Digitalisierung stärkt Mittelstand im internationalen Wettbewerb

Die Munich Strategy Group (MSG) kürt das 7. Jahr in Folge die TOP 100 des deutschen Mittelstands. Ein Gespräch mit dem Studienautor Sebastian Theopold

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Herr Theopold, in Ihrer Studie „MSG TOP 100 Ranking des Mittelstands 2016 – Deutschlands Wachstums- und Ertragsstars“ weisen Sie auf ein Umsatzwachstum von 10,6 Prozent in den Jahren zwischen 2011 und 2015 hin. Auch die Ertragsquote hat sich deutlich verbessert. Worauf führen Sie die steigenden Erträge in den TOP 100 zurück?

Sebastian Theopold: TOP 100 Unternehmen entziehen sich häufig der Branchenkonjunktur und entwickeln dadurch eine Gewinnermentalität. Sie schaffen es, u.a. durch Innovationskraft, Internationalisierung und Kontinuität im Handeln, die Potenziale im Markt besser abzuschöpfen als der Wettbewerb. Zudem verfügen sie über ausreichend Widerstandskräfte, weshalb sie besser auf externe Störfeuer vorbereitet sind und sich schneller auf Veränderungen einstellen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie erklären Sie sich, dass dem deutschen Mittelstand im Allgemeinen vorgeworfen wird, nicht genug in Richtung Digitalisierung zu agieren?

Sebastian Theopold: Betrachtet man das aktuelle Ranking, gehört dies ja sogar zu den Stärken der TOP 100.

Das Ranking und damit unsere Ableitung zur Digitalisierung beziehen sich auf die 100 besten Mittelständler. Unsere Beobachtungen zeigen, dass für diese Gruppe die Digitalisierung eine hohe strategische Relevanz hat. Ihnen gelingt es in vielen Fällen, durch gezielte Digitalisierungsinitiativen Wettbewerbsvorteile aufzubauen. Rückschlüsse auf den Mittelstand im Allgemeinen lassen sich daraus noch nicht schließen. Wobei für uns der „Mittelstand im Allgemeinen“ nicht existiert, zu homogen ist die Masse der Unternehmen, die in der öffentlichen Diskussion darunter subsumiert wird. Im Extremfall kann die Spanne derer, die darunter fallen, von 1 bis 5.000 Mitarbeiter reichen. Wir konzentrieren uns daher in unserer Analyse auf den gehobenen Mittelstand mit Umsätzen zwischen 15-600 Millionen Euro.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie erklären Sie die Abgeschlagenheit der Region Ost im Ranking?

Sebastian Theopold: Der Mittelstand ist ein über Generationen gewachsenes Netzwerk, das häufig in regionalen Clustern arbeitet und verankert ist. Besonders stark sind traditionell der Süden und Teile von NRW. Offensichtlich fehlt in den Ostregionen dieser Stammbaum, weshalb wir derzeit noch eine geringere Dichte haben. Ermutigend ist die Tatsache, dass sich im Vergleich zum letzten Jahr die Anzahl der TOP Unternehmen aus dem Osten verdoppelt hat, wenngleich auf einem niedrigen Niveau. So stellen wir also fest, dass zumindest der Trend in die richtige Richtung geht.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie unterscheiden sich Ihrer Meinung nach die Top 100 des deutschen Mittelstandes von Mittelständlern aus anderen Ländern?

Sebastian Theopold: Der stetige Anspruch auf eine globale Spitzenposition, Spezialisierung im Angebot, Konzentration auf Nischen und ihre Wettbewerbsfähigkeit in Sachen Digitalisierung. Rund zwei Drittel der TOP 100 Betriebe sind global aufgestellte Spezialisten, die sich mit ihren Produkten gegen internationale Wettbewerber durchsetzen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Rechnen Sie in den kommenden Jahren mit einer Fortsetzung des positiven Trends?

Davon kann man durchaus ausgehen. Die Betriebe investieren kontinuierlich in neue Produkte und den Aufbau zusätzlicher Absatzkanäle. Ebenso verfügen sie über hervorragende Kostenstrukturen. Bleiben die internationalen Märkte zugänglich, sehen wir für die kommenden 2 Jahre eine Fortsetzung des positiven Trends.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wer gehört dem Ranking nach zu den Top 3 des deutschen Mittelstandes?

Sebastian Theopold: RIB AG, Insider Technology und Rimowa.

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