Deutschland und Österreich einigen sich im Strom-Streit

Deutschland und Österreich haben sich im Streit um den Umfang gehandelter Strommengen geeinigt. Beide Seiten zeigten sich zufrieden.

Deutschland und Österreich haben ihren Streit um den Stromhandel beigelegt. Ab Oktober 2018 wird der unbegrenzte Stromverkauf von Deutschland nach Österreich eingeschränkt, wie das deutsche Wirtschaftsministerium und der österreichische Regulierer E-Control mitteilten. Das Problem ist bisher, dass die Leitungen an der Grenze derzeit nicht allen gehandelten Strom transportieren können. Jetzt sollen noch maximal 4900 Megawatt täglich zwischen den Ländern gehandelt werden können, was laut E-Control etwa der Hälfte des österreichischen Verbrauchs zu Spitzenzeiten entspricht. An manchen Tagen waren es jedoch bis zu 9000 Megawatt. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnete vor, der unbegrenzte Handel habe zu Mehrkosten für den deutschen Stromkunden von mehreren Hundert Millionen Euro geführt.

Hintergrund ist, dass Deutschland und Österreich einen quasi einheitlichen Strommarkt haben, obwohl wegen fehlender Netze nicht alle Strommengen geliefert werden können. Dies ist historisch bedingt und eine Ausnahme im europäischen Stromhandel, der sich praktisch an allen Grenzen nach den Leitungskapazitäten richtet. Aufgrund der niedrigen Großhandelspreise – auch durch Förderung und Ausbau des Ökostroms in Deutschland – wird jedoch immer mehr Energie exportiert. Österreich ist auch deshalb ein großer Kunde, weil zu Zeiten besonders niedriger Preise – etwa wenn Windräder auf Hochtouren laufen – Wasserkraftwerksbetreiber wie Verbund billigen Strom kaufen und damit Wasser den Berg hinauf pumpen. In Zeiten höherer Preise wird das Wasser wieder abgelassen, dabei Strom erzeugt und zurück nach Deutschland verkauft.

Österreich profitiert davon, für die deutsche Seite ist das zunehmend ein Ärgernis: Wenn der Strom wegen fehlender Netze nicht geliefert werden konnte, musste Deutschland Reservekraftwerke in Österreich mieten, die dann die Kunden belieferten. Die Kosten trugen alle deutsche Stromkunden über die Netzumlage. Bezahlen müssen sie auch Kraftwerke auf der deutschen Seite, die eigentlich liefern wollten, aber wegen der Engpässe nicht können.

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