China plant mehr Einfluss im deutschen Finanzsektor

Ein chinesischer Investor ist am Verkauf der Postbank interessiert. Noch-Inhaber Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Die Deutsche-Bank-Tochter Postbank ist Finanzkreisen zufolge weiter im Visier von Schnäppchenjägern. Der chinesische Immobilienentwickler Dalian Wanda sei einer der potentiellen Interessenten, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Es gebe mit Wanda aber noch keinerlei konkrete Gespräche. Grundsätzlich sei die Deutsche Bank nicht bereit, die Postbank unter Buchwert zu verkaufen. Denn sie wolle Abschreibungen vermeiden, um ihre ohnehin nicht üppige Kapitaldecke zu schonen. Deshalb sei eine Re-Integration der Postbank im Moment die wahrscheinlichere Option. Aber auch hier gebe es noch keine Entscheidung. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Zuerst hatte die „Financial Times“ (FT) über das Interesse der Wanda Group berichtet. Der Zeitung zufolge hält das Unternehmen schon länger nach Übernahmezielen in Europa Ausschau. Die Postbank wäre demnach die erste Investition der Chinesen in den klassischen Finanzsektor. In den vergangenen Jahren habe die Gruppe Unternehmen aus allen möglichen Branchen zusammengekauft, darunter Kinos in den USA und einen italienischen Jacht-Hersteller. Auch die „FT“ schrieb, Wanda sei noch nicht offiziell an die Deutsche Bank herangetreten. Die Wanda Group erklärte ihrerseits, der Bericht sei ungenau. Es habe keinen Kontakt zwischen Wanda und der Postbank gegeben.

Die Deutsche Bank hatte sich zuletzt auf eine Trennung von ihrer Tochter nicht mehr festlegen wollen. „Die Postbank steht zum Verkauf, aber der Preis muss stimmen“, hatte Privatkunden-Vorstand Christian Sewing erklärt. Damit eine Trennung sinnvoll sei, müsse sie sich positiv auf die Kapitalausstattung der Deutschen Bank auswirken. 2016 wäre ein Verkauf unter diesen Bedingungen nicht möglich gewesen. „Und ich bin mir nicht sicher, ob das 2017 der Fall sein wird.“

Sollte sich die Bank am Ende tatsächlich dazu entschließen, die gerade erst entflochtene Postbank voll in den Konzern zu integrieren, würde das jedoch abermals viel Geld kosten. Gewerkschafter befürchten den Abbau tausender Jobs, vor allem in der Bonner Zentrale, die es dann nicht mehr geben würde. Klarheit soll es mit der Strategie-Entscheidung im Frühjahr geben. Für sämtliche Sparten spielt die Deutsche Bank derzeit mehrere Szenarien durch, wie Insider berichten.

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