Deutsche Unternehmen sehen Russland positiver

Die deutsche Wirtschaft spricht sich mehrheitlich gegen die Sanktionen aus. Die Folgen seien gravierend spürbar.

Die deutsch-russischen Beziehungen rosten zunehmend ein. (Foto: Flickr/spDuchamp/CC BY 2.0)

Die deutsch-russischen Beziehungen rosten zunehmend ein. (Foto: Flickr/spDuchamp/CC BY 2.0)

Trotz der anhaltenden Krise in Russland sehen die deutschen Unternehmen im Land eine deutliche Verbesserung der Beziehungen. Der Warenverkehr zwischen Deutschland und Russland sei im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 43 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro gestiegen, teilte die Auslandshandelskammer (AHK) in Moskau mit. Die Exporte aus Deutschland haben nach Angaben der russischen Zollbehörde im gleichen Zeitraum um mehr als 26 Prozent zugelegt, die Exporte aus Russland um rund 55 Prozent. Als Gründe nannte die AHK die verbesserte Gesamtlage der russischen Wirtschaft und die Erholung des Ölpreises.

Eine Umfrage unter in Russland tätigen deutschen Unternehmen ergab, dass reale Wirtschaftsprobleme mehr Sorgen bereiten als der politische Streit.

Als die schwerwiegendsten aktuellen Störfaktoren nannten jeweils rund 60 Prozent der Unternehmen Inflation und Wechselkurs sowie die konjunkturelle Lage. Ein erheblicher Teil der Unternehmen (mehr als ein Drittel) sieht sich außerdem durch die Sanktionen, die Bürokratie und Probleme bei der Finanzierung beeinträchtigt. Strukturelle Probleme wie die Steuerbelastung, die Rahmenbedingungen für Mittelständler oder die Visa- und Migrationsbestimmungen spielen demgegenüber aktuell eine geringere Rolle.

Trotzdem fordern die von der AHK befragten Unternehmen mit überwältigender Mehrheit (91 Prozent) einen Abbau der Sanktionen: 49 Prozent der Befragten plädieren dabei für die sofortige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen (2016: 60 Prozent), weitere 42 Prozent fordern deren schrittweisen Abbau (2016: 28 Prozent). Nur acht Prozent der befragten Unternehmen sprechen sich für eine Beibehaltung der Sanktionen aus (2016: zehn Prozent), ein Prozent (2016: zwei Prozent) fordert eine weitere Verschärfung.

Hinsichtlich der Chancen für eine baldige Lockerung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland sind die Unternehmen allerdings skeptisch: Nur 29 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer Lockerung noch im laufenden Jahr. Gut die Hälfte erwartet, dass die Sanktionen 2018 gelockert werden. Ein Fünftel der Unternehmen geht davon aus, dass die Sanktionen über 2018 hinaus bestehen bleiben.

Die Furcht vor einer Orientierung der russischen Wirtschaft Richtung Asien hat gegenüber vorangegangenen Umfragen weiter abgenommen. Nur 14 Prozent der befragten Unternehmen befürchten, dass Russland sich China und Asien zuwendet, zwei Jahre zuvor war es noch fast die Hälfte. Trotz der Wirtschaftssanktionen und des angespannten politischen Klimas zwischen Russland und dem Westen meinen unverändert 18 Prozent der befragten Firmen, dass die EU der bevorzugte Wirtschaftspartner Russlands bleibt. 59 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sowohl die EU als auch China für Russland wichtige Wirtschaftspartner bleiben (2016: 50 Prozent). Für weniger bedeutend halten die Unternehmen die Rolle der Eurasischen Wirtschaftsunion: Nur neun Prozent der Befragten erwarten, dass Russland sich auf diesen Wirtschaftsraum konzentriert (2016: 17 Prozent).

Die befragten Unternehmen teilen die Sorge vor einer wachsenden Energieabhängigkeit von Russland mehrheitlich nicht: 56 Prozent von ihnen wünschen sich vielmehr einen Ausbau der Energiebeziehungen zwischen Russland und der EU. Gut ein Drittel meint, dass diese Beziehungen auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben sollten, und nur ein Zehntel der Befragten spricht sich für eine Reduzierung der Kooperation im Energiesektor aus.

Eine gravierende Folge der Sanktionen sind allerdings die verstärkten Bemühungen der russischen Regierung um Importsubstitution und Lokalisierung. Sie führen zu protektionistischen Tendenzen in Russland, die die deutschen Unternehmen zu spüren bekommen. Mit Abstand am häufigsten wurden von den Unternehmen dabei öffentliche Ausschreibungsverfahren, Einfuhrbeschränkungen und Genehmigungsverfahren genannt. Eine geringere Rolle spielen dagegen Schutzzölle, spezielle Sicherheitsanforderungen, technische Barrieren und (phyto)sanitäre Vorschriften. Rund ein Drittel der befragten Unternehmen sieht sich von protektionistischen Maßnahmen nicht betroffen.

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