Crédit-Suisse: Le Pen ist größtes Risiko für Europa

Ein möglicher Wahlsieg der rechtsextremen französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen birgt nach Einschätzung der Schweizer Großbank Crédit Suisse derzeit das größte Risiko für Europas Stabilität.

„Die Strategen von Crédit Suisse sind der Ansicht, dass die französische Präsidentschaftswahl (…) dieses Jahr das bedeutendste Risiko für Europa darstellt“, erklärte das Finanzinstitut am Donnerstag in Zürich anlässlich der Vorstellung seines Barometers für politische Risiken in Europa.

Darin bewerten die Analysten der Bank unter anderem die möglichen Auswirkungen der anstehenden Wahlen in Europa. In den Niederlanden wird am Mittwoch kommender Woche ein neues Parlament gewählt, die erst Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich findet am 23. April statt. In Europas größter Volkswirtschaft Deutschland steht am 24. September die Bundestagswahl an. Auch die Auswirkungen der anhaltenden griechischen Schuldenkrise sowie der britischen Pläne für einen EU-Austritt werden in der Analyse in drei verschiedenen Szenarien berücksichtigt.

Im „positiven“ Szenario von Crédit Suisse gewinnen pro-europäische Kräfte der politischen Mitte die Wahlen in Frankreich und Deutschland. In den Niederlanden würde demnach eine stabile Regierung gebildet und ein deutlicher Wahlsieg des Rechtspopulisten Geert Wilders ausbleiben.

In dem „mittleren“ Szenario ziehen sich die Verhandlungen über die Finanzhilfen für das hoch verschuldete Griechenland auch im Sommer weiter hin, ohne dass eine endgültige Lösung gefunden wird. In den Niederlanden würde sich die Regierungsbildung schwierig gestalten und der französische Mitte-Kandidat Emmanuel Macron würde zwar die Wahl gewinnen, hätte aber Probleme, das Regierungsmandat umzusetzen.

Als „negatives“ Szenario gilt den Bank-Analysten ein Wahlsieg Le Pens in Frankreich sowie Forderungen Griechenlands nach weiterer finanzieller Unterstützung aus dem Ausland zur Verhinderung eines Staatsbankrotts. Laut Crédit-Suisse-Barometer reicht es im Vorfeld der französischen Präsidentschaftswahl bereits, wenn Umfragen ein knappes Rennen voraussagen, um „einen hohen Grad an Volatilität in den Märkten“ zu erzeugen.

Umfragen hatten Le Pen lange den Sieg in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl vorausgesagt, in der Stichwahl aber eine Niederlage. In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Harris Interactive landete Macron jedoch vor der rechtsextremen Politikerin. Er käme demnach in der ersten Wahlrunde auf 26 Prozent der Stimmen, Le Pen auf 25 Prozent.

Das Risiko, das ein Mitgliedsland der Eurozone die Währungsgemeinschaft verlässt, stufte Crédit Suisse in dem Barometer als „unwahrscheinlich“ ein. Dennoch seien die institutionellen Schutzvorkehrungen gegen solch einen Fall weiterhin „unvollständig“.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. ReH sagt:

    Was wurde alles den Briten mit ihrem Brexit angedichtet. Nichts anderes ist es mit Frankreich. Der eine wird Vorteile haben, der Andere eben Nachteile. Also nach welchem Interesse wird hier geschrieben. Kaffeesatzleserei gehört scheinbar dazu.