Versicherer laufen Banken in der Schweiz den Rang ab

Die Versicherungsbranche wird für die Schweizer Volkswirtschaft immer wichtiger. Das Bankgewerbe hat dagegen mit Problemen zu kämpfen.

Die Schweizer Versicherungsbranche ist einer jüngst veröffentlichten Statistik zufolge auf dem besten Weg, den Geldhäusern in puncto volkswirtschaftlicher Bedeutung den Rang abzulaufen. Bereits im kommenden Jahr könnte es soweit sein, wenn sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzt. Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SIF) zufolge nahm der Beitrag der Banken zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den letzten zehn Jahren mit einer Ausnahme stetig ab – von 8,2 Prozent im Jahr 2007 auf 4,9 Prozent im vorigen Jahr. Der BIP-Anteil der Versicherer blieb dagegen in diesem Zeitraum weitgehend stabil und betrug zuletzt 4,5 Prozent.

Zu schaffen machten den Großbanken UBS und Credit Suisse sowie den für ihre Diskretion bekannten Privatbanken in Zürich und Genf die Folgen der Finanzkrise und die Umwälzungen in der Branche. „Sie haben in den letzten Jahren natürlich einen großen Strukturumbruch erlebt“, sagte Martin Eling, Professor am Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen. „Der findet in der Assekuranz sicherlich auch ein Stück weit statt, aber nicht im gleichen Ausmaß, wie er bei den Banken zu beobachten ist.“

Die Digitalisierung etwa hat bei den Banken tiefere Spuren hinterlassen als bei den Versicherern. Das Umfeld für Investitionen ist heute transparenter, die Anlageberatung weniger gefragt, was die Gebühreneinnahmen schmälert. Auch Niedrigzinsen, die Handelsflaute bei den Kunden und die Konkurrenz durch neue Anbieter drücken auf die Erträge. Nicht zu vergessen der Reputationsverlust durch die weltweite Jagd auf Steuersünder.

Das Geschäftsmodell der Versicherer ist dazu auf längere Frist ausgelegt und folgt stärker makroökonomischen Entwicklungen. Denn mit zunehmendem Wohlstand steigt die Nachfrage nach Risikoschutz. „Es gibt drei Haupttreiber für die Versicherungsprämien: BIP-Wachstum, Bevölkerungswachstum und die Zunahme versicherbarer Risiken“, sagte Yamin Gröninger vom Beratungsunternehmen EY. Das Schweizer BIP ist in den letzten zehn Jahren um rund 20 Prozent gewachsen und die Bevölkerung hat rund elf Prozent zugenommen.

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