Kölsch und Alt: Absatzboom nur an den tollen Tagen

An den Karnevalstagen fließen Kölsch und Alt in Strömen. Über das ganze Jahr gerechnet geht es den Brauereien aus Köln, Düsseldorf und vom Niederrhein aber schon lange nicht mehr so gut.

Alaaf und Helau: Im Kölner und Düsseldorfer Karnevalstreiben fließen die Regionalbiere Kölsch und Alt jedes Jahr in Strömen, so die dpa. Allein 50 Millionen Glas Kölsch gehen an den wenigen Karnevalstagen über die Theke, schätzt Christian Kerner, Geschäftsführer des Kölner Brauerei-Verbands – ein kräftiger Ausschlag nach oben in der Absatzkurve. An den generellen Problemen der Branche ändert das aber nichts: Die Kölsch- und Altbrauer verzeichnen insgesamt seit Jahren deutliche Rückgänge – allein von 2015 bis 2016 laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen um 3,4 Prozent beim Kölsch und 6,1 Prozent beim Alt.

Die Gründe für den Rückgang sehen Experten teils in den Rahmenbedingungen, die seit Jahren auch den Bierabsatz insgesamt drücken: Mehr Gesundheitsbewusstsein und damit Zurückhaltung beim Alkohol sowie strengere Vorgaben am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr.

Beim Kölsch und Alt verläuft die Entwicklung aber unterschiedlich: Das Alt schrumpft deutlich stärker. So brach der Absatz beim Marktführer Diebels Alt nach Angaben des Fachmagazins Inside Getränke innerhalb von 15 Jahren von 1,6 Millionen auf knapp 350 000 Hektoliter (2016) ein. Überregionale Altbierbrauereien wie Hannen Alt, die einst über eine Million Hektoliter pro Jahr ausstießen, schrumpften fast auf Hausbrauereiniveau: Zusammen mit Gatzweiler setzte Hannen 2015 nach Angaben des Fachmagazins «Brauwelt» nur noch rund 40 000 Hektoliter ab. Längst gehören beide Brauereien zum internationalen Carlsberg-Konzern.

Sehr viel robuster hält sich dagegen Kölsch: Die heimatverliebten Kölner halten auch beim Trinken ihrem Bier die Treue: «Mir drinke Kölsch und schwaade Kölsch» («Wir trinken und reden Kölsch»), fasst es «Haus Kölscher Brautradition» zusammen. Vier von fünf Gläsern Bier, die in Köln an der Theke getrunken werden, enthielten Kölsch. Auch einschließlich des Kastenverkaufs im Handel komme Kölsch noch auf über 60 Prozent.

Im «Haus Kölscher Brautradition», das zum Radeberger-Konzern zählt, sind die fünf Brauereien Sion, Sester, Peters, Dom und Gilden zusammengefasst. Insgesamt belegen sie Platz 2 im Absatz mit rund 530 000 Hektolitern 2015. Marktführer mit über 600 000 Hektolitern ist die Reissdorf-Privatbrauerei, die sich als eine der wenigen großen Brauereien auch ihre Unabhängigkeit bewahren konnte. Insgesamt kamen die Kölsch-Brauereien 2015 auf über zwei Millionen Hektoliter Ausstoß – gut doppelt so viel wie beim Alt.

«Es scheint, dass der Lokalbezug bei Altbier-Brauereien nicht so ausgeprägt ist», sagt Branchen-Analystin Ina Verstl. Die Alt-Brauer seien eine heterogene Gruppe mit Standorten in Issum, Krefeld, Mönchengladbach und Düsseldorf. Als Erfolgsrezept der Kölner Brauer sieht sie dagegen, dass sie sich «nach außen einheitlich präsentieren und Lokalpatriotismus vermitteln». Kölsch muss schließlich in Köln und einigen Vororten gebraut werden – sonst darf es den Namen nicht tragen. Für das Alt wäre die Gründung eines Düsseldorfer Altbier-Verbands ein Schritt in die richtige Richtung, um sich als eine einheitliche Marke zu präsentieren, empfiehlt Verstl.

Die Absatz-Angaben beruhen oft auf Branchenschätzungen, weil sich die Brauereien angesichts des harten Konkurrenzkampfes mit genauen Informationen zurückhalten. Dem Marktforschungsunternehmen Nielsen zufolge können die großen Kölschbrauereien dabei etwas höhere Preise am Markt durchsetzen als die Pils-Konkurrenz: «Die Rabattaktionen im Handel sind beim Kölsch nicht ganz so brachial», sagt Getränke-Experte Niklas Other, Herausgeber von «Inside Getränke».

Beim Alt werde aber auch durchaus Geld verdient – vor allem bei Hausbrauereien wie Füchschen, Uerige oder Schumacher, die in Düsseldorf eine treue Fangemeinde haben. «Das Alt wird deshalb nicht vom Markt verschwinden, auch wenn es in den nächsten Jahren noch weiter schrumpft», prognostiziert der Fachmann.

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