Credit Suisse: Verlust entzündet Debatte um Kapitallücke

Der Verlust der Credit Suisse hat die Aufmerksamkeit auf die dünne Kapitaldecke der Großbank gerichtet.

Neue Rechtskosten unterstreichen den Kapitalbedarf der Schweizer Großbank Credit Suisse. Die zweitgrößte Bank des Landes gab kürzlich bekannt, dass sie sich mit einer weiteren US-Behörde im Streit um unsaubere Geschäften auf dem US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise geeinigt hat, berichtet Reuters. Dafür muss sie zusätzlich 300 Millionen Franken zurückstellen, das Jahresergebnis 2016 wird nachträglich nach unten angepasst. Damit weitet sich der Fehlbetrag auf 2,7 Milliarden Franken aus – der zweite Milliardenverlust in Folge.

Die Bank gab auch ihre Vorstandsbezüge bekannt: Konzernchef Tidjane Thiam verdiente 2016 mit 11,9 Millionen Franken (rund 11,1 Millionen Euro) deutlich mehr als im Vorjahr. 2015 hatte Thiam für sein ersten halbes Jahr an der Spitze der zweitgrößten Schweizer Bank 4,6 Millionen Franken bekommen. Der Bonus-Topf für die gesamte Belegschaft stieg auf 3,1 (Vorjahr 2,9) Milliarden Franken.

Der höhere Verlust hinterlässt Spuren in der Bilanz. So beträgt die Kernkapitalquote zum Jahresende nur noch 11,5 Prozent, bisher hatte die Bank 11,6 Prozent ausgewiesen. Damit liegt die Credit Suisse nicht nur deutlich hinter den 13,8 Prozent des Erzrivalen UBS und den nach den Kapitalerhöhung erwarteten 14,1 Prozent der Deutschen Bank, sondern gehört weltweit zu den Schlusslichtern unter den vergleichbaren Häusern. Thiam bekräftigte kürzlich, dass die Bank zwei bis vier Milliarden Franken an zusätzlichem Kapital benötige. Die Bank analysiere noch, wie sie sich das Kapital beschaffen wolle.

Während die Bank ihre Kapitaldecke ursprünglich durch einen Teil-Börsengang des Schweizer Geschäfts stärken wollte, steht Insidern zufolge nun eine Kapitalerhöhung im Vordergrund. Die Bank erwäge ein beschleunigtes Orderbuch-Verfahren, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Kapitalerhöhung kann diese Methode schnell abgewickelt werden und richtet sich nur an Großanleger. Allerdings müsste die Credit Suisse dafür den Segen der Aktionäre einholen. In der Einladung zur Generalversammlung am 28. April fehlt allerdings ein entsprechender Antrag.

Auf der Aktionärsversammlung könnten die Eigner auch Thiams Salär aufs Tapet bringen. „Er hat für die Aktionäre keinen Wert geschaffen“, erklärte Stephan Sola vom Broker Kepler Cheuvreux. Seit seinem Amtsantritt hat die Aktie über 40 Prozent an Wert verloren. Dabei gehört der Ivorer zu den bestverdienenden Managern der Schweiz. Ganz oben steht UBS-Lenker Sergio Ermotti mit 13,7 Millionen Franken Jahresgehalt 2016. Der Chef der Deutschen Bank, die sich in einer ähnlichen Lage befindet wie die Credit Suisse, kommt nur auf 3,8 Millionen Euro. Deutsche-Chef John Cryan verzichtete dabei auf seinen Bonus.

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