Schweizer Maschinen- und Metallindustrie in der Krise

Trotz steigender Aufträge und leichtem Umsatzplus haben vieler Firmen 2016 rote Zahlen geschrieben

Die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) konnte 2016 ein etwas besseres Jahr verzeichnen als noch 2015, doch die Situation ist weiter kritisch. So sind beispielsweise die Auftragseingänge gegenüber dem schlechten Jahr 2015 um 9,5 Prozent gestiegen. Die Umsätze der Branche sind jedoch insgesamt um 1,8 Prozent gesunken, wie der aktuelle Bericht des Branchenverbandes Swissmem zeigt.

Entsprechend beunruhigend ist die Ertragslage der Unternehmen. Einer Umfrage zufolge fanden sich fast ein Viertel der MEM-Firmen im vergangenen Jahr auf Stufe EBIT in einer Verlustzone. Lediglich 34 Prozent erreichten „eine positive, aber letztlich unbefriedigende EBIT-Marge von weniger als fünf Prozent.“ 2014 befanden sich lediglich sieben Prozent der Firmen in einer Verlustzone und der Anteil der Firmen, deren EBIT-Marge nur zwischen 0 und 5 lag war mit 23 auch deutlich geringer.

„Diese Zahlen sind beunruhigend“, sagt Swissmem-Präsident Hans Hess. „Unter dem Strich konnten 57 Prozent der Unternehmen zwei Jahre nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses keine oder nur ungenügende Margen erwirtschaften, die sie in die Zukunft investieren könnten.“ Entsprechend sank die Zahl der Beschäftigten im Sektor.

Entsprechend wirkt sich die Entwicklung auf den Wirtschaftsstandort Schweiz aus. Wie die Swiss Manufacturing Survey der Universität St. Gallen zuletzt zeigte, überlegen immerhin 46 Prozent Teile oder als Ganzes die Produktion ins Ausland zu verlagern.

Nicht nur für die MEM-Industrie wird die Schweiz unattraktiver. Auch viele multinationale Unternehmen sehen den Schweizer Wirtschaftsstandort in Gefahr. Einer der Hauptgründe für die Ansiedlung von multinationalen Konzernen in der Schweiz ist laut einer Publikation von KPMG das Steuerregime, berichtet die Bilanz. Doch nur noch 42 Prozent der rund 850 befragten internationalen Unternehmen gaben an, dass das Schweizer Steuersystem auch in Zukunft einen wichtigen Standortvorteil darstellen wird. Das sieht die MEM-Branche ähnlich: „Die Ablehnung der USR III, wovon insbesondere auch die innovationsstarken KMU der MEM-Industrie profitiert hätten, ist eine verpasste Chance“, so Swissmem.

Nur 47 Prozent der multinationalen Konzerne glauben zudem, dass die Schweiz den Wettbewerbsvorteil eines liberalen Arbeitsrechts in den nächsten drei Jahren noch behalten kann. Fast 30 Prozent gaben sogar an, dass zunehmende Regulierung der Arbeitsverhältnisse die Geschäftstätigkeit in der Schweiz in Zukunft erschweren werde. Und fast die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass sich dieser kostenseitige Nachteil durch den starken Schweizer Franken verschärft.

Eine weitere positive Entwicklung des vergangenen Jahres macht jedoch Hoffnung. Mit einem Mini-Plus von 0,1 Prozent konnte zumindest der Exportrückgang der MEM-Industrie vorerst gestoppt werden. Vor allem Präzisionsinstrumente, Metalle und Elektrotechnik erhielten hier Rückenwind. Die Exporte im Maschinenbau waren um 0,8 Prozent rückläufig.

Mit einem Exportanteil von 59,3 Prozent war die EU im vergangenen Jahr der wichtigste Absatzmarkt für die Branche. Dieser wuchs um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ausfuhren in die USA stiegen ebenfalls (+2,1 Prozent). Die Exporte nach Asien brachen allerdings um 5,4 Prozent ein. Dennoch rechnet nicht einmal jedes zweite KMU der Branche für 2017 mit einem Auftragsplus aus dem Ausland.

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