Schlecker: Nach der Firmenpleite beginnt der Prozess

Anton Schlecker muss sich vor Gericht wegen Insolvenzverschleppung verantworten. Nach der Pleite der Drogeriemarktkette hatten 25.000 Menschen ihren Job verloren.

Anton Schlecker scheut die Öffentlichkeit – doch am Montag steht dem einstigen Drogeriemarktkönig ein viel beachteter Gang in den Gerichtssaal bevor. Schlecker, seine Frau und ihre beiden Kinder müssen sich dann vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Der Unternehmensgründer soll im Zusammenhang mit der Firmeninsolvenz Vermögen beiseite geschafft haben. Vor fünf Jahren hatten die Schlecker-Pleite und der Verlust tausender Arbeitsplätze Deutschland erschüttert.

Dabei war der heute 72-jährige Anton Schlecker einst ein Firmenpatriarch, der aus dem Nichts ein Imperium mit tausenden Filialen und Mitarbeitern geschaffen hatte. Nachdem er zunächst in den Metzgereibetrieb seiner Eltern eingestiegen war, eröffnete er 1975 im schwäbischen Kirchheim/Teck den ersten Schlecker-Drogeriemarkt. Danach ging es rasant aufwärts: Zwei Jahre später waren es schon 100 Märkte, nach neun Jahren eröffnete die 1000. Filiale.

Doch die einstige Erfolgsgeschichte endete im Desaster. Die Geschäfte liefen nach und nach schlechter, das Geld wurde knapp. Anfang 2012 stellte das Unternehmen schließlich Insolvenzantrag. Wenige Monate später stimmten die Gläubiger für eine Zerschlagung des Unternehmens. 25.000 Menschen verloren durch die Pleite ihren Arbeitsplatz.

In den folgenden Jahren wurde es zwar ruhiger um Anton Schlecker und seine Familie. Damit dürfte allerdings ab Montag erstmal Schluss sein, wenn vor dem Landgericht Stuttgart über die schweren Vorwürfe gegen den einstigen Drogeriemarktkönig verhandelt wird. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, in Kenntnis der drohenden Zahlungsunfähigkeit seines Unternehmens Vermögen beiseite geschafft und so dem Zugriff der Gläubiger entzogen zu haben.

Seine Frau und seine beiden Kinder sollen in mehreren Fällen geholfen haben. Seinem Sohn und seiner Tochter wird zudem zur Last gelegt, ein Logistikunternehmen als faktische Geschäftsführer um mehrere Millionen Euro geschädigt zu haben. Sie sollen es zudem „bewusst pflichtwidrig“ unterlassen haben, rechtzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen. Sie veranlassten den Ermittlungen zufolge stattdessen Zahlungen vom Geschäftskonto auf ein Privatkonto ihrer Mutter.

Laut einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ sollen Anton Schlecker und seine Familie im Zusammenhang mit der Pleite des Unternehmens mehr als 26 Millionen Euro beiseite geschafft haben. Schleckers Anwalt Norbert Scharf sagte dem Magazin, die in der Anklageschrift aufgeworfenen Fragen „betreffen einen umfangreichen, komplexen und rechtlich schwer einzuordnenden Sachverhalt aus der Historie der Firma“. Daher verböten sich voreilige Festlegungen.

Den Angeklagten drohen bei einer Verurteilung hohe Haftstrafen. Ein besonders schwerer Fall des Bankrotts, wie er Anton Schlecker vorgeworfen wird, kann mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Ähnlich hohe Strafen drohen seinen Kindern.

Neben der Familie Schlecker sind vor dem Landgericht Stuttgart auch zwei Wirtschaftsprüfer angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, falsche Bilanzierungen zwar erkannt, aber dennoch attestiert zu haben, dass die Jahresabschlüsse den gesetzlichen Vorgaben entsprächen. Dafür drohen bis zu drei Jahre Haft.

Auf die Stuttgarter Richter wartet nun ein kompliziertes und langwieriges Verfahren. Bereits bis Oktober sind Verhandlungstage festgelegt. Fast jede Woche heißt es bis dahin für den sonst so öffentlichkeitsscheuen Anton Schlecker, den Gang in den Gerichtssaal in Stuttgart anzutreten.

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