Mittelständler setzen auf internationale Vernetzung

Export allein reicht nicht. Österreichs Unternehmen nutzen die Globalisierungstendenzen auch in der Forschung.

Genauso wichtig wie die Digitalisierung ist für viele Unternehmen mittlerweile auch die internationale Vernetzung. Vor allem in der Forschung tut sich Österreich diesbezüglich hervor. „Sehr erfolgreich entwickelt sich die internationale Vernetzung der österreichischen Forschung. Denn wer Kompetenzen vernetzt, gegenseitiges Know-how nutzt und damit Neues schafft, stärkt sich für die Zukunft und fördert aktiv die Zusammenarbeit zwischen Innovations-Playern“, betonen Henrietta Egerth und Klaus Pseiner von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG.

Allein vom EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 konnten die nationalen Unternehmen bisher 564 Millionen Euro an Förderungen einsammeln. Allein 216 Millionen Euro waren es 2015. Darüber hinaus werden in der Forschung von österreichischen Unternehmen auch Fördergelder im Rahmen des Programms „Beyond Europe“, EUREKA oder auch COST eingeworben. Bei „Beyond Europe“ beispielsweise werden konkrete F&E-Projekte von österreichischen Unternehmen mit Partnern in globalen Wachstumsmärkten gefördert.

Die Investitionen in Forschung werden immer wichtiger, auch um Österreich als Standort weiter attraktiv zu machen. Eine aktuelle WIFO-Studie zeigt, dass Forschungsinvestitionen tatsächlich das Wirtschaftswachstum anregen. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Förderungen, so die FFG. 2016 unterstützte die Forschungsförderungsgesellschaft laufende und neue Projekte mit 458 Millionen Euro. Darüber hinaus wurden 615 Millionen Euro für über 3.000 Unternehmen neu zugesagt.

Besonders viele Fördergelder entfielen auf den Produktionsbereich (23 Prozent) und Informations- sowie Kommunikationstechnologien (20 Prozent). „Das Thema Digitalisierung durchdringt nahezu alle Forschungsbereiche“, so FFG-Geschäftsführer Egerth und Pseiner. Rechne man zu den Forschungsförderungsmitteln jene aus der Breitbandmilliarde hinzu, hat die FFG im Jahr 2016 rund 200 Millionen Euro für den IKT-Sektor aufgewendet.

Zwei Drittel der neu gebilligten Förderungen gingen an Unternehmen, 88 Millionen an Forschungseinrichtungen und 70 Millionen an Hochschulen. „Vier Fünftel der geförderten Projekte wären ohne Unterstützung der FFG nicht oder nur in deutlich geringerem Umfang durchgeführt worden“, so Egerth und Pseiner. Der WIFO-Studie zufolge erzielen Unternehmen, die sehr viel in F&E investieren (mehr als fünf Prozent Anteil am Umsatz) in zehn Jahren ein Beschäftigungswachstum von rund fünf Prozent. Unternehmen ohne oder mit nur geringen Forschungsaktivitäten (unter einem Prozent Umsatzanteil) erreichen im gleichen Zeitraum ein Wachstum unter zwei Prozent.

Doch obwohl „die Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigen, ist es Österreich bisher nicht gelungen, in die Gruppe der Innovationsführer aufzusteigen“, so das WIFO-Institut. Demnach erreicht Österreich im Bereich der Grundlagenforschung nur 69 Prozent der Leistung der Innovationsführer (Dänemark, Deutschland, Finnland, Niederlande, Schweden, Schweiz). „Bei der Technologie-Frontier (angewandte Forschung, Erfindungen, industrielle Technologien) erreicht Österreich 86 Prozent“, so das WIFO. Im Bereich der Innova­tions-Frontier schneide Österreich vor allem beim Strukturwandel – also der Umsetzung neuen Wissens in neue wirtschaftliche Aktivitäten – schlecht ab (88 Prozent); besser gelingt das „Upgrading“, also die Verbesserung der Marktposition in bestehenden industriellen Stär­ken (98 Prozent). Bei der Wirtschafts-Frontier, also der Produktivität, erreicht Österreich 94 Prozent.

„Die führenden Innovationsländer fördern Innovation anders als Österreich“, sagt WIFO-Innovationsexperte Jürgen Janger. Überdurchschnittlich hoch sei in Österreich die Forschungsförderung der Unternehmen. Es bedürfte aber vielmehr einer höheren Förderung der Hochschulen, so Janger. „Sie erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung von Wissen in universitäre Unternehmensausgründungen. Zudem sichern gute Universitäten und Fachhochschulen auch den Standort ab.“

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