Deutsche Unternehmen ziehen Rekordinvestitionen an

Deutschland hat 2016 so viele ausländische Investoren angezogen wie noch nie.

Allein 201 Ansiedlungen erfasste die für das Standortmarketing der Bundesrepublik zuständige Gesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) – ein Viertel mehr als im Jahr zuvor. „Das ist ein neuer Rekordwert“, sagte dessen Managing Director Achim Hartig der Nachrichtenagentur Reuters. „Damit setzt sich der 2013 begonnene Aufwärtstrend fort.“ Fast 3700 Arbeitsplätze wurden so geschaffen. Beliebteste Standorte sind Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Die meisten Investoren kamen erneut aus China: Sie verwirklichten 26 Projekte – von Neuansiedlungen auf der grünen Wiese über Erweiterungen bis zu Standortwechseln. „Die Chinesen investieren neben Vertriebsaktivitäten besonders in den Bereichen Forschung & Entwicklung, aber auch in Dienstleistungen“, sagte der GTAI-Experte. Auf Platz zwei folgt Frankreich (20) vor den USA (19), Japan (17) und der Türkei (12). „Etwa 50 Prozent der Investoren testen den deutschen Markt zunächst mit Vertriebsbüros“,  sagte Hartig. „Der andere Hälfte baut Produktions- oder Dienstleistungsstandorte auf.“ Besonders in den Bereichen Digitalisierung, Energie und Umwelt sei Deutschland als Standort gefragt.

In der Statistik noch nicht enthalten sind die Ansiedlungen, die mit Hilfe der Fördergesellschaften der einzelnen Bundesländern abgewickelt wurden. Diese Daten werden erst später ausgewertet. „Es zeichnet sich aber auch hier eine Bestmarke ab“, sagte Hartig. „Besonders die hohe Rechtssicherheit gibt für viele Investoren in politischen unruhigen Zeiten den Ausschlag, nach Deutschland zu kommen.“

2015 wurden mehr als 1900 Ansiedlungsprojekte angestoßen, fast 60 Prozent mehr als im alten Rekordjahr 2014. Die Unternehmen investierten demnach 6,2 Milliarden Euro und schufen mindestens 30.000 Arbeitsplätze.

Auch in Sache Private-Equity-Investments konnte Deutschland sich im Gegensatz zu vielen anderen Regionen als beliebtes Ziel im vergangenen Jahr hervortun. Die Private Equity Fonds sitzen Milliarden Dollar, die sie noch nicht investiert haben. Im vergangenen Jahr sind die neuen Beteiligungen weltweit um 23 Prozent gesunken. Zwar gingen auch in Deutschland die Deals leicht zurück, doch der Gesamtwert der Deals stieg um 82 Prozent auf etwa 26 Milliarden Dollar. Den größten Deal tätigte Carlyle. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres übernahm sie den Berliner Spezialchemieanbieter Atotech für 3,2 Milliarden Euro.

Durch die zurückgegangenen Investitionen „verfügte die Branche Ende 2016 über rund 1,5 Billionen US-Dollar nicht investiertes Kapital – so viel wie noch nie“, heißt es in dem Bericht von Bain & Company. „Ein Drittel davon steht für Leveraged-Buyout- (LBO)Transaktionen bereit. „Der Anlagedruck ist enorm, zumal Unternehmen mit starken Bilanzen und tiefen Taschen zusätzlich die Konkurrenz anfachen.“ Infolge dieses Wettbewerbs mit strategischen Investoren lägen die Bewertungen in den USA und in Europa auf Rekordhöhe. Dadurch wiederum befinde sich die Branche in einem Dilemma. „Je höher die Bewertung beim Einstieg, desto schwieriger wird es für Private-Equity- Fonds, die Renditeerwartungen ihrer Investoren zu erfüllen“, so Rolf-Magnus Weddigen, Leiter der Private-Equity- Praxisgruppe von Bain & Company im deutschsprachigen Raum.

Bei den Exits konnte sich der deutschsprachige Raum dem Bericht zufolge nicht vom globalen Trend abkoppeln. Zahl und Volumen sanken deutlich. „Weltweit reduzierte sich das Volumen der Beteiligungsverkäufe von Buyout-Fonds um 23 Prozent auf 328 Milliarden US-Dollar.“ Dies nach Weddingens Auffassung aber nicht verwunderlich. „2016 war das viertbeste Jahr aller Zeiten für Exits. Die Rekordgrößen in den Vorjahren sind eine Folge des außergewöhnlich hohen Volumens an Beteiligungskäufen kurz vor der Finanzkrise gewesen.“ Nun habe die PE-Branche ihre hohen Investitionen aus den Jahren 2006 und 2007 realisiert.

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  1. Toddi sagt:

    Sehr schöner Bericht… da bleibt die Frage noch offen…wohin mit meinem offshore Geld.Das Offshore-System erschwert die Regulierungsbemühungen der Staaten, weil es als Fluchtburg dient, wenn nationale oder auch internationale Regelungen dem Kapital missfallen. Es zersetzt auch mehr und mehr die reale „Onshore-Wirtschaft“. Die Offshorewelt ist die von Piraten, die die Festländer erpressen. Dazu gibt es viele Instrumente. Ein Unternehmen nimmt z. B. einen Offshore-Kredit auf, die Kosten dafür mindern im Inland die Steuern. Private Equity Firmen gelingt es so, Unternehmensübernahmen mit Kredit zu finanzieren, die Schulden den übernommenen Opfern aufzubürden und die Gewinne aus der Finanzierung offshore und anonym zu kassieren – im Fachjargon ein „leveraged buyout“ (eine mit Fremdkapital gehebelte Firmenübernahme).Fast 90 Prozent aller internationalen Kredite werden von Offshore-Banken vergeben. Sie sind das, was in der öffentlichen Diskussion immer ehrfurchtsvoll mit „Die Märkte“ umschrieben wird. Alle Welt zittert vor ihnen. Unsere Politiker und ihre Berater bekunden immer wieder untertänig, dass wir diese „Märkte“ nicht verunsichern dürfen. (Auszug W. Berger Wissensmanufaktur)
    Diese Situation erleben wir gerade in der BRD. Weitere Hintergrund Infos bez. des oben gen. Bericht unter..Global Financial Integrity“ in Washington siehe web.
    Wie sagt ein eurasisches Volksweisheit „Für den Irren ist jeder Tag ein Fest!“, so laßt uns unsere Märkte weiterfeiern…
    Gruß aus der Anstalt
    toddi