Studie: Österreicher unzufriedener mit dem Staat

Gemessen an geistigem und materiellem Eigentum zählt Österreich laut einer Studie zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Doch den Menschen mangelt es an Zufriedenheit.

Um zu beurteilen, wie sich Wohlbefinden und Zufriedenheit in einer Gesellschaft entwickeln, reicht es nicht aus, allein das Wirtschaftswachstum im Auge zu behalten: Diese Erkenntnis ist heute eine Binsenweisheit unter Ökonomen. Doch alternative Wohlstandsindikatoren zu entwickeln, die Beachtung finden, ist ebenfalls nicht einfach. Genau das versucht das in London ansässige Legatum Institute. Die Denkfabrik versucht mit einem eigenen Index (Legatum Prosperity Index) die Entwicklung in 149 Ländern zu vergleichen. Nun wurden die Ergebnisse der Wohlstandsmessung 2016 in Wien präsentiert, berichtet der Standard.

Die Ergebnisse für Österreich fallen gut aus. Österreich ist eines der wohlhabendsten Länder der Welt – eben nicht nur gemessen an der Wirtschaftsleistung, sondern auch, was Bildung, Gesundheit, Sicherheit, persönliche Freiheit und Umwelt betrifft. Im Ranking belegt Österreich Platz 15. Doch die Entwicklung in Österreich ist weniger erfreulich als in Ländern wie Deutschland, Schweden und Australien. Das liegt laut Legatum daran, dass Österreich beim Faktor „Sozialkapital“ den Anschluss zur Spitzengruppe verloren hat.

Mit „Sozialkapital“ versucht Legatum zu messen, wie zufrieden die Menschen in Österreich mit sozialen Bindungen sind und wie groß ihr Vertrauen in Institutionen ist. Als Basis für diese Auswertung stützt sich die Denkfabrik auf Umfragen des Gallup-Instituts. Dabei wird etwa abgefragt, ob jemand „Freunde hat, auf die er vertraut“ oder wie groß das Vertrauen in die Polizei ist. Im vergangenen Jahrzehnt ist das Sozialkapital Österreichs um acht Prozent zurückgegangen. Laut Legatum ist das eine Folgewirkung des schleppenden Wirtschaftswachstums: Die schwache Entwicklung führe dazu, dass wechselseitige private finanzielle Unterstützung notwendiger wird, aber auch schwieriger zu leisten ist.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Tom Schäfer sagt:

    Vielleicht geht es ja bei der Beurteilung des Staates den Menschen nicht mehr nur um Wohlstand, vielleicht sind mittlerweile andere Parameter, wie Redlichkeit,… mehr in den Vordergrund gerückt?

    Damit in indirektem Zusammenhang steht auch die jährlichen Statistiken, die den Menschen immer wieder suggerieren sollen, wie gut es ihnen geht. Allein die Bürger merken mittlerweile, dass es sich nicht so verhält.