Serie Mittelstand: In der Krise liegt die Kraft

In einer DMN-Serie stellen wir einige Strategien vor, warum die deutschen Unternehmen weltweit so erfolgreich sind.

Für Familienunternehmen gilt es, in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung auf Änderungen des Marktes schnell und überlegt zu reagieren und entsprechend auch Wachstumschancen zu ergreifen. Doch selbst Mittelständlern mit einer hohen Eigenkapitalquote und einem guten Jahresgewinn kann eine neue Investition zum Verhängnis werden. Dann gilt es, nicht nur den Schaden zu begrenzen, sondern ein wirklich profundes Restrukturierungsprogramm zu entwerfen.

Wie schnell sich die Dinge ändern können, musste auch der deutsche Hersteller für Dübel und Befestigungslösungen DÜBFIX (Name von der Red. geändert) feststellen. Das Unternehmen wurde Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gegründet und hatte zu seinen besten Zeiten 600 Mitarbeiter sowie vier Standorte.

Um weiter zu wachsen, entschied sich die Geschäftsführung mit dem Beirat, innerhalb von zwei Jahren zehn Millionen Euro für ein neues Werk in Spanien und die Entwicklung einer neuen Dübel-Produktionslinie zu investieren. Die Geschäfte liefen gut, doch das Unternehmen konnte die zehn Millionen Euro nicht selbst tragen. Also holte sich DÜBFIX Unterstützung von Banken, was sie mit einer Reduzierung der Eigenkapitalquote auf unter 20 Prozent bezahlen mussten.

Als 2007/2008 die Finanzkrise kam, wurde dies dem Unternehmen zum Verhängnis. Der Umsatz brach ein, fast das gesamte Eigenkapital war verloren, die Insolvenz drohte. Entsprechend nervös wurden die Banken, die auf die Rückzahlung ihrer Kredite drängten. Nachdem ein Beiratsmitglied ausgetauscht worden war, wurde ein Sanierungskonzept entworfen und den Gesellschaftern – insgesamt 20 Familien – vorgelegt.

Geplant war, nicht notwendige Immobilien zu verkaufen. Daraufhin erhöhten die Gesellschafter ihre Einlagen um 1,7 Millionen Euro. Nachdem der Beirat und der Fremdgeschäftsführer ebenfalls eine Kapitalerhöhung vorgenommen hatten, konnte das Unternehmen eine Kapitalerhöhung im Wert von drei Millionen Euro nachweisen. Damit lag die Eigenkapitalquote wieder bei über 20 Prozent.

Das Vertrauen der Banken wurde gestärkt, der Restrukturierungsplan wurde umgesetzt. Dazu gehörten das Ausscheiden eines Drittels der Belegschaft, die Verkleinerung der Geschäftsführung und eine Neuaufstellung des italienischen Werkes, das nach einer umfassenden Prüfung als sehr unwirtschaftlich eingestuft wurde. Der Plan funktionierte. Nach drei Jahren lag das Ebit bei sieben Prozent, 2013 dann sogar bei 12 Prozent.

Die Zahlen waren so gut, dass sich ein ausländischer Konkurrent für DÜBFIX interessierte. Vier Mal erhöhte dieser sein Angebot. Der Beirat war skeptisch, da die Geschäfte gut liefen. Doch die Gesellschafterversammlung stimmt zu 90 Prozent dem Verkauf zu.

„Tatsächlich konnten durch individuelle Angebote neue Großkunden gewonnen werden. Und bestehende Kunden entdeckten die Innovationskraft von DÜBFIX und ließen sich spezifische Lösungen für ihre Produkte entwickeln und liefern“, so Heiner Kübler und Carl A. Siebel.

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