Daimler steckt mehr Geld in Forschung und Werke

Die Autobranche steht vor gewaltigen Umbrüchen: Elektroautos, Mitfahrdienste, Roboterautos. Das kostet.

Angesichts des Wandels in der Autobranche nimmt der Autobauer Daimler mehr Geld in die Hand, berichtet die dpa. In diesem und im nächsten Jahr will Daimler jeweils im Schnitt 15,2 Milliarden Euro in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung stecken. 2016 waren es 13,5 Milliarden Euro. «Diese umfangreichen Aufwendungen sind erforderlich, weil die Automobilbranche vor einem fundamentalen Wandel steht», sagte Finanzchef Bodo Uebber am Donnerstag in Stuttgart. Den größten Anstieg gebe es in der Pkw-Sparte – hier sei es tatsächlich so, dass sich die Forschungsausgaben wegen des Trends zu Elektroautos, zum autonomen Fahren und zum Teilen erhöhten.

Daimler hatte im vergangenen Jahr für 2019 den ersten vollelektrischen Stadtgeländewagen der neuen Elektromarke EQ angekündigt. Zehn Milliarden Euro will der Autobauer in den nächsten Jahren in E-Autos investieren. Gleichzeitig forscht Daimler an selbstfahrenden Autos. Erst diese Woche hat der Autobauer eine Vereinbarung mit dem Mitfahrdienst Uber geschlossen, um in einigen Jahren Roboterautos über die Plattform anzubieten. Die Stärke liege in der Kombination dieser Themen, so Daimler-Chef Dieter Zetsche. «Dann kommt das autonome Elektroauto per App zu mir, wenn ich es brauche.»

Zetsche stellte jedoch klar, dass Daimlers Hauptgeschäft auf lange Sicht der Verkauf von Autos bleiben wird. Das Pkw-Geschäft dürfte das Wachstum auch in diesem Jahr stützen. Dennoch plant der Autobauer 2017 vorsichtig – mit einem leichten Absatz- und Umsatzplus und einem leichten Wachstum beim operativen Gewinn. Zum Jahresauftakt verbuchte Daimler schon ein Absatzplus von 17,5 Prozent und verkaufte weltweit 188 116  Fahrzeuge. An der Börse reagierten Anleger angesichts der Vorsicht dennoch enttäuscht, die Aktie gab um drei Prozent nach.

Schon im vergangenen Jahr steigerte der Konzern dank seiner starken Pkw-Sparte den Umsatz um drei Prozent auf 153,3 Milliarden Euro. Das Wachstum bremste die Lkw-Sparte, die unter anderem in Nordamerika und Brasilien schwächelte. Unterm Strich und nach Minderheiten verdiente der Konzern 8,5 Milliarden Euro, nach 8,4 Milliarden Euro im Vorjahr.

Weltweit hatte der Autokonzern im Vorjahr 2,2 Millionen Autos verkauft – ein Plus von knapp 12 Prozent. Im Oberklassesegment überholte Daimler den Rivalen BMW beim Absatz. «Wir gehen ganz klar davon aus, dass wir auch in 2020 die Nase vorn haben werden. Den Beleg werden wir aber erbringen müssen», sagte Daimler-Chef Zetsche. In diesem Jahr rechnet Daimler allerdings nur noch mit einem leichten Plus bei den Verkäufen. Neben einer Überarbeitung des Flaggschiffs S-Klasse stehen neue Modellvarianten und ein neuer kleiner kompakter Geländewagen (SUV) auf dem Plan.

Zu Fragen über die drohende protektionistische Politik von US-Präsident Donald Trump wichen die Manager aus. «Wir stellen uns dann auf Dinge ein, wenn wir sie kennen», sagte Zetsche. «Selbstverständlich sind wir hier bei Daimler überzeugt, dass die ganze Welt von freiem Handel profitiert.» Auf ein mögliches Aus für das nordamerikanisches Freihandelsabkommen Nafta ging er allerdings ebenfalls nicht ein. Die Vorsicht ist verständlich. Bei Daimler laufen nach wie vor Ermittlungen der US-Behörden wegen Abgaswerten. Allerdings geht der Autobauer davon aus, dass sich mögliche steuerpolitische Instrumente der US-Regierung positiv auf die Autonachfrage auswirken könnten. Im vergangenen Jahr waren Daimlers Autoverkäufe in den USA leicht zurückgegangen.

In der Lkw-Sparte dürfte sich der Absatz nach dem Rückgang im vergangenen Jahr stabilisieren. 2016 waren die Verkäufe um knapp 90 000 Einheiten auf 415 100 zurückgegangen. Wichtige Märkte wie Nordamerika, Brasilien und Indonesien schwächelten. In Brasilien rechnen die Stuttgarter mit einer allmählichen Markterholung, allerdings dürfte der Absatz dennoch auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres liegen. Dennoch will der Autobauer in der Sparte die Sparanstrengungen erhöhen und bis Ende 2018 die Kosten um 400 Millionen Euro senken. Ob damit auch Stellen auf dem Spiel stehen, ist bislang noch offen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.