Rückschlag für Zulieferer Grammer: Chinesischer Investor darf nicht einsteigen

Im Kampf um die Macht beim Autozulieferer Grammer hat der Großaktionär Hastor einen Etappensieg errungen.

Mit dem chinesischen Investor wollte Grammer den Angriff der Unternehmer-Familie Hastor abwehren. (Foto: Flickr/faungg's photos/CC by nd 2.0)

Mit dem chinesischen Investor wollte Grammer den Angriff der Unternehmer-Familie Hastor abwehren. (Foto: Flickr/faungg’s photos/CC by nd 2.0)

Das Landgericht Nürnberg-Fürth untersagte dem Zulieferer Grammer in einer einstweiligen Verfügung, neue Aktien an den chinesischen Konkurrenten Ningbo Jifeng auszugeben, wie das Unternehmen und Prevent Reuters bestätigten. Mit den Anteilen des „weißen Ritters“ aus China von gut neun Prozent sähe der Grammer-Vorstand auf der Hauptversammlung am 24. Mai bessere Chancen, den Angriff der Unternehmer-Familie Hastor abzuwehren, die hinter dem Autozulieferer Prevent steht.

Die Hastors hatten angekündigt, Grammer-Chef Hartmut Müller stürzen und fünf Aufsichtsräte durch eigene Leute ersetzen zu wollen. Das Unternehmen sei nicht gut geführt, sagte Prevent-Manager Arslan Barbaros der Süddeutschen Zeitung vom Samstag. „Wir sind nicht da, um Beliebtheitspreise zu gewinnen, wir sind Investoren.“ Die Familie hält inzwischen mehr als 20 Prozent an Grammer. Das könnte bei der üblichen niedrigen Präsenz reichen, um ihre Vorstellungen auf der Hauptversammlung durchzusetzen. Prevent war im vergangenen Jahr durch einen öffentlichen Streit mit dem Autobauer Volkswagen bekannt geworden. Die Auseinandersetzung hatte zeitweise die Produktion in Wolfsburg lahmgelegt.

Ein Grammer-Sprecher sagte in Amberg, das Unternehmen werde Widerspruch gegen die Verfügung einlegen. Um Ningbo Jifeng den Einstieg zu ermöglichen, hatte der oberpfälzische Hersteller von Armlehnen, Kopfstützen oder Mittelkonsolen eine Wandelanleihe über 60 Millionen Euro an die Chinesen ausgegeben, die zeitnah in Aktien getauscht werden sollte. Die Hastors argumentierten, dass das nicht geschehen dürfe, ehe der Einstieg beim Kartellamt angemeldet sei. Grammer hält das für nicht nötig.

Die Hastors fürchten, dass Grammer die Hauptversammlung aus taktischen Gründen nach hinten verschieben könnte. Sie wollten deshalb eine außerordentliche Hauptversammlung erzwingen, waren damit aber vor dem Amtsgericht Amberg abgeblitzt. Über eine Beschwerde dagegen könnte noch vor Ostern entschieden werden.

Zum sechsten Mal in Folge erzielte Grammer 2016 einen erneuten Rekordumsatz in Höhe von 1,696 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,426 – ein Anstieg um 18,9 Prozent. Zu dieser deutlich positiven Umsatzentwicklung haben vor allem die Integration der Grammer Interior Components (ehemalig Reum-Gesellschaften), das anhaltend starke Wachstum und der Ausbau der globalen Präsenz vor allem im Konsolen-Geschäft beigetragen, so das Unternehmen bei seiner Jahresabschluss-Konferenz.

„Das Geschäftsjahr 2016 verlief sehr positiv für uns. Weltweit konnten wir weiter deutlich wachsen und unsere Wettbewerbsposition trotz einigen anhaltend schwierigen Absatzmärkten weiter verbessern. Besonders erfreulich war, dass es uns gelungen ist, die Profitabilität des Grammer Konzerns erwartungsgemäß signifikant zu steigern. Wir ernten jetzt die Früchte aus unserer in den letzten Jahren konsequent umgesetzten internationalen Wachstumsstrategie“, so Hartmut Müller, Vorstandsvorsitzender der Grammer AG.

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