Aktionärsberater: Boni von Credit Suisse sind zu hoch

Bei der Credit Suisse rumort es wegen der Jahresverluste. Jetzt gehen Aktionäre gegen die Bonuszahlungen vor.

Die Bonuszahlungen an den Vorstand sind ins Visier der Aktionäre gerückt. (Quelle: Flickr/Marcel Grieder/CC BY 2.0)

Die Bonuszahlungen an den Vorstand sind ins Visier der Aktionäre gerückt. (Quelle: Flickr/Marcel Grieder/CC BY 2.0)

Die Schweizer Großbank Credit Suisse muss sich auf eine heiße Generalversammlung einstellen. Der US-Stimmrechtsberater Glass Lewis empfiehlt den Aktionären, mehrere Anträge der Bank abzulehnen, berichtet Reuters. Dazu gehören die Boni für die Geschäftsleitung von insgesamt rund 26 Millionen Franken, wie dem Bericht des Beraters zu entnehmen war. Angesichts des zweiten Milliardenverlustes in Folge sei dies völlig unangemessen. Für 2016 wies die Bank einen Fehlbetrag von 2,7 Milliarden Franken aus. Bei anderen europäischen Finanzfirmen mit einem ähnlichen Ergebnis seien die Boni des Managements ganz oder teilweise gestrichen worden, erklärte Glass Lewis. So hatte etwa der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, auf seinen Bonus verzichtet.

Auch den Lohn für den Verwaltungsrats und den gesamten Vergütungsbericht lehnt Glass Lewis ab. Die Auszahlungen seien im Vergleich zu anderen Banken übertrieben. Der Berater kritisierte, dass Konzernchef Tidjane Thiam die hohen Rechtskosten für Altlasten nicht im eigenen Geldbeutel spürt. Thiam hatte zwar einen milliardenteuren Vergleich mit dem US-Justizministerium ausgehandelt, aber darauf hingewiesen, dass seine Vorgänger der Bank die Probleme eingebrockt hätten. Thiam verdiente 2016 insgesamt 11,9 Millionen Franken (rund 11,1 Millionen Euro).

Glass Lewis sprach sich zudem gegen Wiederwahl von Iris Bohnet, Andreas Koopmann und Kaikhushru Nargolwala aus, die im Verwaltungsrat für die Vergütung zuständig sind. Der Ausschuss habe Bedenken der Anleger zu wenig Rechnung getragen. Credit Suisse erklärte, sie habe von den Empfehlungen Kenntnis genommen. Vor allem angelsächsische Fonds folgen den Empfehlungen der Aktionärsberater für gewöhnlich. Noch nicht geäußert hat sich bisher die ebenfalls amerikanische ISS. Rückendeckung erhielt die Credit Suisse dagegen von Harris Associates. Der Fonds, der einer der größten Aktionäre des Instituts ist, will auf der Generalversammlung vom 28. April alle Anträge abnicken, wie der Anlagechef kürzlich in einem Interview sagte.

Unterdessen haben sich Schweizer Strafverfolger in den jüngsten Steuerfall bei der Credit Suisse eingeschaltet. Die Bundesanwaltschaft sei in Kontakt mit den niederländischen Behörden, sagte der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber auf der Jahrespressekonferenz in Bern. Für weitere Kommentare zu der Angelegenheit sei es noch zu früh. Zuvor hatte sich die Bundesanwaltschaft am Vorgehen ihrer niederländischen Kollegen in Zusammenhang mit den Razzien wegen des Verdachts auf Steuerbetrug gestoßen – die Schweiz war in die Aktion nicht einbezogen worden. Die Schweizer Behörden zeigten sich befremdet. „Die geltenden Gepflogenheiten und Regeln der internationalen Zusammenarbeit und des Rechtshilfeverkehrs sind hier offensichtlich nicht eingehalten worden“, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Sie erwarte eine schriftliche Erklärung der federführenden niederländischen Behörden.

Die niederländischen Behörden hatten kürzlich im eigenen Land sowie in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Australien koordinierte Durchsuchungen angestrengt. Niederländische Steuerfahnder durchkämmten eine Reihe von Wohnungen in mehreren Städten des Landes. Man habe Hinweise auf 3800 niederländische Kontoinhaber erhalten, die „viele Millionen Euro“ auf schweizerischen Bankkonten versteckt hätten, hieß es.

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