Verfassungsschutz: Cyber-Angriffe sind eine wachsende Gefahr

Wenn alles vernetzt ist, macht das vieles einfacher, aber auch risikoreicher. Attacken bleiben lange unentdeckt.

Die Industrie 4.0 bringt Schwung in die digitale Infrastruktur. (Foto: Flickr/Christopher Cook/CC BY 2.0)

Die Industrie 4.0 bringt Schwung in die digitale Infrastruktur. (Foto: Flickr/Christopher Cook/CC BY 2.0)

Mit der digitalen Vernetzung wächst nach Einschätzung von Verfassungsschützern die Gefahr für deutsche Unternehmen, Opfer von Cyber-Attacken zu werden. „Je mehr vernetzt ist, desto mehr Angriffsmöglichkeiten gibt es“, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen in Berlin bei einer Fachkonferenz zum Thema Wirtschaftsspionage und Wirtschaftsschutz. Die Digitalisierung führe zu unvorstellbaren Risiken und Verwundbarkeiten.

Zum Teil würden Cyber-Attacken bei Firmen erst mit einer Verzögerung von sechs Monaten oder einem Dreivierteljahr entdeckt, beklagte er. Die Angriffe seien zum Teil so gut gemacht, dass die Angriffstrojaner nach der Attacke vernichtet und alle Spuren verwischt würden. Dann lasse sich nur noch der Schaden feststellen – etwa dadurch, dass ein anderer Hersteller ein baugleiches Produkt auf den Markt bringe.

Genaue Angaben zur Zahl der Attacken gebe es nicht – auch nicht zum Schaden für Firmen, sagte Maaßen. „Wir wissen nicht, wie viele Angriffe auf die Wirtschaft stattfinden.“ Einer Schätzung zufolge liege der jährliche Schaden durch solche Angriffe in Deutschland bei 50 Milliarden Euro. Er beklagte, in der Wirtschaft sei das Thema Cyber-Sicherheit noch nicht ausreichend verankert, vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Firmen stünden unter großem Veränderungsdruck; der Sicherheitsaspekt rücke da zum Teil in den Hintergrund.

„Die Möglichkeiten der Spionage werden ausgeweitet“, mahnte er. Das Spektrum möglicher Angriffsziele sei aber insgesamt enorm. Denkbar seien zum Beispiel auch Cyber-Attacken auf selbstfahrende Fahrzeuge oder netzverbundene Herzschrittmacher. Neben eigenen wirtschaftlichen Interessen der Angreifer gebe es auch andere Motive, wie etwa Erpressung.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz berät Firmen auf unterschiedlichen Wegen über Bedrohungen und Schutzvorkehrungen – zum Beispiel mit Workshops, Handbüchern oder Veranstaltungen. Einmal jährlich gibt es eine gemeinsame Tagung der Behörde mit der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW Bundesverband).

Deren Vorstandsvorsitzender Volker Wagner sagte: „Die Cyber-Bedrohung ist akut.“ Trotz aller Abwehrmaßnahmen in den vergangenen Jahren hätten die Sicherheitsvorkehrungen mit den Angriffen nicht Schritt gehalten. „Alles, was gehackt werden kann, wird früher oder später auch gehackt werden.“

Maaßen warb dafür, dass Sicherheitsbehörden auch aktiv gegen Angriffsstrukturen vorgehen können. Wenn solche Strukturen entdeckt würden, müsse es auch möglich sein, sie zu beschädigen oder zu vernichten. „Die Frage ist, wer es macht und auf welcher Rechtsgrundlage.“

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