Novartis bald im Kaufrausch? Investoren haben Bauchschmerzen

Viele Investoren sehen mit Skepsis, dass Novartis bald neue große Zukäufe tätigen könnte.

So manchen Großinvestor des Pharmakonzerns Novartis treibt die Sorge vor einem teuren Zukauf um. Das Beispiel der Augenheilsparte Alcon, für die die Schweizer einst viele Milliarden auf den Tisch legten und die dann zum Sanierungsfall mutierte, schürt die Angst vor einem weiteren Megadeal, der schiefgeht. Nicht ohne Grund: Die „Kriegskasse“ von Novartis könnte bald mit 50 Milliarden Dollar gefüllt sein, weil das Unternehmen aus Basel laut über den Verkauf von Beteiligungen an Konkurrenten nachdenkt. Im Gegenzug würde wohl die Krebs-Immuntherapie ausgebaut – wo andere aber schon viel weiter sind. Das sorgt bei einigen mächtigen Aktionären für Unbehagen.

„Ein großer Deal mag einige ihrer Probleme lösen, aber ich persönlich würde es vorziehen, wenn sie kleinere Akquisitionen machen“, sagt ein Großinvestor, der allerdings nicht zum Kreis der Top-20-Eigner zählt. Stephen Anness von Invesco Perpetual, nach Reuters-Daten Nummer 23 unter den Novartis-Aktionären, findet es zwar grundsätzlich gut, dass der Konzern bei seinen Beteiligungen aufräumen will, „Aber was tun sie mit dem Geld?“ Er wäre sehr vorsichtig mit einem „großen Deal um seiner selbst Willen“, mahnt der Fondsmanager.

Für Novartis stehen beträchtliche Gewinnbeiträge auf dem Spiel: Die Anteile an Roche und am Glaxo-Geschäft brachten im vergangenen Jahr 464 beziehungsweise 234 Millionen Dollar ein. Insgesamt erzielt Novartis 2016 einen Nettogewinn von 6,7 Milliarden Dollar. Andererseits könnte ein Zukauf auch Defizite beheben: In der Krebs-Immuntherapie etwa haben die Schweizer bislang kaum Flagge gezeigt. Während etwa Roche und die US-Rivalen Bristol-Myers Squibb und Merck kräftig in diesen als Durchbruch in der Krebsmedizin gefeierten Therapieansatz investiert haben und inzwischen mit modernen Krebspräparaten gut verdienen, hat Novartis noch keine solche Arznei auf dem Markt. „Wir glauben, dass sich Novartis dazu gedrängt sehen könnte, Vermögenswerte zu veräußern, um Akquisitionen im Pharmabereich zu finanzieren“, erklärte jüngst UBS-Analyst Michael Leuchten.

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