Österreichs Industrie erwartet gutes Geschäftsjahr

Die Stimmung in der Industrie ist sehr gut. Lediglich die gestiegenen Einkaufspreise trüben das Bild

Zu Beginn des Jahres ist die Zuversicht in der Industrie noch einmal gestiegen. Nachdem der Einkaufsmanager-Index im Januar mit 57,3 Zählern ein 6-Jahres-Hoch erreicht hat, blieb er mit 57,2 Zählern im Februar weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Im Oktober lag der Index noch bei 53,9 Punkten. Ab dem Wert von 50 Zählern spricht man von einem Wachstum.

„Auch wenn gegenüber Jänner das Tempo des Aufschwungs etwas nachgelassen hat, die Industriekonjunktur läuft ausgezeichnet“, sagt Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Besonders positiv wirkt sich derzeit die Entwicklung im Neugeschäft aus. Nicht nur aus Europa, auch aus den USA und dem asiatischen Raum kamen mehr neue Aufträge. Davon waren sowohl die Vorleistungsgüter als auch die Investitions- und Konsumgüter betroffen.

„Aufgrund der anhaltend starken Nachfrage sowohl aus dem In- als auch dem Ausland haben die österreichischen Industrieunternehmen im Februar die Produktion wieder sehr stark ausgeweitet“, so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. So erreichte beispielsweise der spezifischere Produktionsindex 59,1 Punkte im Februar.

„Die Aussichten für die heimische Industrie sind weiterhin sehr günstig, zumal sich das internationale Umfeld verbessert hat“, sagt Pudschedl. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die Eurozone liegt derzeit bei 55,5 Punkten, der deutschen Indikator bei 57 Punkten. Das wirkt sich auch positiv auf die Nachfrage in Österreich aus. Dementsprechend ist der Index für die Produktionserwartung mit 67,8 Punkten sehr nah am Allzeithoch. Aus heutiger Sicht könnte Bruckbauer zufolge die Industrieproduktion 2017 erstmals nach 2011 wieder über 3 Prozent liegen.

Entscheidend ist hier jedoch die Entwicklung der Erzeugerpreise. So stieg der Erzeugerpreisindex für das Produzierende Gewerbe im Jänner dem nationalen Statistikamt zufolge um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Ein Blick auf das leichte Plus der Erzeugerpreise von 0,8 Prozent im Dezember des vergangenen Jahres zeigt hier eine deutliche Beschleunigung.

Die Ursachen für die gestiegenen Erzeugerpreise liegen vor allem in den Preissteigerungen bei Energie (+4,6 Prozent) und Vorleistungsgütern (+1,6 Prozent). Auch die Preise im Bereich der chemischen Industrie verzeichneten im Jänner 2017 einen Aufwärtstrend. Die Preise für „chemische Grundstoffe, Düngemittel und Stickstoffverbindungen, Kunststoffe in Primärform und synthetischen Kautschuk in Primärform“ sowie für „sonstige chemische Erzeugnisse“ konnten jeweils um 3,8 Prozent zulegen, so Statistik Austria.

Unter diesen Vorzeichen sind möglicherweise auch die eher zurückhaltenden Konjunkturprognosen von WIFO und IHS. Mit dem Auslaufen der Steuerreformeffekte ab Mitte 2017, dem prognostizierten Anstieg der Inflation durch steigende Rohstoffpreise und der steigenden Arbeitslosenquote trotz Beschäftigungsexpansion werde sich aber das Wirtschaftswachstum geringfügig bis 2018 verlangsamen. „Aus Sicht der Wirtschaft muss die weitere Ankurbelung der Investitionen daher das Top-Thema bleiben. Hier erwarten wir uns nach der Investitionszuwachsprämie zusätzliche Maßnahmen, die dazu führen, dass der heimische Standort wieder an Attraktivität gewinnt“, so Leitl.

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