Weltmärkte bereiten dem Maschinenbau Sorgen

Politische Missstände und die schwächelnde Konjunktur der Hauptabsatzmärkte verunsichern den deutschen Mittelstand.

Banger Blick auf die Weltmärkte im deutschen Maschinenbau: Die Branche fürchtet angesichts globaler politischer und wirtschaftlicher Turbulenzen um ihre Exportstärke und ist deswegen pessimistischer als andere deutsche Mittelständler. Derzeit bezeichnen zwar 54 Prozent – und damit über die Hälfte – der mittelständischen Maschinenbauer ihre wirtschaftliche Lage als gut. Im gesamten Mittelstand fällt die Bewertung bei 59 Prozent der Unternehmen allerdings positiver aus. In Branchen wie Transport und Verkehr oder der Chemisch-pharmazeutischen Industrie schätzen sogar zwei Drittel der Befragten die Lage als gut ein.

Auch beim Blick auf die kommenden sechs Monate hellt sich die Stimmung im Maschinenbau kaum auf: Nur 35 Prozent glauben, dass sich die Geschäftslage verbessern wird. Das liegt unter dem Durchschnitt des gesamten Mittelstandes von 38 Prozent und deutlich unter den Werten von Branchen wie der Elektrotechnik (50 Prozent) oder der Ernährung, des Handels sowie des Kraftfahrzeugbaus (jeweils 44 Prozent).

Entsprechend ist das Geschäftsklima – das sich aus den Salden der Geschäftslage und der Erwartungen ergibt – mit 45,7 Punkten das drittschlechteste des gesamten Mittelstandes. Nur die Metallerzeugung und -bearbeitung (45,2) und die Energie- und Wasserversorgung (43,1) kommen auf niedrigere Werte.

Das sind Ergebnisse des Maschinenbaubarometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Befragt wurden insgesamt 3.000 mittelständische Unternehmen, davon 450 aus dem Maschinenbau.

Die mäßige Stimmung erklärt sich vor allem aus der hohen Exportabhängigkeit des deutschen Maschinenbaus: Die Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern kamen im Jahr 2016 auf einen Rekordumsatz von 228 Milliarden Euro. Die Exporte betrugen 169 Milliarden Euro. Doch ausgerechnet die wichtigsten Auslandsmärkte wachsen nicht mehr wie früher oder haben mit politischen Unsicherheiten zu kämpfen.

So nennen inzwischen 62 Prozent der Maschinenbauer die schwache Konjunkturentwicklung im Ausland als größte Gefahr für die Entwicklung des eigenen Unternehmens. Im gesamten Mittelstand ist der Anteil mit 40 Prozent deutlich niedriger. Deutlich stärker als bei anderen Mittelständlern ist auch die Sorge vor geopolitischen Spannungen und Kriegen – 47 Prozent der Maschinenbauer aber nur 28 Prozent des gesamten Mittelstandes treibt dies um. Den Fachkräftemangel bezeichnet die Hälfte der Unternehmen als Gefahr für die Entwicklung.

Trotz der Sorgen erwarten die Maschinenbauer einen erneuten Rekordumsatz im laufenden Jahr: Um durchschnittlich 1,8 Prozent soll der Umsatz nach ihren Erwartungen steigen.

EY-Partner Stefan Bley erwartet ein weiteres Jahr für den deutschen Maschinenbau, in dem es heißt: „fahren auf Sicht“. Denn: „Ob die Branche 2017 einen erneuten Umsatzrekord einfahren kann, hängt auch stark von der Entwicklung der globalen Konjunktur ab. Der Auftragseingang hat sich in den vergangenen Monaten laut VDMA stabil entwickelt (im Januar +9 Prozent). In wichtigen Auslandsmärkten bestehen zwar weiterhin politische Risiken, mit 40 Prozent bildet der Exportanteil innerhalb der EU aber eine stabile Basis. Zudem können die deutschen Mittelständler mittlerweile wieder auf einen stabilen Inlandsmarkt zählen. Unsicher bleibt, ob das in Summe ausreicht, wenn das Auslandsgeschäft außerhalb der EU zurückgehen sollte.“

Vier wichtigste Exportmärkte mit Unsicherheiten

Ausgerechnet die vier wichtigsten Exportmärkte des deutschen Maschinenbaus haben mit Problemen zu kämpfen: Die USA, China, Frankreich und das Vereinigte Königreich kaufen die meisten Maschinen „Made in Germany“. „Allerdings hat die neue US-Regierung bereits hohe Zölle auf Produkte aus Deutschland ins Spiel gebracht. Die Wachstumsraten in China sind längst nicht mehr so hoch wie noch vor Jahren. Das absolute Niveau insbesondere in China ist aber immer noch sehr hoch. In Frankreich stehen in diesem Jahr wichtige Wahlen an. Und das Vereinigte Königreich hat derzeit mit seinem Ausstieg aus der EU zu tun“, beschreibt Bley die Lage.

In dieser Situation kommt auf die Maschinenbauer einer der größten Wandel der jüngeren Vergangenheit zu: Die Unternehmen müssen sich auf die Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft einstellen. Digitale Technologien spielen bereits für das Geschäftsmodell mehr als der Hälfte (59 Prozent) der Maschinenbauer eine Rolle. In den kommenden fünf Jahren wird die Bedeutung noch deutlich zunehmen. Insgesamt 86 Prozent erwarten, dass sie steigen wird.

Die wichtigsten Anwendungsfelder im Maschinenbau sind die Kundenbeziehungen, die bei 67 Prozent der Unternehmen bereits ganz oder teilweise auf digitalem Weg stattfinden, mobile Endgeräte (58 Prozent) wie Tablets oder Smartphones und die automatisierte Produktion, die von 35 Prozent auf 52 Prozent am deutlichsten zugenommen hat.

Fehlendes Personal verhindert Investitionen in Digitalisierung

Die Unternehmen haben vor allem mit hohen Kosten und dem leergefegten Arbeitsmarkt zu kämpfen. In der jährlichen EY-Umfrage zum Industrie-4.0-Status in 700 Unternehmen der Fertigungsindustrie in Deutschland nennen 66 Prozent hohe Investitionen und 61 Prozent den Fachkräftemangel als größte Hindernisse für die Einführung von Industrie 4.0. Die im Rahmen des Maschinenbau-Barometers befragten Unternehmen bestätigten diesen Trend, wobei der Effekt bei den Maschinenbauern leicht höher ausfällt als im gesamten deutschen Mittelstand.

„Maschinen ‚Made in Germany‘ haben international einen guten Ruf“, stellt Bley fest. „Sie sind eindeutig im Premiumbereich anzusiedeln und entsprechend teuer im Vergleich zur Konkurrenz beispielsweise aus China. Der hohe Preis lässt sich aber künftig nur dann weiter am Markt durchsetzen, wenn die Unternehmen innovativ sind und technologisch vorangehen. Umso gefährlicher ist es, wenn manche Maschinenbauer nötige Investitionen in die Digitalisierung verpassen, weil ihnen das Geld oder das Personal fehlt.“

Künftig würden deshalb nicht mehr nur die klassischen Ingenieure gefragt sein, sondern zunehmend auch IT-Experten oder Softwareentwickler. Ob dies unterm Strich zu einem Beschäftigungszuwachs führt, oder ob dafür an anderer Stelle auf Neueinstellungen verzichtet wird, muss sich noch zeigen. Zuletzt stieg die Beschäftigung nur leicht um 1.100 auf 941.000 Mitarbeiter.

„Viel hängt jetzt an der Fähigkeit der Unternehmen, Fachkräfte aus anderen Bereichen anzuziehen. Zudem müssen sie sich auf volatile Märkte und Rohstoffpreise einstellen. Die Maschinenbauer sollten sich im Rahmen der Digitalisierung nicht nur auf Effizienz und Kostensenkung in Fertigung und Montage beschränken sondern möglichst unabhängig von einzelnen Märkten machen und diversifizieren. Neue oder erweiterte Geschäftsmodelle auf Basis digitalisierter Produkte zum Beispiel im Service bieten hierzu viele Chancen und werden zur neuen Normalität“, sagt Bley abschließend.

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