Infineon profitiert von Boom bei Chips in Autos

Gute Geschäfte mit Autoherstellern treiben Infineon weiter stark an. Der Konzern rechnet bis Ende März mit einem Umsatzplus zwischen drei und sieben Prozent.

Der Halbleiterhersteller ist dank der hohen Nachfrage nach Chips für Autos, die zum Beispiel für Fahrassistenzsysteme benötigt werden oder die zunehmende Vernetzung ermöglichen, besser als erwartet ins laufende Geschäftsjahr gestartet, berichtet die dpa. Damit konnten die saisonal normalen Rückgänge bei dem Verkauf von Chips für Konsumgüter wie Handys oder Tablets begrenzt werden. Die im Dax notierte Aktie legte deutlich zu und stieg auf den höchsten Stand seit 15 Jahren.

Nach einem guten Auftaktquartal zeigte sich Infineon-Chef Reinhard Ploss am Donnerstag in München zuversichtlich. „In den kommenden Monaten erwarten wir weiteres Wachstum in unseren Märkten, auch die langfristigen Trends stimmen uns zuversichtlich.“

Von den protektionistischen Tendenzen des neuen US-Präsidenten Donald Trump fürchtet Ploss zunächst keine größeren Probleme für Infineon. Auch das Einreiseverbot, das Trump für Bürger aus sieben überwiegend muslimischen Ländern verhängt hatte, habe bisher kaum Auswirkungen auf das Unternehmen gehabt. „Wir gehen davon aus, dass sich das Ganze wieder in normale Bahnen bewegt.“ Grundsätzlich sei ein ungestörter Handel für die globale Wirtschaft von großer Bedeutung, erklärte der Konzernchef.

Der Umsatz sank im ersten Geschäftsquartal 2016/17 im Vergleich zum Vorquartal um zwei Prozent auf knapp 1,65 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag in Neubiberg bei München mitteilte. Das operative Ergebnis fiel um 12 Prozent auf 246 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben mit 161 Millionen Euro 28 Prozent weniger übrig als im Schlussquartal des abgelaufenen Geschäftsjahres 2015/16.

Wegen der stark schwankenden Preise für viele Produkte in der Chipbranche ist ein Vergleich zum Vorquartal sinnvoller als der zum Vorjahr. Experten hatten wegen der saisonalen Effekte bei Produkten für Konsumgüter und im Industriebereich mit niedrigeren Erlösen und Gewinnen gerechnet. Der Konzern rechnet zudem in den drei Monaten bis Ende März mit einem Umsatzplus zwischen drei und sieben Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Die operative Marge soll dabei stabil bleiben.

Beim Blick auf das bis September laufende Geschäftsjahr 2016/17 bestätigte der Konzern seine Prognosen. Beim Umsatz werde im Geschäftsjahr weiter ein Anstieg zwischen vier und acht Prozent in Aussicht gestellt. Die operative Marge werde bei voraussichtlich 16 Prozent und damit etwas höher als im Jahr davor ausfallen.

Grundlage für die Prognose sei ein Eurokurs von 1,10 Dollar. Da der Euro zuletzt deutlich unter dieser Marke stand, hatten einige Analysten auf eine Erhöhung der Prognose spekuliert. An der Börse führte das aber nicht zu einem Stimmungsumschwung bei Infineon-Anlegern. Im Gegenteil: Die Zahlen und der Ausblick sorgen weiter für gute Laune.

Die Aktie baute am Donnerstag ihre jüngsten Gewinne aus. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Aktienkurs um knapp 40 Prozent auf den höchsten Stand seit 15 Jahren. Mit dem Plus ist das Papier zudem einer der größten Gewinner im Dax in den vergangenen Monaten. Befeuert wurde die Rally von guten Zahlen des Unternehmens selbst sowie vieler Konkurrenten.

Zudem gibt es in der Branche derzeit viele Übernahmen wie den 47 Milliarden Dollar teuren Kauf des niederländischen Chiphersteller NXP durch Qualcomm. Aus diesem Grund spekulieren Investoren immer wieder auch auf eine Übernahme des deutschen Konzerns, auch wenn dieser nach dem starken Kursanstieg an der Börse fast 20 Milliarden Euro wert ist.

DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer bleibt optimistisch. „Infineon ist in den am stärksten wachsenden Halbleitersegmenten vertreten“, schrieb er in einer ersten Einschätzung nach den Zahlen. Die Wachstumsraten im Geschäft mit Autoherstellern, Industrie, Sicherheit und dem sogenannten Internet der Dinge lägen deutlich über dem allgemeinen Marktwachstum.

Er empfiehlt daher das Papier trotz der jüngsten Kursrally weiter zum Kauf. Den fairen Wert der Aktie sieht er bei 18,50 Euro und damit noch mal knapp sechs Prozent über dem aktuellen Niveau.

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