Positive Daten sorgen für gute Stimmung im Mittelstand

Das Wachstum in der Eurozone überzeugt vorerst auch kritische Stimmen. Denn das Plus übersteigt sogar das der USA.

Die Stimmung bei kleinen und mittleren Unternehmen ist einer Umfrage zufolge derzeit so gut wie seit mindestens 26 Jahren nicht mehr. Das von der KfW-Bank und dem Ifo-Institut berechnete Mittelstandsbarometer kletterte im April um 4,4 auf 24,9 Punkte. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Datenerhebung 1991. Die Betriebe bewerteten sowohl ihre Lage als auch ihre Aussichten zuversichtlicher. Auch bei den Großunternehmen verbessert sich das Geschäftsklima insgesamt – allerdings nur wegen der besseren Lage. Diese Firmen blickten etwas weniger optimistisch nach vorne als zuletzt.

Vor allem im Einzelhandel ging es bergauf. „Politische Risiken treten offenbar zunehmend in den Hintergrund, während die besonders für den Mittelstand wichtige Binnenkonjunktur weiter rund läuft“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Die Daten signalisierten „ein dynamisches und breit gestütztes Wirtschaftswachstum auch im zweiten Quartal“. Für die Zeit danach hellten sich die Aussichten ebenfalls auf. Bereits Anfang des Jahres dürfte die Wirtschaft kräftig gewachsen sein. Zahlen zum ersten Quartal werden am 12. Mai veröffentlicht.

Die KfW sieht zwar weiter „Unwägbarkeiten“ wegen der Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump und dem EU-Austritt Großbritanniens. Dennoch zeigte sich Zeuner optimistisch. „Mit schwindenden Risiken dürfte sich der Investitionsstau in den Unternehmen zu lösen beginnen und für einen zusätzlichen Konjunkturimpuls sorgen.“

Einer der Hauptgründe der positiven Stimmung dürfte die gute Lage der Wirtschaft in der Euro-Zone sein. Die Euro-Zone hat die weltgrößte Volkswirtschaft USA zu Jahresbeginn beim Wachstum abgehängt. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal zu – mehr als doppelt so stark wie in den USA. Das geht aus einer ersten Schätzung des Statistikamts Eurostat hervor. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit diesem Ergebnis gerechnet, nachdem es im Schlussquartal 2016 ebenfalls ein Plus von revidiert 0,5 (bisher: 0,4) Prozent gegeben hatte.

„Es ist doch erstaunlich, wie stark sich die Euro-Zone zeigt“, sagte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. „Lange Zeit galt die Währungsunion als kranker Mann, doch davon kann derzeit keine Rede sein.“ Der niedrige Euro-Kurs kurbelt die Exporte an, die zudem von der besseren Weltkonjunktur profitieren. Auch der private Konsum dürfte das Wachstum stützen, obwohl die Kaufkraft unter der höheren Inflation leidet. Dafür ist die Arbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten merklich gesunken.

Zu den am schnellsten wachsenden Euro-Ländern gehört Spanien. Hier nahm das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,8 Prozent zu. Dagegen schaffte die französische Wirtschaft nur ein Plus von 0,3 Prozent. „Kommt es (…) zu einem Wahlsieg von Emmanuel Macron, wachsen die Chancen auf Reformen“, so Gitzel. „Gezielte Liberalisierungsschritte am Arbeitsmarkt könnten am Ende große Wirkung zeigen und für neue Dynamik der zuletzt lahmen französischen Volkswirtschaft sorgen.“ Eine erste Schätzung für Deutschland wird erst kommende Woche veröffentlicht. Ökonomen sagen hier ein Wachstum von etwa 0,5 Prozent voraus.

Nach dem guten Jahresauftakt könnte die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung einiger Volkswirte ihre Wachstumsprognose von derzeit 1,8 Prozent für die Euro-Zone im Gesamtjahr 2017 nach oben korrigieren. „Doch dies bedeutet nicht, dass die EZB bald aus ihrer ultra-expansiven Geldpolitik aussteigt“, sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil. „Zum einen gehen wir davon aus, dass das höhere Wirtschaftswachstum nicht nachhaltig ist, denn in der zweiten Jahreshälfte dürften insbesondere die Impulse von der Weltwirtschaft wieder etwas nachlassen.“ Zum anderen sei die Kerninflation – also die Verbraucherpreise ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel – nach wie vor schwach.

Die EZB hält ihren Leitzins seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent. Damit sowie dem Kauf von Wertpapieren will sie die Konjunktur und die Inflation anschieben.

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