Stahlindustrie: Salzgitter rechnet 2017 mit Millionengewinn

Nach der Stahlkrise 2016 denkt der Rohstoff-Konzern Salzgitter wieder positiver. Nur die wirtschaftlichen Konsequenzen durch die neue US-Politik seien noch ungewiss.

Der Stahlkonzern Salzgitter hält dank Einsparungen und steigenden Rohstoffpreisen einen Gewinnanstieg im laufenden Jahr für möglich. „Was 2017 angeht, halte ich nicht nur die vierte Steigerung des Konzernergebnisses in Folge, sondern auch einen Vorsteuergewinn in dreistelliger Millionenhöhe für nicht ausgeschlossen“, sagte Konzernchef Heinz Jörg Fuhrmann der „Börsen-Zeitung“ vom Samstag. „Aber: Von 2017 sind erst vier Wochen vorüber – und wir werden noch einige Überraschungen erleben.“ Auftragseingang und -bestand seien zufriedenstellend und besser als vor einigen Monaten. Für 2016 hat Salzgitter einen Vorsteuergewinn von 30 bis 60 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Eckdaten für 2016 will Salzgitter am 28. Februar vorlegen.

Positiv stimmen Fuhrmann die höheren Preise für Rohstoffe wie Eisenerz und Koks. Angesichts des Überangebots von Stahl auf dem Weltmarkt könne der Konzern Preiserhöhungen für seine Produkte nur bei steigenden Rohstoffkosten durchsetzen. „Wenn die Kosten sinken, fehlen einem die Argumente – unabhängig von der eigenen Ertragslage“, sagte Fuhrmann. Zudem erwarte der Konzern durch verschiedene Sparprogramme bis 2020 Einsparungen von mehr als 590 Millionen Euro gegenüber 2012.

Große Verwerfungen für seinen Konzern durch die „America-first“-Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump erwartet der Salzgitter-Chef zunächst nicht. Fuhrmann verwies darauf, dass der Stahlmarkt in den USA schon seit Jahrzehnten viel wirksamer geschützt werde als jeder andere Stahlmarkt und die Stahlpreise in den USA seit jeher die höchsten seien. Deutschland exportiere etwa zwei Prozent seines Stahls in die USA. Die Auswirkungen der US-Politik auf die direkten Stahllieferungen dürfe man daher nicht überschätzen. „Wenn aber der Export von stahlintensiven Erzeugnissen wie Autos und Maschinen in die USA tangiert wäre, könnten die indirekten Auswirkungen eine größere Dimension annehmen.“

Salzgitter mache rund 8,5 Prozent seines Umsatzes in den USA, ein Drittel davon in den Salzgitter-Werken im Land selbst. „Es gibt Aktivitäten, die von einem möglichen Infrastrukturprogramm profitieren können“, sagte Fuhrmann. Aber es gebe auch ein begrenztes Risiko für das Unternehmen. „Wir bleiben entspannt und warten ab.“

Allerdings reagiert Salzgitter bereits auf die Kritik von Trump am NAFTA-Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Bis vor kurzem sei ein Ausbau der Produktion in Mexiko attraktiv gewesen. Nach der Amtsübernahme von Trump müsse Salzgitter die Situation neu bewerten. „Glücklicherweise haben wir noch keine Investitionen in Gang gesetzt“, sagte Fuhrmann.

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