Luxusgut Internet: Kanada zeigt Deutschland den Fortschritt

Die kanadische Telekommunikationsbehörde will jedem Bürger Breitband-Internet zugänglich machen – in Deutschland kann man nur davon träumen.

Die kanadische Telekommunikationsaufsicht CRTC will die gesetzliche Grundversorgung der Bürger um eine moderne Option aufstocken, berichtet die AFP.  Momentan ist diese Vorsorge durch ein Vorhandensein von Wasser- und Energieversorgung, Infrastruktur, Postwesen, Telefonanschluss und Gesundheitswesen geregelt. In Kanada sollen die Bürger nun ein Anrecht auf das Internet bekommen – und nicht nur irgendeines: Jeder Anschluss soll mindestens eine Download-Geschwindigkeit von 50 Mbit/s haben und mit mindestens 10 Mbit/s Dateien senden können. Zudem plant die Behörde, jedes WLAN – in privaten Haushalten und entlang der Hauptstraßen – auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. In den Untergrundbahnen größerer Städte wie Montreal ist das bereits möglich.

„Der Zugang zum Breitband-Internet ist eine grundlegende Dienstleistung, auf die alle Kanadier Anspruch haben“, sagte Behördenchef Jean Pierre Blais. Um dieses Ziel in die Wege zu leiten, wolle CRTC einen Fonds einrichten, der in den nächsten fünf Jahren 750 Millionen US-Dollar (538 Millionen Euro) in bestehende Programme der Regierung investiert. Zusätzlich wolle man zudem die Geschwindigkeit der existierenden Verbindungen deutlich erhöhen.

Kanada ist das zweitgrößte Land der Erde und hat 12 Millionen Haushalte sowie eine Million Unternehmen. Die Internet-Fähigkeit solle deshalb ein grundsätzliches Bürgerrecht sein und den Erfolg insbesondere kleinerer Unternehmen stützen. „Hohe Qualität und eine zuverlässige Verbindung sind für die Lebensqualität der Kanadier und Kanadas wirtschaftlichen Wohlstand daher essentiell“, so Blair weiter.

Etwa 82 Prozent dieser Personen besäßen bereits relativ schnelles Internet, aber etwa 18 Prozent seien unterversorgt, so CRTC. Spätestens Ende 2021 sollen 90 Prozent schnelles Internet haben. Der Rest solle innerhalb von 15 Jahren angeschlossen werden.

Kanada hat damit eine Vorreiterrolle inne, zu der Deutschland nur aufschauen kann. Die Telekom ist lediglich verpflichtet, jedem Haushalt einen Telefonanschluss zur Verfügung zu stellen – mehr nicht. Die Bundesregierung fördert den Ausbau zwar, trifft mit diesen Plänen aber auf die Vormachtstellung der Telekom. Diese sieht nämlich den Ausbau der Leitungen nicht durch Glasfasernetze vor, sondern durch die sogenannte Vectoring-Technologie.

„Vectoring ermöglicht durch den Ausgleich von elektromagnetischen Störungen zwischen den Leitungen eine Verdoppelung der Bandbreite“, heißt es auf der Seite der Telekom. „Um diesen Ausgleich zu ermöglichen, muss der Betreiber allerdings die Kontrolle über sämtliche Leitungen am Kabelverzweiger haben. Das bedeute, „andere Betreiber können dort keine eigene Technik installieren“. Die Telekom besitzt nach eigenen Angaben insgesamt rund 330.000 Kabelverzweiger, andere Wettbewerber „haben davon circa 8.200 mit eigenen Leitungen angebunden (2,3 Prozent)“. Wirtschaftsverbände und Mitbewerber protestieren bereits dagegen.

Einige Europaparlamentarier kritisierten zudem, dass diese Technologie für die rasant steigenden Datenmengen bald nicht mehr ausreichen würden. Der Akamai-Bericht „State of the Internet“ zeigt, wie wichtig aber ein effektiver Ausbau ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Während Platz 1 Norwegen einnimmt, liegt Deutschland mit einer durchschnittlichen Verbindungsrate von 13,7 Mbit/s europaweit auf Platz 17 – als eine der wirtschaftlich stärksten Nationen.

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