Lockere Geldpolitik: Deutscher Wirtschaft droht Überhitzung

Der deutschen Wirtschaft geht es im Vergleich zu vielen europäischen Ländern wirtschaftlich derzeit sehr gut. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Auslastung der Unternehmen ist gut.

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet damit, dass das Produktionspotential in Deutschland bis 2021 durchschnittlich um 1,14 Prozent wachsen wird. Theoretisch wäre ein größeres Wachstum auch aufgrund der weiterhin anhaltenden lockeren Geldpolitik der EZB möglich.

Dem steht jedoch der anhaltende demografische Wandel entgegen. „Da die Erwerbsneigung älterer Bevölkerungsgruppen deutlich geringer ist als im Durchschnitt der arbeitsfähigen Bevölkerung, stehen dem Arbeitsmarkt mit zunehmender Alterung weniger Erwerbspersonen zur Verfügung. Auch die Zuwanderung nach Deutschland kann diesen Prozess nicht aufhalten, sondern allenfalls etwas mildern“, sagte Stefan Kooths, Leiter des IfW-Prognosezentrums.

Bereits im laufenden Jahr dürfte die Kapazitätsauslastung merklich über ihrem normalen Niveau liegen, so das IfW. Dafür sprechen neben der Schätzung der Produktionslücke auch eine Reihe von weiteren Indikatoren. „Deutschland droht in den kommenden Jahren eine konjunkturelle Überhitzung“, so Kooths.

Die aktuell guten Konjunkturaussichten im Zusammenhang mit der zu erwartenden Wachstumsschwäche „mahnen zu fiskalischer Disziplin und arbeitsmarktpolitischer Vorsorge“, sagt Kooths. Eine konjunkturelle Überdehnung der Produktionskapazitäten könne naturgemäß nicht von Dauer sein. Sie würde früher oder später durch eine Anpassungskrise korrigiert werden müssen. Diese fällt umso schärfer aus, je ausgeprägter die vorangegangene Übertreibung war. „Aus diesem Grund sollte die Wirtschaftspolitik alles unterlassen, was zusätzlich die Konjunktur hierzulande stimulieren würde. Dazu zählt insbesondere eine expansive Finanzpolitik.“

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