Firmenpatriarch Piech kappt Verbindungen zu Volkswagen

Ferdinand Piech löst sich von Volkswagen und überträgt den Großteil seiner Anteile an den VW-Großaktionär Porsche. Bis zum Abschluss bleibe er jedoch im Aufsichtsrat.

Der langjährige VW-Firmenpatriarch Ferdinand Piech hat kurz vor seinem 80. Geburtstag einen Schlussstrich unter sein Lebenswerk als prägender Chef und Miteigentümer von Volkswagen gezogen. Am Montag unterzeichnete er Verträge, mit denen er einen wesentlichen Teil seiner Aktien am VW-Großaktionär Porsche SE an andere Familienmitglieder überträgt, wie die Holding der Familien Piech und Porsche mitteilte. Die Privatstiftungen von Piech verfügten über 14,7 Prozent der Stammaktien der Porsche SE, die wiederum mit gut 52 Prozent bestimmender Aktionär des Volkswagen-Konzerns ist. Die Unterschrift Piechs zwei Wochen vor seinem 80. Geburtstag ist das letzte Wort in einem konfliktbeladenen Kapitel der Firmengeschichte.

Wer in dem weitläufigen Clan der Porsche-Erben Piechs Anteil übernimmt, war ebenso unbekannt wie der Preis, den die Verwandtschaft dafür zahlen wird. „Die Übertragung unterstreicht das engagierte Vertrauen der Familien Porsche und Piech als Miteigentümer in die Porsche Automobil Holding SE und den Volkswagen-Konzern“, teilte die Dachgesellschaft weiter mit. Piechs Verwandte haben nach einem internen Vertrag in solchen Fällen ein Vorkaufsrecht. Bis zum Vollzug des Verkaufs soll Piech Mitglied im Aufsichtsrat der Porsche SE bleiben, er wird daher zur Wiederwahl auf der Hauptversammlung vorgeschlagen.

Piech mit Familie zerstritten

Piech stürzte Volkswagen vor zwei Jahren eine Führungskrise, als er über das Magazin „Der Spiegel“ lancierte, er sei auf Distanz zum damaligen Konzernchef Martin Winterkorn. Die Gründe ließ der öffentlichkeitsscheue, sich allenfalls einsilbig äußernde Übervater des Unternehmens damals im Dunkeln. In dem darauf folgenden Machtkampf mit dem VW-Chef erlitt Piech, der den Konzern über zwei Jahrzehnte als technikversierter Vorstands- und Aufsichtsratschef geprägt und dabei mehrere Manager abserviert hatte, eine krachende Niederlage: Winterkorn blieb, Piech ging. Entscheidend dafür war, dass sich Piechs Vetter Wolfgang Porsche mit den Vertretern des Landes Niedersachsen und den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat gegen ihn verbündet hatte. Seither war die Familie verkracht. Piech legte neben dem Aufsichtsratsvorsitz bei VW auch andere Ämter in dem Zwölf-Marken-Imperium nieder. Sein Mandat im Aufsichtsrat der Porsche SE nahm er als einziges regelmäßig wahr. „Er saß und schwieg“, beschrieb ein Insider das Gebaren des Österreichers.

Für einen Paukenschlag sorgte dann das Bekanntwerden von Piechs Aussagen bei der Staatsanwaltschaft und den internen Ermittlern von VW über den Dieselskandal. Er warf Wolfgang Porsche und anderen Aufsichtsratsmitgliedern vor, wie er selbst schon im Frühjahr 2015 über den Betrug mit Abgaswerten bei Diesel-Motoren Bescheid gewusst zu haben. Die Betroffenen wiesen seine Äußerungen als unwahr zurück. Kurz darauf kamen Medienberichte auf, die Familie wolle Piech nun auch aus dem Kontrollgremium der Porsche SE vertreiben. Es folgte die Ankündigung des Ausstiegs von Piech. Der Honorar-Professor geht jedoch nicht so ganz. Er behält laut Porsche SE die in der „Ferdinand Karl Beta Privatstiftung“ gehaltenen Anteile in unbekannter Höhe.

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