E-Commerce: Karstadt will Kunden mit Partnern in Filialen locken

Karstadt plante eine völlig neue Strategie für die Zukunft. Die Kaufhauskette will eigene Filialen als Marktplatz für den Online-Handel öffnen.

Die Warenhauskette Karstadt will nach Jahren der Sanierung auf Angriff schalten und sich dazu Partner aus dem boomenden Online-Geschäft ins Boot holen. Karstadt wolle seine Warenhäuser für internationale Online-Händler öffnen, kündigte Firmenchef Stephan Fanderl in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters an. „Wir machen diesen Schritt, weil wir Karstadt gezielt in der Funktion als Marktplatz weiterentwickeln“, betonte er: „Das ist für internationale Händler ein Angebot, wenn diese über den deutschen Markt nachdenken.“ Die Beschäftigten müssten sich keine Sorgen machen, wenn Online-Händler in den Warenhäusern Verkaufsflächen belegen: „Partnerschaften bedeuten letztendlich mehr Umsatz und damit am Ende auch mehr Jobs.“ Fanderl sieht Karstadt gut für solche Partnerschaften gerüstet. Die Kette verzeichne steigende Umsätze und wolle in diesem Jahr vor Steuern die Gewinnzone erreichen.

Die Warenhäuser kämpfen mit sinkenden Besucherzahlen in den deutschen Innenstädten. Konkurrent Kaufhof hatte zuletzt über sinkende Kundenfrequenzen geklagt. Durch internationale Partner sollen die Warenhäuser attraktiver werden, ihre Flächen sollen effektiver genutzt werden. Umgekehrt könnten reine Online-Unternehmen aus dem Ausland einen Fuß in den deutschen Markt bekommen. Sie könnten eigene Geschäfte in den Warenhäusern eröffnen. Zudem könnten ihre Waren in Karstadt-Filialen abgeholt werden. Auch wäre es ihnen möglich, auf die Karstadt-Verteilnetze für Waren zurückzugreifen. „Wir können deren Sortimente durch unsere Logistik auf unsere Verkaufsflächen bringen“, sagte Fanderl. „Wir haben eine Reihe von Partnern im Auge, es gibt auch schon Gespräche.“

Mehrere große Online-Händler versuchen ihr Glück aktuell auch im stationären Handel. So hatte etwa der Internet-Modehändler Zalando jüngst die Sportkette Kickz übernommen, die auch über 15 Ladengeschäfte in deutschen Großstädten verfügt. Zalando will die Läden behalten, das Unternehmen verfügt zudem auch über drei Outlet-Stores. Abseits der Bundesrepublik experimentiert der Online-Konzern Amazon in Innenstädten mit eigenen Geschäften. Der chinesische Internet-Gigant Alibaba ist am Warenhaus-Betreiber Intime beteiligt.

„Wir können auch gerade für reine Online-Anbieter eine Rolle spielen“, sagte Fanderl: „Wir schauen uns deshalb gezielt Online-Anbieter an, deren Wachstum an Grenzen stößt, weil sie keine eigenen Flächen haben. Wo gibt es für sie bessere Chancen als in einem Warenhaus mit vielen Kunden?“

Fanderl war im Oktober 2014 auf den Chefposten bei Karstadt aufgerückt, nachdem der österreichische Immobilieninvestor Rene Benko den Warenhaus-Riesen übernommen hatte. Er setzte zunächst den Rotstift an. Zudem lichtete der Manager den Markendschungel im Sortiment und setzt verstärkt auf eine lokale Ausrichtung der Warenhäuser, aber auch das Online-Geschäft baute er aus. Fanderl will Warenhäusern und Online-Shops zu „einzigartigen Marktplätzen“ verschmelzen.

Auch ohne internationale Partner konnte Karstadt im wichtigen Weihnachtsgeschäft die Erlöse steigern. „Unsere Umsätze lagen über dem Vorjahr“, sagte Fanderl. Im gesamten Geschäftsjahr 2016/17 könne es nun Zuwächse geben: „Bislang schreiben wir ein leichtes Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr.“

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.