Airbus kämpft mit sinkenden Aufträgen

Dem Flugzeugbauer Airbus sind im ersten Quartal die Aufträge überraschend stark weggebrochen.

Während der Umsatz binnen Jahresfrist noch um sieben Prozent auf 13 Milliarden Euro zulegte, sackte das Volumen der neuen Bestellungen um fast die Hälfte auf 3,8 Milliarden Euro ab, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Einen nennenswerten Gewinn erwirtschafteten die Toulouser nur dank der Erlöse aus dem Verkauf der Rüstungselektroniksparte und positiver Währungseffekte, so Reuters. Ohne die Einflüsse wäre Airbus vom Quartalsgewinn von 608 Millionen Euro praktisch nichts geblieben.

Dennoch hielt Konzernchef Tom Enders an seiner Jahresprognose fest. Auf vergleichbarer Basis soll der Gewinn um die fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Finanzvorstand Harald Wilhelm beruhigte angesichts der Auftragsentwicklung die Investoren. „Die Bestellungen verzögern sich“, sagte er in einer Telefonkonferenz. Der Auftragseingang erstrecke sich nicht gleichmäßig über das ganze Jahr, wie die Vergangenheit zeige. „Unser Gesamtauftragsbestand erweist sich als robust.“ Auch die Luftverkehrszahlen deckten die Prognosen seines Hauses.

Erzrivale Boeing hatte zuletzt eine ähnliche Entwicklung verzeichnen müssen, wenn auch nicht ganz so gravierend. Die Amerikaner lieferten anders als Airbus im ersten Quartal sogar weniger Flugzeuge aus und kamen auf 169. Airbus steigerte seine Auslieferungen um elf Maschinen auf 136.

Für das Gesamtjahr bestätigte Wilhelm, dass der Konzern 720 Flugzeuge zu den Kunden bringen wolle. Dabei hat Airbus wie so oft mit Problemen zu kämpfen. Der Produktionshochlauf des wichtigsten Modells A320neo geht nicht so flott wie geplant. Es gibt Schwierigkeiten mit dem Turbinenlieferanten. „Wir erwarten von Pratt & Whitney, dass sie marktreife Triebwerke liefern“, mahnte Wilhelm. Die Qualitätssituation bessere sich aber allmählich.

Während die Produktion des neuen Langstreckenjets A350 nach Plan läuft, gilt die Hauptsorge weiter der Militärtransporter A400M. Es bleiben laut Airbus „Herausforderungen bestehen, die möglicherweise erheblich sein können.“ Die Kundenstaaten, darunter Deutschland und Frankreich, wollten gemeinsam mit dem Hersteller Arbeitsgruppen einrichten, sagte Wilhelm. Er erhoffe sich weiterhin finanzielle Entlastung von den Verhandlungen. Airbus verbuchte im vergangenen Jahr abermals 2,2 Milliarden Euro an Sonderlasten für den Pannenflieger, der seit langem mit Verzögerungen zu kämpfen hat. Zuletzt hatte sich Airbus mit der Bitte um neue Verhandlungen an die Abnehmerstaaten gewandt. Gleichzeitig kündigte Konzernchef Enders an, mehr als den erwirtschafteten Jahresgewinn an die Aktionäre auszuschütten.

Zu den jüngsten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien gegen Enders schweigt Airbus weiter. Die österreichischen Strafverfolger gehen dem Verdacht auf schweren Betrug im Zuge eines alten Eurofighter-Geschäfts nach, ermittelt wird auch gegen den Vorstandschef. Aus dem gleichen Grund läuft auch in München ein Ermittlungsverfahren, in dem Enders allerdings nicht zu den Beschuldigten zählt.

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