Attentat erschüttert London

Im Zentrum der britischen Hauptstadt hat ein Anschlag mit vier Toten und mindestens 20 Verletzten für Entsetzen gesorgt.

Unter den Todesopfern waren auch der Attentäter und ein Polizist, wie die Polizei am Mittwochabend in London mitteilte. Der Angreifer fuhr am Nachmittag mit einem Auto Fußgänger auf der Westminster-Brücke an und attackierte dann einen Polizisten vor dem nahe gelegenen Parlament.

Die britische Polizei sprach nach kurzer Zeit von einem „terroristischen“ Angriff. Wie der für Anti-Terrormaßnahmen zuständige Scotland-Yard-Vizechef Mark Rowley vor Journalisten sagte, tötete der Angreifer auf der Westminster-Brücke mit seinem Auto zwei Menschen. Mindestens 20 weitere Menschen seien verletzt worden, unter ihnen drei Polizisten. Eine schwer verletzte Frau, die über die Brücke stürzte oder sprang, wurde aus der Themse gerettet.

Der Angreifer raste dann von der Brücke zum Parlament, durchbrach dort mit seinem Wagen eine Absperrung und stürmte mit einem Messer bewaffnet auf einen Polizisten zu. Der Beamte wurde nach Angaben Rowleys getötet, der Angreifer schließlich von der Polizei erschossen. Parlamentspräsident David Lidington hatte zuvor mitgeteilt, dass der Polizist mit einem Messer verletzt und der Angreifer angeschossen worden sei.

Das Gelände rund um das Parlament wird ständig überwacht. Die Absperrungen verhindern ein direktes Eindringen in das Parlament. Die dazugehörige U-Bahn-Station wurde wegen des Vorfalls geschlossen.

Eine Augenzeugin sagte der Nachrichtenagentur PA, sie habe gerade Fotos vom Big Ben geschossen, als Menschen auf sie zustürmten. Dann habe sie einen rund 40-jährigen Mann mit einem langen Messer gesehen. „Dann wurden drei Schüsse abgefeuert“, und der Mann habe blutend am Boden gelegen. Unter den Verletzten waren zahlreiche Touristen, unter anderem drei französische Schüler und fünf Südkoreaner.

Die Abgeordneten wurden angewiesen, im Parlamentsgebäude zu bleiben. Die laufende Sitzung wurde unterbrochen, das Gelände wurde abgeriegelt. Später wurden hunderte Menschen aus dem Parlamentsgebäude in die angrenzende Westminster Abbey gebracht.

Auch Premierministerin Theresa May, die sich ebenfalls im Parlament aufhielt, wurde in Sicherheit gebracht. Sie berief am frühen Abend ein Krisentreffen des Kabinetts ein. Ihre Gedanken gingen zu den Toten und Verletzten, erklärte sie. US-Präsident Donald Trump erklärte, er sei über den Vorfall informiert worden. May und Trump telefonierten miteinander.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, sie denke „in Anteilnahme und Solidarität an unsere britischen Freunde und an alle Menschen in London“. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte, in diesen Stunden seien „wir Deutsche dem britischen Volk in besonderer Weise verbunden“. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) zeigte sich „erschüttert“. Der Anschlag auf das „Herz unserer Demokratien“ sei ein „Anschlag auf uns alle“, erklärte er.

Wegen des Angriffs unterbrach das schottische Parlament seine Debatte über ein neue Volksabstimmung über die Unabhängigkeit von Großbritannien. Eigentlich wollten die Abgeordneten am Abend darüber abstimmen, ob sie Regierungschefin Nicola Sturgeon damit  beauftragen, den Prozess für ein neues Unabhängigkeitsreferendum einzuleiten.

Der Angriff suchte London heim, während in ganz Belgien der Opfer der Anschläge in Brüssel vor genau einem Jahr gedacht wurde Er weckte böse Erinnerungen an die Lastwagen-Anschläge vom 14. Juli 2016 in Nizza mit 84 Toten und vom 19. Dezember 2016 in Berlin mit zwölf Toten.

In Großbritannien gilt die zweithöchste Terrorwarnstufe 4. Zwischenzeitlich wurden 600 zusätzliche Polizisten in London mobilisiert, insgesamt 2800 sollen derzeit in der britischen Hauptstadt für Sicherheit sorgen.

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