EU-Chemiker halten Glyphosat für nicht krebserregend

Experten der europäischen Chemikalienagentur ECHA halten das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für nicht krebserregend.

Das Herbizid erfülle nicht die Kriterien, als „Karzinogen, Mutagen oder schädlich für die Fortpflanzung“ eingestuft zu werden, erklärte der Ausschuss für Risikoanalyse der Behörde am Mittwoch in Helsinki der AFP zufolge. Die Einschätzung stieß auf Kritik von Umweltorganisationen.

Auch wenn die ECHA-Experten Glyphosat nicht als krebserregend einstufen, halten sie das Mittel nicht für komplett unbedenklich. Glyphosat rufe schwere Augenschädigungen hervor und sei giftig für das Wasser-Ökosystem „mit lang anhaltenden Folgen“, heißt es in der Bewertung.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) forderte als Reaktion auf das Gutachten „eine Rückkehr zur Sachlichkeit im Umgang mit dem Thema“. Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse wiesen darauf hin, dass „bei sachgerechter Anwendung des Wirkstoffs Glyphosat keine Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit“ bestünden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht in der ECHA-Bewertung „keine Generalabsolution“ für Glyphosat. Die BUND-Pestizidexpertin Heike Moldenhauer sagte, das Herbizid sei „maßgeblich verantwortlich für das Artensterben in der Agrarlandschaft“.

Eine Verlängerung der Zulassung wäre aus Sicht des BUND „fahrlässig“. Das ECHA-Gutachten soll als Grundlage für die Entscheidung über eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat in der europäischen Landwirtschaft dienen und dafür an die EU-Kommission übermittelt werden.

Nach einer monatelangen Hängepartie hatte die Kommission Ende Juni mangels einer Mehrheit der Mitgliedstaaten für oder gegen Glyphosat die Zulassung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels vorerst um anderthalb Jahre verlängert.

Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling befürchtete, der Ausschuss der Chemikalienagentur habe mit seiner Bewertung für die EU-Kommission ein „Schlupfloch“ geschaffen, um Glyphosat erneut für die nächsten Jahre zuzulassen. „Die europäischen Bürger wollen das Pflanzenschutzmittel nicht“, betonte Häusling.

Der Industrieverband Agrar begrüßte hingegen die vorläufige Bewertung des ECHA-Ausschusses. Geschäftsführer Dietrich Pradt plädierte für ein zügiges Verfahren für die Neuzulassung. Vor allem gehe es aber darum, „Europas Landwirten weiter den Einsatz dieses wichtigen Herbizid-Wirkstoffs zu ermöglichen“.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte das Pflanzenschutzmittel 2015 noch als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft, änderte seine Einschätzung aber im vergangenen Jahr und hält Glyphosat inzwischen für unbedenklich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht davon aus, dass „kein krebserzeugendes Risiko für den Menschen zu erwarten ist“. Eine Bewertung der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) vom Mai legt jedoch nahe, dass Glyphosat menschliche Organe schädigen könne.

Im Juli hatten die Mitgliedstaaten den Einsatz des Herbizids für öffentliche Parks und Gärten eingeschränkt sowie einige Zusatzstoffe verboten. Sollte das Unkrautvernichtungsmittel vor Ende des Jahres erneut in der EU zugelassen werden, steht es den einzelnen Ländern dennoch frei, die Verwendung von Glyphosat im eigenen Staatsgebiet zu verbieten. In Deutschland kommt Glyphosat derzeit auf rund 40 Prozent der Felder zum Einsatz.

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