Sachsen wird zum Zentrum der Elektro-Mobilität

Deutsche Autobauer rüsten sich in Sachsen zur Offensive gegen Tesla. Batteriefabriken sollen dafür den Grundstein legen.

Das Bundesland Sachsen wird in den kommenden Jahren zum Zentrum für Elektro-Mobilität in Deutschland avancieren. Alle großen Autobauer des Landes werden dort ihre Präsenz in der zukunftsträchtigen Branche verstärken oder verfügen bereits über erhebliche Kapazitäten, berichtet die Financial Times.

Porsche fertigt bereits alle seine Hybrid-Fahrzeuge in Sachsen. Volkswagen stellt seine elektrisch angetriebenen Golfs in Dresden her und plant, ab dem Jahr 2020 mit der Produktion des selbstfahrenden Elektroautos „I.D“ im Werk Zwickau zu beginnen. Konzernchef Matthias Müller hatte vor kurzem angekündigt, die Forschungsausgaben für alternative Antriebe in den kommenden fünf Jahren auf etwa 9 Milliarden Euro zu verdreifachen. BMW baut seine beiden Elektroautos – den Kleinwagen „i3“ und den Sportwagen „i8“ – in Leipzig.

Seit dem Jahr 2012 lässt Daimler zudem seine Lithium-Ionen-Batterien in Kamenz bei Dresden herstellen, die als Antriebsquelle für zehn Elektroauto-Modelle dienen werden, welche der Konzern in den nächsten neun Jahren auf den Markt bringen will. Zu diesem Zweck wurde die zweite Batteriefabrik in dem Ort von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet. „Bis zum Jahr 2020 wird hier eine der weltweit größten Batteriefabriken stehen“, sagt Daimlers Produktionsleiter Markus Schäfer.

Merkel hatte darauf gedrängt, neue Batteriezellen für Elektro-Autos auch in Deutschland entwickeln und bauen zu lassen. „Für die weitere Entwicklung der Elektromobilität wäre es schon wünschenswert, bei den neuen Zelltypen dann auch dabei zu sein, wenn neue Entwicklungen da sind“, sagte die Kanzlerin am Wochenende. „Und wenn wir in der Forschung hier dabei sind – auch bei den Prototypen – dann gibt es, glaube ich, auch bessere Chancen, wieder eine moderne Produktion der nächsten Zellgeneration auch nach Europa und Deutschland zu bekommen“, ergänzte sie. Derzeit müssen die Batteriezellen, die Einzelteile für hierzulande produzierte Batterien, von asiatischen Zulieferern beigesteuert werden.

Merkel sprach die grundlegenden Veränderungen in der Automobilindustrie an, die in der deutschen Industrie eine Schlüsselrolle spielt. Mit Blick auf das Vordringen von Elektro-Antrieben wies sie auf die Entwicklung einer Lithium-Bipolar-Batterie hin. Diese Batterien machten Reichweiten bis zu 1.000 Kilometer möglich. „Wir wissen, dass sich in der Automobilindustrie Grundlegendes ändern wird“. Diese Veränderungen versuche die Regierung mit Hilfe der Plattform „Elektromobilität“ zu begleiten. Das Bundesforschungsministerium fördert nach Merkels Worten die Batterieforschung jährlich mit 35 Millionen Euro. „Wichtiger aber sind noch die Konstruktionen, dass wir also wirklich Cluster bilden und Zentren bilden.“

Sachsen bietet sich nicht zuletzt als Standort für die Batterieproduktion an, weil entlang der Grenze zu Tschechien die größten Lithium-Vorkommen Europas zu finden sind.

Die deutschen Autohersteller sind vergleichsweise spät in die Entwicklung elektrisch angetriebener Autos eingestiegen und haben sich in den vergangenen Jahren vorrangig mit der Expansion in China beschäftigt. Im Gegensatz zum US-amerikanischen Vorreiter Tesla verfügen sie jedoch über gute Voraussetzungen für eine Aufholjagd. Zusammen verbuchten VW, Daimler und BMW 2016 Einnahmen von 464 Milliarden Euro und ein kombiniertes Budget für Forschung und Entwicklung von derzeit etwa 9 Milliarden Euro. Tesla hingegen erwirtschaftet seit Jahren Verluste und gab im vergangenen Jahr umgerechnet etwa 834 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aus.

Kommentare

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  1. Arno-D sagt:

    Man versucht mit der E-Auto-Agenda einen neuen Wirtschaftszyklus loszutreten.
    Tesla spielt da den Türöffner. Rentabel wird so etwas erst, wenn es bis ins letzte Kuhdorf ausgebreitet wurde. Dann wird aber richtig Kasse gemacht.
    Ziel ist es alle Autos durch ein E-Auto zu ersetzen .Das würde nochmal richtig Geld im System in Schwingung bringen. Dazu dann noch die Aufwendungen für R&D bei autonomen Fahreinheiten.
    Am Ende bleibt das jetzige Staatensystem auf der Gewinnerseite:
    mehr Kontrolle der Bürger (Orts-Tracking, Fahrweise, usw.) auch durch Einschränkung der derzeit noch quasi unbegrenzten Mobilität.
    Dass man mit fossiler Energie in der Stromerzeugung derzeit bei ca. 1/3 Wirkungsgrade massiv Energie verschwendet spielt erstmal keine Rolle (damit steigt auch dann der Preis wieder und man hat mehr Steuereinnahmen) bzw. regenerativ über Solar die Akkus, die zum Teil tagsüber geladen werden und dann nachts den Strom in den Auto-Akku Auto übergeben mit deutlichen Verlusten arbeiten, geschweige denn den Akkuverschleiß mit einkalkulieren, ist mehr oder weniger egal.
    Es zeigt sich nur eines, man ist unter Zeitdruck und hat es nicht geschafft schlüssige Konzepte zu entwerfen. Mal schauen was dieses Jahr noch in Finanzwesen kommt.

  2. Volker K. sagt:

    „Tesla hingegen erwirtschaftet seit Jahren Verluste und gab im vergangenen Jahr umgerechnet etwa 834 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aus.“

    Dem möchten die hiesigen Automobilkonzerne auf Steuerzahlerkosten freudig nacheifern – und den Reibach bei den Batterien werden in erster
    Linie offensichtlich die Japaner als Zellenlieferanten machen.

    Die Sachsen können sich freuen, als verlängerte Billiglohn-Werkbank die
    Konfektion durchführen zu dürfen.
    Die Chance, daß die neuen Produktionsstätten so enden, wie die Solarfabriken in Ostdeutschland, ist aus meiner Sicht groß.

    Elektromobile sind seit 100 Jahren nichts Neues und werden ihren Anwendungsfall finden. Nur mit den erträumten Absatzzahlen dürfte es
    so schnell nichts werden. Die Industrie weiß dies, so möchte ich gerne
    unterstellen.

    Der Benzin/Dieselantrieb wird uns noch lange begleiten und es wird
    dem Elektroantriebshype ergehen, wie den sogenannten „erneuerbaren Energien“: Weltmarktanteil unter 2%.