EU erwartet steigende Arbeitslosigkeit in Österreich

Während die Arbeitslosigkeit in der Eurozone sinkt, spielt Österreich den Ausreißer nach unten - bleibt jedoch weit unter dem Durchschnitt der Eurozone.

Nachdem sie den globalen Herausforderungen im vergangenen Jahr erfolgreich widerstanden hat, soll sich die wirtschaftliche Erholung in Europa auch in diesem und im kommenden Jahr fortsetzen: Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren soll die Wirtschaft in allen EU-Mitgliedstaaten über den gesamten Prognosezeitraum (2016-2018) wachsen. Doch sind diese Aussichten mit ungewohnt großer Unsicherheit behaftet.

In ihrer vorgelegten Winterprognose geht die EU-Kommission für die Jahre 2017 und 2018 von einem BIP-Wachstum im Eurogebiet von 1,6 Prozent bzw. 1,8 Prozent aus. Dies stellt gegenüber der Herbstprognose (2017: 1,5 Prozent, 2018: 1,7 Prozent) eine leichte Aufwärtskorrektur dar, die auf die unerwartet gute Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2016 und den recht robusten Jahresbeginn 2017 zurückzuführen ist. In der EU insgesamt dürfte das BIP-Wachstum einem ähnlichen Muster folgen und der Prognose zufolge im laufenden wie im kommenden Jahr bei 1,8 Prozent liegen.

Auch Österreich liegt mit einem Wachstum von 1,6 Prozent in der Prognose der EU-Kommission. Während jedoch bei allen Mitgliedsstaaten eine gleichmäßig sinkende Arbeitslosigkeit erwartet wird, ist Österreich in dieser Sparte ein Ausreißer: Der Stand 2016 mit 6,0 Prozent solle sich demnach 2018 auf 6,2 Prozent entwickeln. Grund dafür könne ein gestiegenes Angebot von Arbeitskräften durch die Flüchtlingskrise sein, so die EU-Kommission. Nur Estland reißt mit einer Entwicklung von 6,9 auf 8,7 Prozent noch weiter aus.

Die Erwerbslosenquote im Eurogebiet soll weiter zurückgehen und sich von 10,0 Prozent im Jahr 2016 auf 9,6 Prozent im laufenden Jahr und 9,1 Prozent im Jahr 2018 abschwächen. Für die EU insgesamt wird mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit von 8,5 Prozent im Jahr 2016 auf 8,1 Prozent im Jahr 2016 und 7,8 Prozent im Jahr 2018 gerechnet. Damit hat die Arbeitslosigkeit den niedrigsten Stand seit 2009 erreicht, bleibt aber weiterhin über dem Vorkrisenniveau. Damit liegt Österreich noch weit unter dem Durchschnitt der Eurozone.

Inflation dürfte ansteigen

Mit dem jüngsten Anstieg der Energiepreise hat auch die Inflation im Eurogebiet angezogen. Nachdem die Inflation in den vergangenen zwei Jahren ausgesprochen niedrig war, wird nun für das laufende und das kommende Jahr ein Inflationsanstieg prognostiziert, wenngleich das als Preisstabilität definiert Ziel einer Inflation von „mittelfristig unter, aber nahe 2 Prozent“ auch weiterhin nicht erreicht wird. Die Kerninflation, bei der die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise unberücksichtigt bleiben, soll nur allmählich ansteigen. Alles in allem wird erwartet, dass sich die Inflation in Österreich von 1,0 Prozent im Jahr 2016 auf 1,8 Prozent im Jahr 2017 und 1,6 Prozent im Jahr 2018 erhöhen wird. In der EU insgesamt soll sie von 0,3 Prozent im Jahr 2016 auf 1,8 Prozent im Jahr 2017 und 1,7 Prozent im Jahr 2018 ansteigen.

Binnennachfrage weiterhin wichtigster Wachstumsmotor

Gestützt auf die anhaltende Verbesserung der Beschäftigungslage und den Anstieg des Nominallohnwachstums soll der private Verbrauch auch weiterhin der Hauptwachstumsmotor bleiben. Angesichts der steigenden Inflation, die dem Wachstum der Kaufkraft der privaten Haushalte im laufenden und kommenden Jahr Grenzen setzen wird, dürfte sich das Wachstum des privaten Verbrauchs allerdings abschwächen.

Bedingt durch eine Reihe von Faktoren, wie die ausgesprochen niedrigen Finanzierungskosten und die anziehende Weltwirtschaft, wird für die Investitionen auch weiterhin ein moderater Anstieg prognostiziert. Zunehmend gestützt werden dürften die privaten und öffentlichen Investitionen durch die im Rahmen der Investitionsoffensive für Europa finanzierten Projekte, da diese allmählich von der Bewilligungs- in die Implementierungsphase übergehen. Der Prognose zufolge sollen die Investitionen in Österreich im laufenden Jahr um insgesamt 2,4 Prozent und 2018 um 2,0 Prozent (in der EU um 2,9 Prozent bzw. 3,1 Prozent) ansteigen. Allerdings bleibt die Investitionsquote nach wie vor deutlich unter ihrem Stand zur Jahrhundertwende. Diese anhaltende Investitionsschwäche lässt Zweifel an der Nachhaltigkeit der Erholung und dem Wachstumspotenzial der Wirtschaft aufkommen.

Staatsverschuldung und öffentliche Defizite gehen zurück

Sowohl das aggregierte öffentliche Defizit des Euroraums als auch seine Schuldenquote werden 2017 und 2018 voraussichtlich weiter zurückgehen. Beim öffentlichen Defizit in Österreich wird ein Rückgang von 1,4 Prozent des BIP im letzten Jahr auf 0,9 Prozent in den Jahren 2017 und 2018 erwartet. Dieser Rückgang ist auf die geringeren Zinsausgaben aufgrund der außergewöhnlichen Niedrigzinsen zurückzuführen. Außerdem spiegelt er weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt wider: Mehr Menschen zahlen Steuern und Abgaben, weniger erhalten soziale Transferleistungen. Die Schuldenquote wird voraussichtlich von 93,5 Prozent im Jahr 2016 allmählich auf 79,3 Prozent im Jahr 2018 zurückgehen. Auch hier liegt Österreich erneut unter dem EU-Durchschnitt.

In allen Mitgliedstaaten wächst die Wirtschaft

Zum ersten Mal seit 2008 wird in der Kommissionsprognose davon ausgegangen, dass im gesamten Prognosezeitraum (2016-2018) in allen EU-Mitgliedstaaten die Wirtschaft wachsen wird. Selbst die Mitgliedstaaten, die am stärksten unter der Rezession gelitten haben, dürften im vergangenen Jahr erneut Wachstum verzeichnet haben. Allerdings könnten die Aufwertung des US-Dollar und höhere langfristige Zinsen die Unterschiede zwischen den Wachstumsraten der einzelnen Mitgliedstaaten vergrößern.

Winterprognose mit außerordentlich hohen Risiken behaftet

Da noch nicht ganz klar ist, welchen Weg die neue amerikanische Regierung in zentralen Politikbereichen einschlagen will, in diesem Jahr in Europa zahlreiche Wahlen stattfinden und die Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich im Rahmen des Artikels 50 bevorstehen, ist die diesjährige Winterprognose mit außergewöhnlich großer Unsicherheit verbunden.

Auch wenn sowohl die Aufwärts- als auch die Abwärtsrisiken zugenommen haben, dominieren doch weiterhin die Abwärtsrisiken. Kurzfristig könnte sich der Konjunkturimpuls in den Vereinigten Staaten stärker auf das Wachstum auswirken als derzeit erwartet. Mittelfristig stellen die Spätfolgen der jüngsten Krisen, das im Vereinigten Königreich durchgeführte Referendum zum Austritt aus der Europäischen Union, die möglichen Störungen des Handels, eine schnellere Verschärfung der Geldpolitik in den Vereinigten Staaten und die damit möglicherweise einhergehenden schädlichen Auswirkungen auf die Wirtschaft von Schwellenländern wie auch die möglichen Folgen des hohen und weiter wachsenden Schuldenstands Chinas ein Risiko für die Wachstumsaussichten dar.

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