Credit Suisse sucht mit Kapitalerhöhung Befreiungsschlag

Die Credit Suisse hat den Börsengang der Schweizer Tochter abgeblasen und forciert eine neue Kapitalerhöhung.

Weniger als eineinhalb Jahre nach der letzten Kapitalerhöhung versucht die Credit Suisse erneut, Anleger um neues Geld zu bitten. Rund vier Milliarden Franken will sich die zweitgrößte Schweizer Bank am Markt besorgen und damit die Debatte um eine zu dünne Kapitaldecke beenden. Mit der Transaktion soll die Kernkapitalquote auf 13,4 Prozent von derzeit 11,7 Prozent steigen. Den geplanten Teil-Börsengang des Schweizer Geschäfts bläst die Credit Suisse dagegen ab, wie das Institut mitteilte.

„Indem wir jetzt Kapital aufnehmen, können wir unser Wachstum fortsetzen“, erklärte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Zudem erlaubten die frischen Mittel der Bank, den Konzernumbau abzuschließen. Das Ergebnis des ersten Quartals 2017 belege, dass das Institut gut unterwegs sei. In den ersten drei Monaten des Jahres fuhr die Credit Suisse dank eines florierenden Anleihegeschäfts mit 596 Millionen Franken den höchsten Quartalsgewinn seit eineinhalb Jahren ein.

Mit dem über den Erwartungen liegenden Ergebnis dürfte es der Bank einfacher fallen, bei den Aktionären für eine Kapitalerhöhung zu werben. Am 18. Mai sollen die Eigner auf einer außerordentlichen Generalversammlung grünes Licht für die Transaktion geben. Der erste Handelstag der neuen Aktien sei für den 8. Juni geplant. Ein Bankenkonsortium bestehend aus Deutsche Bank und Morgan Stanley habe zugesagt, die Aktien zu übernehmen.

Unterdessen geht Rohner angeschlagen in sein bislang wichtigstes Kräftemessen mit den eigenen Aktionären. Wenn die Eigner auf der Generalversammlung über die Vergütung der Top-Manager abstimmen, dürfte der frühere Hürdensprinter heftigen Gegenwind spüren. Erstmals ist sogar eine Niederlage nicht ausgeschlossen. Noch immer wehren sich einflussreiche Stimmrechtsberater dagegen, dass die Führungsriege nach zwei Jahren mit hohen Verlusten dicke Prämien bekommen soll. Eine Abfuhr wäre eine Schmach von historischem Ausmaß, denn noch nie wurden Management-Boni oder Verwaltungsratslöhne bei einem Schweizer Großkonzern abgelehnt.

„Das Vertrauen in die Bank ist auf dem Tiefpunkt“, erklärt Ethos-Direktor Vincent Kaufmann. Seine Anlagestiftung, die drei bis vier Prozent der Credit-Suisse-Aktionäre bei ihrer Stimmrechtsausübung berät, hat offen zur Abwahl von Rohner aufgerufen. Die Ethos angeschlossenen Pensionskassen verloren seit Rohners Wahl im Jahr 2011 fast 60 Prozent ihres Einsatzes. Alleine in den vergangenen zwei Jahren häufte der Konzern Verluste von insgesamt 5,7 Milliarden Franken an. Nun droht also eine Kampfabstimmung auf der Generalversammlung. Einem Vertrauten zufolge ist Rohner überzeugt, sich auf ganzer Linie durchzusetzen. Dabei kann er sich durchaus auf einige Großaktionäre wie den US-Fonds Harris und den norwegischen Staatsfonds verlassen. Auf der Gegenseite stehen vor allem die großen Stimmrechtsberater ISS, Glass Lewis und Ethos, die gemeinsam rund ein Drittel aller Stimmen auf sich vereinen können.

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