Bauboom in Deutschland droht sich abzuschwächen

Erstmals seit fünf Jahren gibt es weniger Baugenehmigungen in Deutschland. Ein Um- oder Ausbau erscheint mittlerweile ebenso wenig attraktiv wie ein Einfamilienhaus.

Experten rechnen in diesem Jahr mit 310.000 bis 320.000 neuen Wohnungen. (Foto: Flickr/Schnittstelle Baustelle)

Experten rechnen in diesem Jahr mit 310.000 bis 320.000 neuen Wohnungen. (Foto: Flickr/Schnittstelle Baustelle)

Von Januar bis März nahm die Zahl der Baugenehmigungen um 5600 oder 6,6 Prozent auf 79.000 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ab. Das war der erste Rückgang in einem Quartal seit fünf Jahren, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Allerdings verlief die Entwicklung je nach Wohnungstyp sehr unterschiedlich.

Gegen den Trend wuchsen die Genehmigungen für den Bau neuer Mehrfamilienhäuser mit mindestens drei Wohnungen um 5,5 Prozent, so Reuters. Sie erreichten mit 37.600 den höchsten Quartalswert sei 20 Jahren. Auch bei Wohnheimen gab es eine Zunahme, und zwar um 2,2 Prozent. Dagegen fiel die Nachfrage für den Um- und Ausbau bestehender Häuser – etwa das Aufstocken mit Dachgeschosswohnungen – um drei Prozent. Auch bei Einfamilienhäusern (-15,3 Prozent) und Zweifamilienhäusern (-7,2 Prozent) gab es Rückgänge.

Der Baubranche profitiert seit längerem von niedrigen Zinsen. Dadurch leisteten sich in den vergangenen Jahren immer mehr private Bauherren die eigenen vier Wände, während Investoren mangels attraktiver Anlagealternativen viel Geld in Immobilien stecken. Auch der Zuzug von Flüchtlingen und in Ballungsräume treibt die Nachfrage nach Wohnungen nach oben. Experten rechnen in diesem Jahr mit 310.000 bis 320.000 neuen Wohnungen. Der von der Bundesregierung geschätzte jährliche Bedarf von 350.000 Wohnungen würde damit aber verfehlt.

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