Jahr zuvor waren es 2,7 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Unternehmenswert stieg um 15 Prozent auf rund 105 Millionen Euro. Die Mehrzahl der Transaktionen (23 von 34) entfiel auf den unteren Teil des Segments (Unternehmenswert: 50 bis 100 Millionen Euro).

Zehn von 34 Transaktionen zur Regelung der Unternehmensnachfolge

Ungewöhnlich viele Buy-outs des Jahres 2016 gehen auf Veräußerungen von Familienunternehmen zurück. Zehnmal, in nahezu jedem dritten Fall, wurde mit einem Buy-out die Nachfolge in der Rolle des Mehrheitsgesellschafters gestaltet. Dies ist seit 15 Jahren mit Abstand der höchste Anteil von Familiennachfolgeregelungen bei Buy-outs.

„Die deutlich höhere Zahl an Familiennachfolgeregelungen zeigt, dass Finanz-investoren als Unternehmenseigner im Mittelstand offenbar zunehmend akzeptiert werden“, kommentierte Torsten Grede, Sprecher des Vorstands der Deutschen Beteiligungs AG, gestern die jüngsten Marktdaten vor Journalisten in Frankfurt am Main. In der Vergangenheit hatte der Anteil von Familiennachfolgeregelungen nur bei rund zehn Prozent gelegen.

Die DBAG führt die höhere Akzeptanz auch darauf zurück, dass Finanzinvestoren zunehmend und für alle sichtbar auf nachhaltige Strategien setzen, um das Management bei der Weiterentwicklung von Unternehmen zu unterstützen und so deren Wert zu steigern. „In immer mehr Beispielen hat sich gezeigt, dass Finanzinvestoren Unternehmen positive Impulse geben“, so Grede weiter. Und: „Mit großem Augenmerk auf den strategischen Ausbau durch zusätzliche Geschäfte und Dienstleistungen gehen auch wir bei der Weiterentwicklung unserer Portfoliounternehmen noch mehr in die Tiefe.“

Proprietäre Transaktionen und Entwicklung der Beteiligungen gewinnen an Bedeutung

Die DBAG erwartet für 2017 keine grundsätzliche Änderung der Marktlage. „Der anhaltend hohe Mittelzufluss in die Anlageklasse Private Equity führt zu einer hohen Nachfrage nach attraktiven Unternehmen und einem entsprechend anspruchsvollen Preisniveau“, sagte Vorstandssprecher Grede. In diesem Umfeld haben nur solche Beteiligungsgesellschaften gute Chancen auf erfolgreiche Abschlüsse, die über eigene Zugänge zu attraktiven Beteiligungsmöglichkeiten verfügen und sich intensiv mit den Entwicklungsmöglichkeiten der Unternehmen auseinandergesetzt haben: „Wer sich durchsetzen und dabei seine Renditeziele erreichen will, muss allerdings nicht nur ein gutes Verständnis für das Unternehmen und dessen Potenziale mitbringen. Er muss auch mit den besonderen Herausforderungen vertraut sein, die Veränderungsprozesse in Unternehmen mit sich bringen.“

 

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.