Deutsche Autobauer treiben Innovationen

Deutsche Autobauer verschärfen ihre Forschung, um bei autonomen Fahrzeugen an der Spitze zu sein.

Anlässlich des Genfer Autosalons zeigen deutsche Autobauer, wo sie in den kommenden zehn Jahren stehen wollen. Nachdem sie die Entwicklung in der Elektromobilität zunächst verdrängt und sich fast haben abhängen lassen, soll nun eine Phase der Vorreiterschaft in Sachen Innovation beginnen.

So investiert die deutsche Automobilindustrie in den nächsten drei bis vier Jahren 16 bis 18 Milliarden Euro in die Digitalisierung der Fahrzeuge. „Unsere Unternehmen sind bereits heute Patentweltmeister beim vernetzten und automatisierten Fahren: An allen seit 2010 weltweit erteilten Patenten auf diesem Feld haben sie einen Anteil von 58 Prozent. Diese Position wollen wir weiter ausbauen“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

In welche Richtung das gehen soll, zeigte Volkswagen in dieser Woche mit Sedric, dem ersten autonom fahrenden Auto des Konzerns. „Sedric erledigt sämtliche Fahrfunktionen selbständig. Er ist smart und lässt sich kinderleicht bedienen. Lenkrad, Pedale und Cockpit braucht er nicht mehr“, sagt Vorstandsvorsitzender Matthias Müller zur Vorstellung von Sedric (Self-Driving-Car) am Vorabend der Automesse.

Das Concept Car erinnert an eine Mischung aus Kleinbus und SUV. Der Wagen ist geräumig, im Innenraum sitzen sich die Mitfahrer gegenüber. Die Räder sind abgedeckt, in die Kabine gelangen die Passagiere durch Schiebetüren. Die Forschung an solchen Fahrzeugen, mit denen Experten erst um 2030 herum auf der Straße rechnen, hatte der Internetkonzern Google vor drei Jahren mit seinem kleinen Pilotwagen in Fahrt gebracht. Es folgte das Forschungsfahrzeug F015 von Daimler 2015. BMW zeigte im vergangenen Jahr ein „Vision self driving car“, das allerdings auch manuell noch gesteuert werden konnte. VW-Rivale Toyota führte Anfang des Jahres auf der Konsumelektronikmesse CES in Las Vegas „concept-i“ vor.

Aber auch in Sachen Elektromobilität will die deutsche Autoindustrie weitere Investitionen tätigen. Dem VDA zufolge wird die deutsche Automobilindustrie bis 2020 mehr als 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe investieren. „Die Elektromobilität bietet dem Standort Deutschland enorme Chancen“, so Wissmann. So gehe McKinsey in seinem Electric Vehicle Index davon aus, dass Deutschland in fünf Jahren größter Produzent von Elektroautos sein werde – mit 1,3 Millionen E-Autos klar vor USA und China mit jeweils rund 850.000 Fahrzeugen. „Bis 2020 wird die deutsche Automobilindustrie das Angebot von Elektromodellen mehr als verdreifachen, von derzeit 30 auf rund 100.“

Der Verband geht von einem Wachstum des weltweiten PKW-Marktes in Höhe von drei Prozent in diesem Jahr aus. Im vergangenen Jahr waren es knapp fünf Prozent. Der NAFTA-Raum wurde von der Krise 2008/2009 zwar hart getroffen, doch hat er sich davon sehr rasch und nachhaltig erholt, so Wissmann. In Südamerika hält die Krise seit drei Jahre an. Europa hatte, verglichen mit dem NAFTA-Raum, eine wesentlich längere Phase des Rückgangs. Erst ab 2014 gingen die Verkäufe wieder nach oben, dann aber recht steil. Asien hat – im Gegensatz zu NAFTA und Europa – in den vergangenen zwölf Jahren eine kontinuierliche Wachstumsstory geschrieben, seinen Absatz mehr als verdoppelt und auch in 2016 deutlich zugelegt. Der afrikanische Automobilmarkt weist noch ein recht geringes Volumen auf und unterliegt entsprechend höheren Schwankungen.

Wissmann betonte darüber hinaus, wie schädlich die derzeit protektionistischen Tendenzen einiger Länder für die Automobilindustrie sei. „Alle Hersteller haben heute eine länderübergreifende Wertschöpfungskette. Rund 75 Prozent der Wertschöpfung eines Autos kommt von Zulieferern – aus vielen Ländern.“ Wie notwendig dieses Plädoyer für Freihandel sei, zeige die Tatsache, dass heute die WTO mehr als 2.200 Verstöße gegen Prinzipien des freien Handels auflistet.

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  1. Reimund Brendes sagt:

    „So gehe McKinsey in seinem Electric Vehicle Index davon aus, dass Deutschland in fünf Jahren größter Produzent von Elektroautos sein werde – mit 1,3 Millionen E-Autos klar vor USA und China mit jeweils rund 850.000 Fahrzeugen.“

    Die Fragen sind doch:
    Ab wann machen die Hersteller damit Gewinn ?

    Die schiere Produktion bringt uns nicht weiter.

    Wieviel Steuergeld floss denn in den letzten beiden Jahren in Richtung
    E-Mobilität ?