Unternehmen wollen Auslandsinvestitionen steigern

Mit der anziehenden Weltkonjunktur steigt auch die globale Investitionstätigkeit deutscher Unternehmen.

Anteil der deutschen Industrieunternehmen mit Plänen für Auslandinvestitionen in Prozent. (Grafik: DIHK)

Anteil der deutschen Industrieunternehmen mit Plänen für Auslandinvestitionen in Prozent. (Grafik: DIHK)

Auslandsinvestitionen der Industrieunternehmen nach Zielregionen in Prozent; Mehrfachnennungen möglich. (Grafik: DIHK)

Auslandsinvestitionen der Industrieunternehmen nach Zielregionen in Prozent; Mehrfachnennungen möglich. (Grafik: DIHK)

Noch mehr Industriebetriebe als im Vorjahr planen 2017 Auslandsinvestitionen. Fast die Hälfte will im Ausland investieren – das ist der höchste Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 1995. Auch die dafür eingesetzten Budgets entwickeln sich expansiv. Fast jeder dritte auslandsaktive Betrieb plant höhere Auslandsinvestitionen (32 Prozent), nur zwölf Prozent geringere. Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).

Der Höchststand bei dem Anteil der auslandsaktiven Unternehmen sowie die höhere Investitionsdynamik können 2017 zu einem Rekordjahr für deutsche Auslandsinvestitionen machen. Die Einbindung der deutschen Unternehmen in die Weltwirtschaft steigt daher nicht nur auf Grund des wieder stärker wachsenden Volumens von Ex- und Importen, sondern auch durch mehr direkte Investitionen im Ausland. Damit wird ein Gutteil des Leistungsbilanzüberschusses der deutschen Volkswirtschaft wieder als Produktivkapital im Ausland wirksam. Besonderes die ohnehin schon stark globalisierten Investitionsgüterproduzenten erhöhen ihr weltweites Engagement nochmals deutlich (aktuell: 58 Prozent der Betriebe; 2016: 53 Prozent).

Zwei inländische Faktoren treiben die Auslandsinvestitionen der deutschen Industriebetriebe in besonderem Maße: der Fachkräftemangel und die steigenden Energiepreise. Von den Unternehmen, die mit höheren Investitionsbudgets im Ausland planen, nennen 45 Prozent die hierzulande eingeschränkte Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal als Hindernis für ihre wirtschaftliche Entwicklung (Vorjahr: 38 Prozent, im Industriedurchschnitt: 41 Prozent). Am aktuellen Rand gewinnen außerdem vor allem die Energie- und Rohstoffpreise als Risiko für die produzierenden Unternehmen sehr stark an Bedeutung, wie die Umfrageergebnisse zeigen. 43 Prozent der Unternehmen mit steigenden Auslandsinvestitionen berichten von diesem Faktor als Geschäftsrisiko in Deutschland – in der Vorumfrage waren es nur 26 Prozent. Die Energiekostenschere zu anderen Ländern in Europa oder den USA ist für die meisten Unternehmen nach wie vor weit geöffnet und gewinnt mit steigenden Rohstoffkosten zum Beispiel für Öl und Gas an Brisanz.

Auslandsinvestitionen sind wichtig für den Industriestandort Deutschland. Hiesige Betriebe können sich neue Absatzmöglichkeiten erschließen. Außerdem profitieren sie durch ihr Engagement im Ausland von den Vorteilen internationaler Arbeitsteilung. Betriebe, die im Ausland investieren, haben auch fürs Inland bessere Geschäftserwartungen. Außerdem wollen sie häufiger Beschäftigung hierzulande aufbauen und im Inland als Betriebe ohne Auslandsinvestitionen investieren. Für 45 Prozent der Industriebetriebe ist der Aufbau von Vertrieb und Kundendienst das vornehmliche Motiv zum grenzüberschreitenden Investment.

Die deutsche Industrie will verstärkt auf etablierten Märkten in den Industrieländern setzen. Insbesondere die Eurozone ist häufiger ein Zielland der Auslandsaktivitäten als im letzten Jahr. Auch andere traditionelle Investitionsstandorte wie Nordamerika, die sonstige EU, Schweiz und Norwegen sind im Aufwind. Auf Europa und Amerika entfielen 2014 knapp 90 Prozent des Bestands deutscher Direktinvestitionen.

Ausgehend von niedrigem Niveau gewinnt auch die Region „Afrika, Nah- und Mittelost“ nicht zuletzt aufgrund des wieder leicht anziehenden Ölpreises an Attraktivität für deutsche Investoren. Die Wachstumszone Asien kann hingegen nicht weiter an Bedeutung zulegen. Dennoch bleibt China die zweitwichtigste Region für die Auslandsinvestitionen deutscher Industriebetriebe. Wie im Vorjahr geben 37 Prozent der Unternehmen an, in China investieren zu wollen.

Die vor Ort aktiven deutschen Unternehmen sehen in der Rechtssicherheit und in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen jedoch zunehmend ein Risiko. So berichten sie z. B. von Benachteiligungen bei öffentlichen Ausschreibungen. Außerdem nehmen die Sorgen um die Entwicklung der Lohnkosten zu. Die chinesische Regierung hat sich in ihrem Fünfjahresplan das Ziel gesetzt, umfassende Strukturreformen vorzunehmen – weg von exportgetriebenen Wachstum, hin zu mehr Dienstleistungen und Konsum. Von diesen Umstrukturierungen ist bisher vor allem die Stärkung des Binnenkonsums spürbar.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.