Deutsche Bank kommt nicht aus den roten Zahlen

Nach der Milliardenstrafe in den USA und der Affäre um Geldwäsche in Russland schließt die Deutsche Bank 2016 erneut mit Verlust ab.

Die Deutsche Bank enttäuscht abermals mit einem Jahresverlust. Unter dem Strich belief sich das Minus 2016 auf 1,4 Milliarden Euro und war damit viel größer als erwartet. Der langwierige Umbau, vor allem aber die unzähligen Rechtsstreitigkeiten lasten weiter auf der Bilanz, wie Vorstandschef John Cryan am Donnerstag in Frankfurt einräumen musste. „Auch wir sind mit diesen Zahlen natürlich nicht zufrieden.“ Aber die Bank schaffe heute die Grundlagen dafür, in Zukunft wieder erfolgreich zu sein. „Wir haben vielleicht noch nicht alles, aber sehr viel erreicht.“ Ob dieses Jahr wieder ein Gewinn angepeilt wird, ließ der Brite zunächst offen. Der Start sei ermutigend gewesen.

An der Börse sorgten die Zahlen für Ernüchterung. Mit einem Minus von bis zu sieben Prozent war die Deutsche-Bank-Aktie größter Dax-Verlierer. Investoren warten vor allem auf Hinweise, wie die neue Strategie von Deutschlands größtem Geldhaus aussehen wird. Sie wollen mehr Rendite und endlich auch wieder eine Dividende sehen. Entscheidungen zum künftigen Kurs werden im Frühjahr erwartet. Cryan hielt sich auch dazu bedeckt, sondern betonte lediglich, abrupte Strategieschwenks hätten sich bei Unternehmen selten ausgezahlt, schon gar nicht bei Banken. Die Deutsche Bank verstehe sich als europäisches Institut mit deutschen Wurzeln und einem weltweiten Netzwerk.

Analysten hatten für das abgelaufene Jahr lediglich einen Nettoverlust von rund 700 Millionen Euro vorhergesagt. Dennoch: 2015 hatte noch ein Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro zu Buche gestanden. Hauptgrund für den neuerlichen Fehlbetrag ist der milliardenschwere Hypothekenvergleich in den USA. Vor Steuern belief sich das Minus auf 0,8 Milliarden Euro.

Immer wieder neue Rechnungen

Cryan, der im Sommer 2015 angetreten war, hatte stets klargemacht, dass er auf Sicht von zwei Jahren keine großen Gewinne erwartet, sondern stattdessen radikal aufräumen will. Er drückte Abschreibungen auf das Kerngeschäft durch, trennte sich auch mit Verlust von Beteiligungen und beschleunigte die Vergleichsverhandlungen bei wichtigen Rechtsstreitigkeiten. In letzterem Punkt konnte er in den vergangenen Wochen wichtige Erfolge vermelden, weil zwei große Brocken abgeräumt wurden, die allerdings viel Geld kosten: Für Tricksereien auf dem US-Hypothekenmarkt zahlen die Frankfurter umgerechnet rund sieben Milliarden Euro. Und im Geldwäsche-Skandal in Russland einigte sich die Bank mit den Aufsichtsbehörden in New York und London auf einen Vergleich, der insgesamt rund 600 Millionen Euro schwer ist.

Weitere große Fälle sind zwar noch offen, die Bank geht nun aber davon aus, dass die Ausgaben für Altlasten den Höhepunkt erreicht haben. Die Rückstellungen für Skandale summierten sich zum Jahresende auf 7,6 Milliarden Euro – davon sind 4,7 Milliarden quasi schon ausgegeben.

Der Löwenanteil wird ins Investmentbanking gebucht, wo die dubiosen Geschäfte in der Vergangenheit auch stattgefunden haben. Deshalb wurde der Gewinn im wichtigen Handelsgeschäft im vergangenen Jahr fast ausradiert. Vor Steuern stand hier noch ein Plus von 16 Millionen Euro zu Buche, im Schlussquartal war es sogar ein Verlust von gut 700 Millionen Euro – obwohl die Märkte gerade zum Jahresende boomten, wovon etwa große Wall-Street-Konkurrenten wie JP Morgan und Goldman Sachs profitierten. In der Unternehmensbank, wo unter anderem die Fusionsberatung liegt, sowie im Privatkundengeschäft verbesserte sich das Ergebnis im Jahresvergleich. Die Vermögensverwaltung rutschte dagegen in die roten Zahlen. Einerseits zogen Kunden in der zweiten Jahreshälfte Milliarden ab, weil sie sich um die Stabilität der Bank sorgten. Hauptgrund waren aber Abschreibungen auf den verkauften Versicherer Abbey Life.

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