Trotz Abgas-Skandal: Deutsche Autoindustrie boomt in China

Während der Marktanteil deutscher Autobauer in den USA relativ gering ist, wuchs der Absatz auf dem chinesischen Markt auch im Jahr 2016 an.

China sei Dank: Angetrieben durch ein 13-prozentiges Plus auf dem chinesischen Absatzmarkt konnten die drei deutschen Autokonzerne ihre weltweiten PKW-Verkäufe im vergangenen Jahr insgesamt um fünf Prozent steigern. Außerhalb Chinas ging es allerdings nur um 1,5 Prozent aufwärts. Entsprechend stark ist die Bedeutung Chinas für die deutsche Autoindustrie gestiegen: Gut ein Drittel (34 Prozent) des weltweiten PKW-Absatzes von Volkswagen, BMW und Daimler entfällt auf China. Ein Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 30 Prozent, vor fünf Jahren bei 22 Prozent.

Vor allem beim Volkswagenkonzern hängt viel vom Absatz in China ab: Fast vier von zehn weltweit verkauften Autos (39 Prozent) werden an chinesische Kunden ausgeliefert. Bei BMW und Daimler beträgt der Anteil jeweils 22 Prozent.

Seit dem Jahr 2009 konnten die drei deutschen Autokonzerne ihren Absatz in China mehr als verdreifachen: von 1,6 auf 5 Millionen PKW. Im gleichen Zeitraum stieg der Absatz der Unternehmen außerhalb Chinas „nur“ um 37 Prozent.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungsgesellschaft EY, für die die weltweiten PKW-Verkäufe der Automobilkonzerne analysiert wurden.

„Der chinesische Markt hat 2016 nach einem schwachen Vorjahr wieder einen Gang hochgeschaltet, der Absatz von Neuwagen stieg um 18 Prozent“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Dafür waren allerdings vor allem staatliche Steuergeschenke für kleinere Modelle verantwortlich, von denen auch die deutschen Autobauer kräftig profitierten. Denen verhalf der China-Boom nämlich zu einem weltweiten Absatzplus von immerhin fünf Prozent, während es außerhalb Chinas nur sehr langsam aufwärts ging“.

Im Vorjahr hatten die drei deutschen Autokonzerne in China noch einen kräftigen Dämpfer erhalten: Der Absatz war um ein Prozent geschrumpft, der Gesamtmarkt war immerhin noch um zehn Prozent gewachsen. Entsprechend stark sank der Marktanteil deutscher Fabrikate im Jahr 2015: von 24,1 auf 21,9 Prozent.

Trotz des starken Wachstums um 13 Prozent im vergangenen Jahr verloren die drei deutschen Autokonzerne auch 2016 beim Marktanteil weiter leicht an Boden: Zusammen kamen sie auf einen Marktanteil von 21,1 Prozent – im bisher besten Jahr 2012 war mit einem Anteil von 25,3 Prozent noch mehr als jeder vierte Neuwagen auf Chinas Straßen ein deutsches Modell.

Daimler mit dem stärksten Wachstum in China

Mit einem Absatzwachstum von 28 Prozent verzeichnete die Mercedes Benz Group im vergangenen Jahr das stärkste Wachstum der drei deutschen Autokonzerne in China, gefolgt von Volkswagen (plus 12 Prozent) und BMW (plus 11 Prozent). Noch wesentlich höhere Wachstumsraten fuhren allerdings chinesische Autobauer ein, die besonders stark im Segment der kleineren SUV vertreten sind und so besonders von den Steuererleichterungen profitierten. Sie legten in den ersten zehn Monaten des Jahres um 20 Prozent zu, während ausländische Marken nur ein Absatzwachstum von 12 Prozent verzeichneten.

„Das Jahr 2015 hatte die deutsche Automobilindustrie in China auf den Boden der Tatsachen zurück geholt, 2016 war nur dank staatlicher Steuergeschenke wieder ein sehr gutes Jahr“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Der chinesische Markt ist in Wirklichkeit deutlich weniger stark, als die hohen Wachstumsraten des vergangenen Jahres suggerieren.“ Für 2017 ist Fuß zurückhaltend: „Zwar hat die chinesische Regierung die Steuererleichterungen nicht – wie ursprünglich geplant – abgeschafft, sondern nur halbiert. Zu groß war offensichtlich die Sorge vor einem Absturz“. Dennoch rechnet Fuß mit einer deutlich schwächeren Dynamik in diesem Jahr: „Ein Wachstum von fünf Prozent wäre schon sehr gut. Im ersten Quartal könnte es sogar zu Rückgängen kommen, weil es Ende letzten Jahres zahlreiche vorgezogene Käufe gab“.

In jedem Fall seien die Zeiten des ungebremsten Wachstums in China vorbei, der Markt normalisiere sich weiter, und gerade ausländische Anbieter hätten es in China inzwischen deutlich schwerer als früher, so Fuß. So habe China ohne Vorankündigung ab dem 01.12.2016 eine Sondersteuer auf Luxusautos eingeführt, was vor die deutschen Premiumanbieter besonders hart treffe.

Absatzmarkt China bleibt attraktiv

Dennoch bleibe China ein Zukunftsmarkt, betont Fuß: „Noch immer besitzen verhältnismäßig wenige Chinesen ein Auto – auch im Vergleich zu anderen Schwellenländern“. Im vergangenen Jahr ist die Motorisierungsrate – also die Zahl der PKW je 100 Einwohner – in China nach EY-Berechnungen von 9,2 auf 10,7 gestiegen. Zum Vergleich: In Deutschland lag sie Ende 2016 bei 55,8 – also mehr als fünfmal so hoch. Aber auch in Brasilien und in Russland ist die PKW-Dichte mit 15 bzw. 26 PKW auf 100 Einwohner deutlich höher als in China.

Der chinesische Absatzmarkt habe also noch erhebliches Potenzial, so Fuß: „Der Wohlstand steigt, die Mittelschicht ist so statusbewusst wie eh und je, und Autos ‚Made in Germany‘ haben dort immer noch einen guten Ruf.“ Angesichts der schwierigen Situation in den USA, wo die deutschen Autobauer nur einen sehr niedrigen Marktanteil haben, und angesichts des geringen Wachstumspotenzials in Europa bleibe China für die deutsche Autobranche der Markt, der die größten Wachstumschancen biete.

China hat im vergangenen Jahr seine Position als wichtigster Automarkt der Welt weiter ausgebaut. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Anteil Chinas am weltweiten Neuwagenmarkt mehr als verdreifacht – von zehn auf aktuell 34 Prozent. Im gleichen Zeitraum ging der Marktanteil Europas von 34 auf 22 Prozent deutlich zurück.

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